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Große Trauer um Tölzer Urgestein: Passionierter Jäger unerwartet verstorben

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Von: Andreas Steppan

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Anton Krinner (†) liebte die Natur und die Jagd. Vergangenen Freitag starb er im Alter von 75 Jahren.
Anton Krinner (†) liebte die Natur und die Jagd. Vergangenen Freitag starb er im Alter von 75 Jahren. © PRIVAT

Bad Tölz trauert um eine markante, vielseitig engagierte Persönlichkeit. Anton Krinner war unter anderem bekannt als bestens vernetzter Immobilienmakler und passionierter Jäger. Am 19. November ist er unerwartet im Alter von 75 Jahren gestorben.

Bad Tölz - Mit Fug und Recht kann man Anton Krinner als „Tölzer Urgestein“ bezeichnen. Sein Urgroßvater ist sogar in einer Textzeile des Tölzer Schützenmarschs („Aba schaugts dort an Krinner-Bäck“) beziehungsweise in der Darstellung des letzten Tölzer Flößers im Stadtmuseum verewigt.

Unaufhörliche Wissbegierde und strategisches Denken zeichneten Anton Krinner aus

Geboren in eine Kaufmannsfamilie, übernahm Anton Krinner 1973 als Immobilienmakler das Geschäft von seiner Mutter, die das Unternehmen 1953 gegründet hatte. Zuvor aber machte er eine Ausbildung in der kaufmännischen Abteilung der Münchner Baufirma Wayss & Freytag und war dort in den 1960er- und 1970er-Jahren aktiv am damaligen Aufbau der Münchner Infrastruktur beteiligt. „Das war eine seine wildesten, schönsten Zeiten“, sagt seine Tochter Gabriele Hüsken.

Als Inhaber von „Immobilien Krinner“ in Bad Tölz habe er sich durch seine umfassenden Kenntnisse, unaufhörliche Wissbegierde und strategisches Denken ausgezeichnet, schildert die Tochter. „Er war ein wandelndes Lexikon. Und wenn ich einmal im Duden etwas anders gefunden habe, als er gesagt hat, meinte er: ,Auch der Duden kann sich irren.’“

Er war jemand, der seine Überzeugungen bestimmt und impulsiv vertrat

Anton Krinner sei vielen Menschen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, sein Wort wurde auch von Bürgermeistern, Landräten und im Landtag gehört. Dadurch entstanden tiefe Freundschaften. Es blieb aber auch nicht aus, dass sich Krinner Gegner machte, zumal er seine Überzeugungen bestimmt und impulsiv vertreten konnte. Seinen Beruf übte Anton Krinner bis zuletzt mit Leidenschaft aus. Von Ruhestand konnte auch in fortgeschrittenem Alter keine Rede sein.

Pflege der Steinbockpopulation an der Benediktenwand war ihm ein Herzensanliegen

Gleichzeitig war er ein Mann, der das Leben zu genießen wusste. Freude und Ausgleich fand er vor allem in seiner großen Passion, der Jagd. Seit 1994 war der Naturliebhaber Vorsitzender der Hochwildhegegemeinschaft Isarwinkel. Die Pflege der Steinbockpopulation an der Benediktenwand war ihm ein Herzensanliegen. Selbst hatte er in den 1990er- und 2000er-Jahren eine Jagd in Hinterriß, die Berg- und Taljagd Bad Heilbrunn war 40 Jahre sein Revier. Das habe er als „jagd- und forstwirtschaftlichen Betrieb“ gesehen und ein „Vorzeigerevier“ geführt, sagt seine Tochter Brigitta Krinner.

Pragmatische Lösungen waren ihm immer wichtig

Sich selbst habe er als „einfachen Jäger“ gesehen, „der dem echten Handwerk nachgeht“, sich mit den Bauern vor Ort genauso auf Augenhöhe unterhalten hat wie mit Landtagsabgeordneten. Dabei waren ihm nicht nur pragmatische Lösungen wichtig, sondern ebenso fundierte Regelungen.

Seine Kenntnisse und Fähigkeiten waren so sehr geschätzt, dass er gebeten wurde, das Bayerische Jagdgesetz zu kommentieren, das im Boorberg Verlag erschien. In der Jägerausbildung engagierte sich Krinner als Referent und Mitglied in Prüfungsausschüssen. Auch überörtlich bekleidete er ehrenamtliche Posten, etwa als Vorsitzender des Hochwildausschusses des Bayerischen Jagdverbandes – in dieser Funktion hielt er deutschlandweit Vorträge – oder im Jagdbeirat bei der Regierung von Oberbayern. Für seine Verdienste erhielt er die höchste Auszeichnung des Bayerischen Jagdverbandes.

Darüber hinaus war er über Jahrzehnte Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins und Sprecher der Pächtergemeinschaft Alte Schießstätte. Es war in den 1990er-Jahren seine Idee, das Gebäude als dauerhafte Heimat der drei Tölzer Trachtenvereine und des Kreisjagdverbands zu nutzen.

In jungen Jahren war Anton Krinner als Eishockeyspieler aktiv

Was in der Öffentlichkeit nicht jeder wusste: In jungen Jahren war Krinner als Eishockeyspieler aktiv – wie später sein Sohn, der bereits 2017 verstorbene Profispieler und -trainer Anton Krinner jun. Zudem war Krinner sen. auch Motorradrennen gefahren, hatte Testfahrten auf dem Nürburgring gemacht. Mit dem Motorradrennen hörte er nach der Geburt seiner jüngsten Tochter auf. Doch die Freundschaft mit der damaligen Motorrad-Clique bestand bis zu seinem Lebensende fort.

Familie verliert einen fürsorglichen Patriarchen

In der Familie war Anton Krinner ein charakterstarker, aber auch liebevoller und fürsorglicher Patriarch, der bis zuletzt den jüngsten seiner sieben Enkelkinder gerne das Frühstück und die Brotzeit herrichtete. „Es war ihm ein Anliegen, dass jeder genug zu essen hat“, sagt Brigitte, seine Ehefrau, die ihm 56 Jahre den Rücken frei hielt.

In der Firma wird nun Gabriele Hüsken die Familientradition fortsetzen. Sie möchte „Immobilien Krinner“ im Sinne ihres Vaters weiterführen.

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