Tipps für die vegane Küche gab es von Chefkoch Serkan Tunca (li.) bei der Auftaktveranstaltung zum „Tölzer Veg“ im Kurhaus. Die Kostproben an den Tische wurden aufgrund der Hygiene-Vorschriften schon am Nachmittag zubereitet.
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Tipps für die vegane Küche gab es von Chefkoch Serkan Tunca (li.) bei der Auftaktveranstaltung zum „Tölzer Veg“ im Kurhaus. Die Kostproben an den Tische wurden aufgrund der Hygiene-Vorschriften schon am Nachmittag zubereitet.

Auftakt zum „Tölzer Veg“

Vegane Wochen in Bad Tölz eröffnet: Fleisch-Imitationen schmecken dem Chefkoch nicht

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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In Bad Tölz dreht sich wieder einmal für vier Wochen alles um Ernährung ohne tierische Produkte. Bei der Auftaktveranstaltung im Kurhaus stellte Serkan Tunca einige Rezepte vor.

Bad Tölz – Mit einem halben Jahr coronabedingter Verspätung hat es geklappt: Mit einer veganen Kochshow wurde nun im Kurhaus der „Tölzer Veg“ eröffnet. Koch Serkan Tunca philosophierte über vegane Ernährung und den ersten veganen Kindergarten. Natürlich gab es auch viele Rezepttipps.

Den „Tölzer Veg“ gibt es seit 2013. „Anfangs haben die Leute gesagt: Vegan? Im Schweinsbraten-lastigen Bad Tölz? Geht das?“, erinnerte sich Kur- und Tourismusdirektorin Brita Hohenreiter. Mittlerweile habe sich das Programm etabliert. „Ich glaube, dass man in Bad Tölz inzwischen niemandem mehr erklären muss, was der Unterschied zwischen vegetarisch und vegan ist.“

Die Rahmenbedingungen waren etwas gewöhnungsbedürftig: Kostproben der Gerichte gab es dieses Mal nicht warm und frisch aus der Pfanne, sondern kalt – Tunca musste sie aufgrund der Hygiene-Vorschriften schon am Nachmittag zubereiten. Die rund 70 Gäste durften ihre Fragen nicht selbst stellen, nur Hohenreiter durfte ins Mikrofon sprechen: „Sonst müssen wir nach jedem Redebeitrag den Mikrofon-Überzug auswechseln.“

Chefkoch Serkan Tunca kredenzt vegane Gerichte im Kurhaus

Tunca kochte eine Radieserl-Suppe, einen gebackenen Spitzkohl mit Kohlrabi-Erbsen-Cashew-Creme und Rote-Beete-Chips. Nebenbei redete er darüber, wie er Veganer geworden ist. So las er vor zehn Jahren in einer Tageszeitung einen Erfahrungsbericht, wie schwer es sei, sich eine Woche vegan zu ernähren. Dies habe ihn neugierig gemacht. In der Tat sei es vor zehn Jahren schwierig gewesen, vegane Lebensmittel zu bekommen. Wie wahrscheinlich die meisten Veganer habe er anfangs versucht, Lebensmittel wie Fleisch zu imitieren. „Aber das hat einfach nur greislich geschmeckt.“ Nun wolle er zeigen, dass Veganer nicht auf solche Ersatzprodukte angewiesen sind, man könne auch mit veganen Produkten „leckere Sachen“ machen. In den Supermärkten gebe es inzwischen reichlich Auswahl.

Tunca ging vor drei Jahren sogar noch einen Schritt weiter und gründete in München mit anderen Eltern den ersten veganen Kindergarten. „Man kann sich nicht vorstellen, was da medial los war“, sagt Tunca. „Die Leute sprachen von Gesundheitsgefährdung und wollten uns anzeigen.“ Man ernähre sich aber nicht automatisch ausgewogen, nur weil man Fleisch und Eier esse. „Abwechslungsreiche Ernährung ist immer gut – egal ob vegan oder nicht vegan.“ Sein Blutbild und das seines dreijährigen Sohnes sei jedenfalls tadellos.

Führt vegane Ernährung zu Eisenmangel?

Die Zuhörer hatten jede Menge Anmerkungen. So sagte eine Frau, dass sie nach der Umstellung auf vegane Ernährung unter Eisenmangel gelitten und sich häufig sehr müde gefühlt habe. „Frauen leiden oft unter Eisenmangel“, entgegnete Tunca. Das sei nicht automatisch auf vegane Ernährung zurückzuführen. Eine andere Zuhörerin vermutete, dass Vitamine verloren gehen, wenn man sie im Mixer zerkleinert. „Wenn ich eine Creme herstellen will, habe ich keine andere Wahl“, so Tunca. Wenn man Lebensmittel zubereite, gingen immer Vitamine verloren, „sonst dürfte man nur noch Rohkost essen“. Darüber hinaus klärte Tunca viele weitere Fragen. So solle man das Grün am Lauch mitkochen und nicht wegwerfen, „denn das wäre rausgeschmissenes Geld“. Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, solle wegen der Omega-Drei-Fettsäuren Leinöl über den Salat gießen.

Die veganen Wochen laufen bis 3. November. Zu den Themen im Vitalzentrum zählen eine Einführung in vegane Lebensmittel (13.10.), Kräuterwanderungen (9., 16., 23., 31.10.), Duftführungen (15.10., 26.10.), ein orientalisch-veganer-Kochkurs (24.10) sowie ein Kurs im Waldbaden (17.10.).

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