Verunsichert: Gerade bei Senioren versuchen die Betrüger ihr Glück – oft mit Erfolg.
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Der Verein versuchte auch in Corona-Zeiten, Kontakt zu den Senioren zu halten, ihnen das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein. So übernahmen Mitglieder auf Wunsch Telefonpatenschaften. 

Angebote für Senioren

Tölzer Verein „Alt & selbstständig“ musste in Corona-Zeit neue Wege gehen

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Die Arbeit von „Alt & selbstständig“ in Bad Tölz lebt normalerweise vom persönlichen Kontakt. Der war in Corona-Zeiten nur schwer möglich. Deshalb mussten neue Wege gesucht werden.

Bad Tölz – Seit über 30 Jahren wird in Bad Tölz unter dem Motto „Alt & selbstständig“ Senioren geholfen. Dieser Aufgabe widmet sich zum einen die gleichnamige Kontaktstelle der Caritas, zum anderen ein Verein mit dem Engagement vieler Ehrenamtlicher. Die Arbeit beider lebt normalerweise vor allem von der persönlichen Begegnung, „davon, dass man sich in die Augen schaut und die Hand reicht“, sagt die Tölzerin Ute Reuter, die im Verein mitarbeitet und dort Geschäftsführerin des Padar-Fonds ist, einer der finanziellen Säulen von „Alt & selbstständig“. In der Corona-Zeit aber musste man notgedrungen neue Wege suchen – und ist voller Pläne für die Zeit, in der Kontakte wieder sorgloser möglich sind.

Das Ziel des Vereins ist, Senioren praktische, wohnortnahe Hilfe im Alltag zukommen zu lassen

Entstanden sei „Alt & selbstständig“ ursprünglich aus einer Untersuchung der damaligen Katholischen Stiftungshochschule in Benediktbeuern zur Situation und zu den Bedürfnissen von Senioren im ländlichen Raum, berichtet Reuter. Unter dem Träger Caritas wurde auf dieser Basis eine Kontaktstelle mit heute vier angestellten Mitarbeiterinnen aufgebaut. Deren Arbeit unterstützt ein Verein, der laut Reuter zurzeit 141 Mitglieder hat. Gemeinsam haben sie das Ziel, Senioren praktische, wohnortnahe Hilfe im Alltag zukommen zu lassen und ihnen damit den Verbleib in der gewohnten heimischen Umgebung zu erleichtern. „Das tun wir in Ergänzung zu den pflegerischen Diensten“, erklärt Reuter.

Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen betreuen eine Fachberatung für pflegende Angehörige. Darüber hinaus sind für „Alt & selbstständig“ rund 60 Betreuungshelfer unterwegs, die Senioren im Haushalt helfen, für sie putzen, kochen oder einkaufen gehen, ihnen Gesellschaft leisten oder mit ihnen spazieren gehen – „je nachdem, wo der Bedarf ist und was der einzelne zu leisten bereit ist“, sagt Ute Reuter. Angeboten werden diese Hilfen in Bad Tölz, Jachenau, Lenggries, Gaißach, Wackersberg, Sachsenkam, Reichersbeuern und Greiling. „Jeder kann sie in Anspruch nehmen.“

Mitarbeiter übernahmen Telefonpatenschaften

Vor Corona sorgte der Verein zudem dafür, dass ältere Menschen zusammenkommen und soziale Kontakte pflegen: etwa mit Tagesfahrten, Seniorenfreizeiten, einem jährlichen Ausflug zum „Klösterl“ am Walchensee mit Grillen sowie Kaffee und Kuchen, Sommerfesten, Weihnachtsfeiern, Gedächtnistraining und mehr. „Das alles ist zuletzt ausgefallen“, sagt Reuter. Der Verein versuchte dennoch, Kontakt zu den Senioren zu halten, ihnen das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein. So übernahmen Mitglieder auf Wunsch Telefonpatenschaften. „Wir erkundigen uns regelmäßig bei den Menschen erkundigt: Wie geht es Dir, was machst Du?“ Es gehe darum, „einfach zuzuhören“, sagt die Tölzerin.

Auch mit Briefen versuchte der Verein, alte Menschen in der Corona-Einsamkeit zu erreichen und ihnen eine Freude zu machen – zum Beispiel mit dem Geschenk von „Tölzer“-Wertgutscheinen.

Für die Zukunft gibt es viele Pläne - auch Nachwuchs wird gesucht

Für die Zukunft gibt es viele Pläne, so Reuter. Die professionelle Beratung werde weitergeführt – aber es solle auch vermehrt Weiterbildungen und Schulungen für die Ehrenamtlichen geben. Ein Thema, das sich „Alt & selbstständig“ auf die Fahnen geschrieben hat, sind Mobilitätsverbesserungen. „Senioren haben den Wunsch, mobil zu sein und am Leben teilzunehmen“, sagt Reuter. Es gebe zum Beispiel wunderbare kulturelle Angebote im Kurhaus. „Aber es ist schwierig, wenn die Leute zwar hinkommen, aber nicht mehr zurück.“ Außerdem möchte der Verein um Nachwuchs werben. „Es war angedacht, dass wir an die Schulen gehen, um auch junge Leute einzubeziehen“, sagt Reuter. Auch das wird erst wieder nach Corona möglich sein.

Jeder ab 18 Jahren kann dem Verein beitreten

Ute Reuters Motivation ist unabhängig davon ungebrochen. Es seien die gleichen Werte, die die reibungslose Zusammenarbeit von Kontaktstelle und Verein ermögliche, sagt sie, die sich persönlich schon seit Jahrzehnten ehrenamtlich einbringt, sei es in der katholischen Frauengemeinschaft, in der Kommunalpolitik, der Hausaufgabenbetreuung oder als Schöffin. „Es ist wichtig, dass man Menschen hilft, die sich nicht selbst helfen können“, sagt sie. Sie und ihre Mitstreiter wollten einen Beitrag leisten, „damit alte Menschen in Würde leben können“.

Infos: Dem Verein „Alt & selbstständig“ kann jeder ab 18 Jahren beitreten. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 18 Euro, für Paare 30 Euro. An die Beratungsstelle kann man sich Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag, jeweils von 8.30 bis 10 Uhr sowie mittwochs von 14 bis 16 Uhr unter Telefon 0 80 41/7 93 16-101 wenden. Um die Erreichbarkeit zu verbessern, wurden zusätzliche Sprechzeiten eingerichtet: Dienstag und Donnerstag, 10 bis 12 Uhr, unter Durchwahl -102.

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