Zugunglück im Hauptbahnhof von Salzburg - viele Verletzte

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Schläge mit dem Gehstock

Er war immer der nette „Opa“ - dann rastet Tölzer (79) aus

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Eigentlich ist der 79-Jährige bei den Kindern beliebt. Doch im August 2017 rastete der Tölzer plötzlich aus und schlug einen Buben mit dem Gehstock. Jetzt stand er vor Gericht.

Bad Tölz/WolfratshausenDer Junge mag den alten Mann. Er nennt ihn „Opa“. Manchmal spendiert der Rentner ein Eis, zum Nikolaus steckt er den Kindern in der Nachbarschaft schon mal ein paar Euro zu. Doch eines Nachmittags tickt der sonst so nette „Opa“ völlig unerwartet aus. Der Tölzer Rentner musste sich deshalb kürzlich wegen Sachbeschädigung, gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung vor Gericht verantworten und wurde zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt.

Der Vorfall ereignet sich am 24. August 2017 gegen 14.30 Uhr. Der Junge hockt im Gras der Wohnanlage. Sein Fahrrad lehnt an der Hauswand, als der Rentner (79) hinzukommt. Der Alte sagt etwas wie „wem gehört das Scheißding?“. Er stößt das Rad um, packt es und schmeißt es weg. Der 13-Jährige ist empört, geht auf den Mann zu, beschwert sich lautstark. Da schlägt der Senior zu, erst mit der flachen Hand, dann mit dem Gehstock. Der Junge schreit, er rufe die Polizei. Der Alte droht: „Mach’ das, aber vorher erschlag’ ich dich.“ Ein Arzt attestiert dem Schüler später Prellungen am Unterarm, an der Nase und an der rechten Wange.

„Es tut mir sehr leid, dass ich so ausgeflippt bin“

Vor Gericht beteuerte der Mann jetzt: „Es tut mir sehr leid, dass ich so ausgeflippt bin“. Als Ursache komme womöglich ein Medikament in Betracht, das er wegen seinem Diabetes einnehmen müsse. „Derartige Handlungsweisen sind teilweise krankheitsbedingt“, wies der Angeklagte auf unerwünschte Nebenwirkungen hin. „Bei Unterzucker explodiere ich manchmal.“ Er wolle sich damit aber nicht herausreden. „Wenn ich für etwas geradestehen muss, tu ich das“, sagte der Beschuldigte.

Allerdings könne er sich an Schläge mit dem Gehstock auf den Kopf des Jungen nicht erinnern. „Ich habe ihm zwei Watschen gegeben, dazu stehe ich“, räumte der Angeklagte ein. Ansonsten habe er den 13-Jährigen mit Stockschlägen auf den Unterarm lediglich „von sich abhalten“ wollen.

Eine Beobachterin der Szene, die zu dem Zeitpunkt mit dem Opfer auf dem Rasen der Wohnanlage gesessen und den Traktor ihres Sohns repariert hatte, bestätigte „eine Watschn, die war richtig durchgezogen“. Sie hatte aber auch „Schläge mit dem Stock, die auf Oberkörper und den Kopfbereich gerichtet“ waren, gesehen. „Ich war so schockiert, dass ich gar nicht eingeschritten bin“, sagte die Zeugin.

Rentner hat sich bei dem Buben entschuldigt

Inzwischen scheint die nachbarschaftliche Harmonie wieder hergestellt zu sein. Die Mutter des Jungen hat dem Gericht in einer schriftlichen Erklärung mitgeteilt, dass Täter und Opfer die Sache ausgeräumt hätten. Der Rentner habe sich bei ihrem Sohn in aller Form entschuldigt und ihn angemessen entschädigt. „Wir möchten von einer Strafverfolgung absehen“, schließt der Brief der Mutter.

„Er ist einmal ausgerastet und hat sich ehrlich bemüht, das Ganze zu reparieren“, warb Verteidiger Andreas Sander um Nachsicht mit seinem Mandanten und dessen ersten „eruptiven, kurzen Gewaltausbruch in einem fast 80-jährigen Leben“.

Richter Helmut Berger verurteilte den Tölzer zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die er für zwei Jahre zur Bewährung aussetzte. Er gehe von „einem einmaligen Ausrutscher“ aus, so der Richter in seiner Urteilsbegründung. Als Auflage muss der Verurteilte 1800 Euro in kleinen Raten an die Oberland-Werkstätten zahlen. „Als Zeichen für Reue und seinen guten Willen“, so der Richter.

Rubriklistenbild: © dpa

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