+
Viele Zahnärzte haben den Betrieb heruntergefahren. Eine einheitliche Regelung gibt es noch nicht. 

Corona 

Nur Schmerzpatienten werden behandelt

  • schließen

Auch die Tölzer Zanharztpraxen reagieren nun auf die Ausbreitung des Coronavirus und schränken ihren Betrieb ein. Eine einheitliche Regelung gibt es bis dato jedoch noch nicht. 

Bad Tölz – Dr. Thomas Kitterle fühlt sich von der Politik allein gelassen: „Wir haben kaum noch Mundschutz (wobei der normale Mundschutz gegen die Corona-Viren sowieso nicht hilft), und schon gar keine Schutzkleidung“, schreibt Kitterles Frau Gabi in einer Mail an den Tölzer Kurier. Dabei sei gerade bei Zahnärzten das Risiko, sich zu infizieren, hoch. Und was auch Sicht der Kitterles noch viel schlimmer ist: Die Zahnärzte würden das Virus im Falle einer symptomlosen Infektion munter weiter verteilen. Nun hat Thomas Kitterle Konsequenzen gezogen.

Seit Freitag werden in seiner Praxis auf der Flinthöhe nur noch Schmerzpatienten behandelt. „Wir sind damit natürlich immer noch gefährdet, aber erfüllen unseren Sicherstellungsauftrag.“ Bis auf Weiteres beschränken sich die Öffnungszeiten von montags bis freitags auf 10 bis 12 Uhr. „Wenn nötig, sind wir auch länger da.“

„Wir haben kaum noch Mundschutz und schon gar keine Schutzkleidung“

Kitterle vermisst eine klare Anordnung von oben an die rund 50 000 Zahnärzte in Deutschland. Aus seiner Sicht sei es sinnvoll, nur noch Notfälle zu behandeln, um so die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Die Realität aber sehe bislang anders aus: Noch am Donnerstag hatte das Robert-Koch-Institut in einem Schreiben an die Zahnärzte mitgeteilt, dass ein Mundschutz, Schutzbrille und Handschuhe bei der Behandlung völlig ausreichend seien, sagt Kitterle. „Das ist ein Witz.“ Der feine Spraynebel nämlich, der beim Bohren entstehe, sei ein ideales Transportmedium für Viren. Aus seiner Sicht bräuchte es einen FFP3-Mundschutz und spezielle Schutzkleidung. Aber weder das Gesundheitsamt noch die Zahnärztekammer seien in der Lage, den Zahnmedizinern so etwas zur Verfügung zu stellen.

„Aufschieben, was aufschiebbar ist“

Dr. Ralf Angermaier kann die Bedenken seine Kollegen absolut nachvollziehen – auch wenn er glaubt, dass ein normaler Mundschutz absolut ausreichend sei. „Ich habe gelesen, dass das Corona-Virus sehr groß sei und und sehr wohl von den klassischen Schutzmasken gefiltert werde.“ Trotzdem hat auch Angermaier in seiner Praxis an der Tölzer Säggasse den Betrieb heruntergefahren. Sein Credo: „Aufschieben, was aufschiebbar ist.“ Das heißt: Wenn jemand mit dicker Backe vor der Tür stehe, werde er nicht abgewiesen. Schönheitschirurgische Eingriffe zum Beispiel finden aktuell dagegen nicht statt. Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme darf sich außerdem nur noch ein Patient im Wartezimmer aufhalten. „Ich weiß von anderen Kollegen, dass sie das ähnlich handhaben“, sagt der Kreis-Sprecher der Zahnärzte.

„Wir lassen keinen Patienten im Regen stehen.“

Dass im Moment noch jeder Praxis-Betreiber selbst entscheiden kann, wie er mit der Situation umgeht, findet Angermaier in Ordnung. Sollte eine Ausgangssperre kommen, könne sich das aber schnell ändern: „Dann wird ein zahnärztlicher Notdienst eingeteilt werden.“ Grund zur Panik besteht ihm zufolge in keinem Fall: „Wir lassen keinen Patienten im Regen stehen.“

Lesen Sie auch: 

Coronakrise im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen im Live-Ticker

Söder ordnet massive Ausgangsbeschränkungen an 

Der Unterschied zwischen den momentan geltenden bayerischen Ausgangsbeschränkungen und einer Ausgangssperre 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ausflügler-Andrang - Einheimische trauen sich nicht mehr in den Supermarkt
In Bayern gelten Ausgangsbeschränkungen. Dennoch ist der Andrang - besonders bei gutem Wetter - von Ausflüglern auf den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen enorm. 
Ausflügler-Andrang - Einheimische trauen sich nicht mehr in den Supermarkt
Corona-Krise im Landkreis: Zwei Menschen erliegen Corona-Virus-Infektion
Mittlerweile ist die Zahl der Corona-Fälle im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen auf 266 gestiegen. Alle Entwicklungen in der Region im News-Ticker.
Corona-Krise im Landkreis: Zwei Menschen erliegen Corona-Virus-Infektion
„Es ist nicht die Zeit für Luftsprünge“
Im Interview äußert sich der designierte Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner über sein Topergebnis, die Stellvertreter-Entscheidung und den Umgang mit Niederlagen.
„Es ist nicht die Zeit für Luftsprünge“
Gemeinderat: Kochel beruft Notausschuss
Gemeinde Kochel am See richtet „Ausschuss für Notzeiten“ ein, um auch während der Corona-Krise kommunalpolitisch handlungsfähig zu bleiben. 
Gemeinderat: Kochel beruft Notausschuss

Kommentare