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Einige Hausbesitzer in Bad Tölz und Umgebung bekamen in den vergangenen Tagen seltsame Anrufe. 

Vorsicht ist geboten

Tölzerin bekommt merkwürdigen Anruf: Neue Masche von Telefonbetrug?

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In Bad Tölz und Umgebung gibt es vermutlich eine neue Masche von Telefonbetrug. Unbekannte locken mit Energiespar-Angeboten. Angerufen werden vor allem Hauseigentümer.

Bad Tölz – Wie man in der eigenen Immobilie Energie sparen kann, etwa durch Modernisierungen, ist für viele Menschen ein wichtiges Thema. Deshalb dachte sich eine Tölzerin (72) nichts Böses, als sie vergangene Woche einen Anruf bekam. Die Dame am Telefon sprach sie gezielt auf ihr Haus an und begann, über verschiedene Neuerungen beim Energiesparen zu sprechen. „Die Anruferin wirkte sehr professionell, deshalb habe ich mich auf sie eingelassen“, berichtet die 72-Jährige. Konkret ging es um eine Fotovoltaikanlage auf dem Hausdach. Eine ganze Weile habe sie sich mit der „sehr netten Frau“ am Telefon darüber unterhalten, denn diese vermittelte den Eindruck, im Auftrag einer staatlichen Stelle anzurufen. Die Rede war von einer Energiezentrale. Doch plötzlich kamen Fragen, die die Tölzerin stutzig machten: Denn die Anruferin wollte wissen, welche Wertsachen sie im Haus habe und ob sie alleine lebe. „Die Fragen wurden aber ganz beiläufig gestellt“, berichtet die Tölzerin. Die 72-Jährige notierte sich eine Internetadresse und vereinbarte für den kommenden Tag einen Besuchstermin.

Bei der Recherche im Internet wurde die Tölzerin jedoch misstrauisch. Die Seite erschien ihr unseriös, und in einem Online-Forum warnten Menschen, die auch von dieser Nummer angerufen worden waren, vor der Firma. Eine Tageszeitung in Norddeutschland berichtete zudem von Anrufen ähnlicher Machart. „Offensichtlich handelt es sich hier um Betrug“, sagt die Tölzerin.

Zu einem Treffen mit den „Energiespar-Profis“ in Tölz kam es nicht. Diese wollten plötzlich den Termin verschieben. Darauf ließ sich die Tölzerin jedoch nicht ein. „Ich habe dann auch gesagt, dass ich in diesen Internet-Auftritt kein Vertrauen habe.“ Eine weitere, von der Firma genannte Webseite erwies sich als unauffindbar. Am folgenden Tag versuchten die Anrufer, die Tölzerin noch mehrmals zu kontaktieren, doch die 72-Jährige ging nicht mehr ans Telefon.

„Als ich in meinem Bekanntenkreis davon erzählt habe, haben mir einige gleich gesagt, dass sie ähnliches erlebt haben“, berichtet die Tölzerin. Angeboten wurden auch Dämm-Methoden für Fenster und Türen. Mittlerweile weiß der Tölzer Kurier auch von einem Fall, in dem in einem Mehrfamilienhaus in einer Eigentumswohnung angerufen wurde.

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Bei der hiesigen Polizei sind derartige Anrufe noch nicht gemeldet worden. „Von solchen Fällen haben wir bislang in unserem Einzugsgebiet noch nichts gehört“, sagt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern in Rosenheim. Wenn sich ein Unbekannter am Telefon nach Wertgegenständen erkundige, sollte man misstrauisch werden und das Gespräch beenden, zum Beispiel, in dem man einfach auflegt. Sonntag warnt davor, zu glauben, dass nur Senioren auf Betrug am Telefon reinfallen: „Die Anrufer wirken so überzeugend, dass bei vielen Menschen erst mal gar keine Zweifel aufkommen.“

Grundsätzlich sei es ratsam, vor einem Termin mit einer unbekannten Firma viele Informationen zu sammeln. „Wenn man kein gutes Gefühl hat, kann man auch bei der Polizei anrufen und fragen, ob hier irgendwas vorliegt.“

Seniorin von Betrüger um 2000 Euro geprellt - Tölzer Polizei warnt vor dieser Masche

Der Polizist kann verstehen, dass Angerufene, die unachtsam über ihr Leben geplaudert haben, jetzt Angst vor Einbrechern haben. Sinnvoll sei, die Nachbarn zu informieren. Einbrecher würden nur dann kommen, wenn sie sich unbeobachtet fühlten. Sonntag rät, bei Verdachtsmomenten den Notruf 110 zu wählen, etwa wenn fremde Autos aufkreuzen. Außerdem sollte man das Haus sichern, zum Beispiel bei Verlassen kein Fenster gekippt haben. „Und große Wertsachen sollte man generell nicht daheim aufbewahren, lieber in einem Schließfach bei der Bank“, sagt Sonntag. „Professionelle Einbrecher finden zu Hause jedes Versteck.“

Weitere Infos von Seiten der Polizei im Internet auf www.polizei-beratung.de.

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