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Die Töpferin Rosi Demmel betreibt seit 20 Jahren ihre Werkstatt an der Salzstraße. Das Handwerk lernte sie einst in der Schule, später machte sie es zum Beruf. Die Leidenschaft hält bis heute.

Zwei bekannte Künstlerinnen stellen gemeinsam aus

Töpfern und malen unter einem Dach

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Zwei bekannte Tölzer Künstlerinnen laden an diesem Wochenende erstmals zu einer gemeinsamen Ausstellung: Töpferin Rosi Demmel und Malerin Sophie Frey. Beide arbeiten zusammen in der Salzstraße.

Bad Tölz– Viele Tölzer kennen die kleine Keramikwerkstatt, die Rosi Demmel seit 20 Jahren an der Salzstraße 15 betreibt. Seit zwei Jahren hat dort auch Sophie Frey ihr Atelier. Sie ist von Lenggries wieder nach Tölz gezogen und bietet über der Töpferei ihreAquarell-Malkurse an. Die beiden Frauen kennen sich seit Jahrzehnten – und es gibt vieles, was sie künstlerisch verbindet, auch wenn sie mit ganz unterschiedlichen Materialien arbeiten.

Beide entdeckten schon früh, dass ihnen künstlerisches Arbeiten wichtig ist. Rosi Demmel lernte als Schülerin am Tölzer Gymnasium bei Kunstlehrer Max Weihrauch in einem Wahlkurs das Töpfern. Es machte ihr derart Spaß, dass sie nach der zehnten Klasse die Schule verließ und eine Ausbildung bei der „Kocheler Keramik“ begann. Das Töpfern begeistert sie bis heute. „Das Material erdet mich“, sagt sie über die Arbeit mit dem Ton. Bevor sie vor 20 Jahren das eigene Atelier in Tölz bezog, arbeitete Demmel unter anderem in einer Töpferei in Rottach-Egern. In dieser kleinen Werkstatt lernte sie auch, Motive für Ofenkacheln zu machen. „Töpfern ist so ein abwechslungsreicher Beruf. Ich könnte mir nicht vorstellen, in einem Büro zu arbeiten“, sagt die 62-Jährige schmunzelnd.

Aquarellmalerin Sophie Frey arbeitet über der Töpferwerkstatt in ihrem Atelier. Dort bietet sie auch immer wieder Malkurse an. Frey gehört der Lenggrieser Künstlervereinigung an.

Als Selbstständige hat sich Demmel auf Gebrauchskeramik spezialisiert. „Gerade im Deko-Bereich kann man ganz viel machen“, sagt sie. „Das ist eigentlich unerschöpflich.“

Etwas Besonderes ist ihr Tölzer Rosenmotiv, zu sehen auf Geschirr. Die Idee dazu kam ihr bei einer Ausstellung auf den Rosentagen. Demmels Rose hat einen langen Stiel, schlichte Blätter und eine ebenso zarte und schlichte Blüte. Motiv und Keramik werden verbunden, indem zum Beispiel auch die Tasse lange und schmal ist und sich der Henkel ungewöhnlicherweise oben auf Höhe der Blüte befindet.

Vor Kurzem hat Demmel begonnen, mit Gold zu experimentieren. Sie drückt Häkelspitze in den feuchten Ton und bemalt nach dem Brennvorgang dieses Spitzenmuster mit Gold. Die Vasen und Schüsseln bekommen dadurch einen Retro-Charme.

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Angrenzend an den Ausstellungsraum befindet sich Demmels Werkstatt, in der getöpfert, gebrannt und gemalt wird. Jedes Stück wird zweimal mehrere Stunden bei fast 1000 Grad gebrannt. „Noch immer, wenn ich den Ofen öffne, bin ich gespannt, wie es aussieht“, verrät Demmel. Dann werden die Sachen bemalt. Viele ihre Motive findet die Tölzerin in der Natur, etwa Blumen und Blätter.

So schließt sich der Kreis zu Sophie Frey. Auch für die Malerin ist die Natur eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Als Aquarellmalerin beschäftigt sie sich gerne mit dem Thema Stillleben. Die 62-Jährige betont es mit zwei Wörtern: „Still leben.“ „Es liegt mir daran, die Schönheit der Blumen und Früchte erst einmal in mich aufzunehmen“, sagt sie. „Dazu muss man innehalten und alle Sinne darauf konzentrieren, um auch einen Eindruck von Duft und Geschmack zu bekommen.“ Die Natur ist für Frey etwas Zauberhaftes. Als Beispiel beschreibt die Künstlerin, wenn Tulpenzwiebeln oder ein Baum nach dem Winter zu blühen beginnen. „Lautloses Wachsen im Verborgenen empfinde ich als großes Geheimnis“, sagt sie. „Man kann es nicht sehen, aber es geschieht trotzdem.“

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Frey ist Mitglied der Lenggrieser Künstlervereinigung und seit Jahren Ausstellende der viel beachteten Schau im September. Heuer war sie mit mehreren Hinterglasbildern vertreten.

Das Malen hat sich Frey autodidaktisch beigebracht. „Aquarellmalen war für mich wie eine Offenbarung“, sagt sie über ihre Anfänge vor rund 40 Jahren und meint schmunzelnd: „Die Malerei war schon immer meins. Ich bin wohl schon mit einem Stift auf die Welt gekommen.“ Aquarellmalen ist eine schwierige Technik. „Die scheinbare Leichtigkeit setzt Übung voraus, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, erklärt Frey. „Der Umgang mit Wasserfarbe ist nicht immer leicht und hat seine Tücken.“

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Die jüngste Idee kam ihr, als sie ein Porträt zusammenknüllte und in den Papierkorb warf. Es trocknete und wurde hart – und Frey entdeckte, welche Spannung, welcher neue Ausdruck in dem Gesicht zu lesen ist. Derzeit malt sie Porträts, lässt sie trocknen, zerknittert das Papier und befestigt es auf dunklem Hintergrund – so entsteht ein dreidimensionaler Eindruck. „Papier ist ein faszinierendes, unendlich wandlungsfähiges Material“, sagt die Künstlerin. Und ähnlich wie Rosi Demmel empfindet auch Sophie Frey eine große Ruhe beim Arbeiten. „Ich könnte es nie lassen“, sagt die Tölzerin lächelnd.

Ausstellung

Die beiden Künstlerinnen laden am kommenden Wochenende (17. und 18. November) zu einer Gemeinschaftsausstellung in ihren Ateliers an der Salzstraße 15 in Bad Tölz ein. Geöffnet ist täglich von 14 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Weitere Infos auch unter www.sophie-frey.de.

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