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Haben geschlossen (von links oben im Uhrzeigersinn): das Gasthaus Wiesweber am Stallauer Weiher, die ehemalige „Kaminstube“ und der Italiener „Benvenuti“ in Tölz sowie die Wirtschaft Isarburg in Schlegldorf. 

Viele seit Jahren zu

Tolle Lagen, beliebt bei Gästen: Trotzdem stehen diese Wirtshäuser im Tölzer Land leer

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Sie haben keinen Pächter, erfüllen behördliche Auflagen nicht, oder ihre Betreiber haben schlicht und einfach das Handtuch geworfen: Mehrere Wirtschaften und Lokale im Tölzer Land sind derzeit geschlossen. Ein Überblick.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Jahrelang lud das Bistro „Solo“ Spaziergänger an der Tölzer Isarpromenade zu mexikanischen Spezialitäten und Salaten ein. Der Nachfolger, die „Kaminstube“, setzte mehr auf „Premium-Steaks“ und „Spareribs“. Ein fleischiges Prachtexemplar ziert noch immer die Facebook-Seite des Lokals, das seit Februar geschlossen hat – „wegen schwerer Krankheitsfälle“, wie Betreiber Thomas Raths schreibt. „Leider ist es uns nicht möglich, den betriebswirtschaftlichen Schaden aufzufangen, weshalb wir uns entschlossen haben beziehungsweise entschließen mussten, den Betrieb einzustellen.“ Raths selbst und sein Koch lagen wegen Influenza-Erkrankungen inklusive Komplikationen im Krankenhaus, erklärt er am Telefon. Seine Gastronomie-Laufbahn will er in München fortsetzen. In absehbarer Zeit soll dort eine neue „Kaminstube“ entstehen.

Toni Fischhaber, der Eigentümer des Gebäudes, kann noch keinen Nachfolger für die Lokalität am Isarufer präsentieren. Der Mann, der mehrere Immobilien in und um Bad Tölz besitzt, sagt aber: „Es sind mehrere Bewerbungen da.“

Eiscafé sucht Nachfolger, Italiener wieder zu

Die ehemalige „Kaminstube“ ist nur eines von mehreren Gasthäusern, die im Tölzer Land aktuell leer stehen. Eine Gehminute entfernt vegetiert nicht nur der Leonhardikeller, der vor vielen Jahren eine Pizzeria war, vor sich hin – sondern auch das ehemalige „Marché“. Seit Michel Savic im Frühjahr 2016 das Handtuch warf, ist dort nichts passiert. Eine Immobilienfirma bietet das 176 Quadratmeter große Lokal mit zwei Ebenen seit Sommer 2016 im Internet an. Monatsmiete: 3500 Euro.

Im Badeteil am Max-Höfler-Platz hat der Italiener „Benvenuti“ im Januar nach dreieinhalb Jahren geschlossen. Die drei Geschäftspartner hätten sich wegen „verschiedener Prioritäten“ getrennt, sagt einer von ihnen, Giovanni Condina. Das Lokal verwaltet eine Firma aus Schleswig-Holstein für einen luxemburgischen Immobilienfonds. Es gebe Interessenten aus der Gastronomie. Die Verhandlungen seien aber aufwendig, weil auch noch Investitionen im Gebäude nötig sind“, sagt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage.

Gleich nebenan am Max-Höfler-Platz sucht Rudi Olivotto für sein Eiscafé „Pelmo“ einen Nachfolger. Er und seine Schwester hören aus persönlichen Gründen mit dem Café auf. Die Schwester geht zurück in den Heimatort, der Italiener aus Cortina d’Ampezzo bleibt weiterhin in der Stadt. Der 57-Jährige würde das Eiscafé als Institution gerne erhalten. 2013 hatte Olivotto das Lokal von der Familie Colle übernommen, „zwischen Mitte und Ende Mai hören wir auf“.

Was aus dem Gaißacher „Jägerwirt“ wird, ist unklar

Im Gasthof Isarburg in Schlegldorf können Radfahrer und Wanderer schon seit über einem Jahr nicht mehr einkehren. Inhaberin Anna Nägele möchte keine öffentliche Aussage treffen. Sie gibt lediglich zu verstehen, dass sie prüfe, was mit den Räumlichkeiten möglich ist. Oft spielen behördliche Auflagen bei Entscheidungen von Gastronomen eine wesentliche Rolle.

Wenig erfährt man auch von Elisabeth Rauchenberger, die zusammen mit ihrem Mann Schorsch den Gaißacher „Jägerwirt“ führte. 1999 hatten sie das Wirtshaus von ihren Großeltern übernommen, Ende Dezember 2017 sperrten sie es zu (wir berichteten). Das Aus war in Gaißach bedauert worden, weil damit ein wichtiger Veranstaltungsort im Dorf wegfiel. „Wir wissen noch nicht, was wir machen“, sagt Rauchenberger. Mehr will sie öffentlich nicht preisgeben.

Klar ist aber, dass die Inhaber Überlegungen anstellen müssen, was sie überhaupt in dem ehemaligen Wirtshaus umsetzen können. Bei einer behördlichen Überprüfung des Gebäudes seien verschiedene bauliche Mängel festgestellt worden, erklärte Schorsch Rauchenberger im Dezember. Mit kleineren Reparaturen oder Veränderungen sei nur schwer Abhilfe zu schaffen. „Wir haben zwar Unterstützung durch die Gemeinde und das Landratsamt erfahren, tatsächlich zu lösen ist das Problem aber nur mit einem Neubau“, sagte er damals.

Der „Wiesweber“ ist seit über zwei Jahren zu

Seit über zwei Jahren ist die Wirtschaft Wiesweber direkt am Stallauer Weiher bei Bad Heilbrunn nun schon geschlossen. Immer wieder hatte es zuvor Ärger gegeben zwischen verschiedenen Wirtsleuten und der Wiesweber Verwaltungs GmbH & Co. KG. Der Streit mit einem Pächter wurde sogar vor dem Münchner Landgericht II ausgetragen. Geschäftsführerin Svetlana Schwaighofer berichtet von mehreren Interessenten für das Haus, die es seit 2016 gegeben habe. Unter ihnen seien „drei sehr gute, seriöse und angesehene Unternehmer“ gewesen. „Aus konzeptionellen und logistischen Gründen“ sei aber kein Pachtvertrag zustande gekommen. Svetlana Schwaighofer möchte nichts überstürzen: „Da wir die Fehler aus der Vergangenheit reflektiert haben, wollen und müssen wir hier und jetzt nichts.“

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