+
Große Freude: Als Sebastian König Tallinn erreicht, streckt er sein Fahrrad in die Höhe. 

Lehrer radelt nach Tallinn

Tour mit Hindernissen: Mit dem Fahrrad bis in die Hauptstadt von Estland

  • schließen

Bis nach Tallinn ist der Tölzer Sebastian König von Pegnitz aus gefahren – mit dem Fahrrad. Ein tragischer Trauerfall drohte die Tour vorzeitig zu beenden.

Bad Tölz – Zwischenzeitlich dachten Sebastian König aus Bad Tölz und sein Cousin Andreas Bär aus Pegnitz, dass irgendjemand einfach nicht will, dass sie jemals in Tallinn ankommen. Die beiden mussten mental einen herben Tiefschlag hinnehmen: Königs Bruder starb zuhause plötzlich. „Er hätte nicht gewollt, dass wir aufhören“, sagt der Sportlehrer. Deshalb haben die beiden ihre Tour fortgesetzt. Auch dann, als dem Tölzer gleich zweimal zwei Speichen seines Fahrrads gerissen sind. Am Ende haben die Cousins knapp 1900 Kilometer in zwölf Tagen von Pegnitz bis in die estnische Hauptstadt zurückgelegt.

Es war nicht die erste lange Reise mit dem Fahrrad für Sebastian König. Unter anderem ist der 36-Jährige schon nach Istanbul, Dänemark und Rom gefahren. „Ich habe immer den Reiz, aus eigener Kraft ans Ende Europas zu kommen“, sagt er. Innerhalb von zwei Wochen haben der Tölzer und sein Cousin sieben Länder durchreist – Deutschland, Tschechien, Polen, Litauen, Lettland, Russland und Estland – und sind rund 150 Kilometer pro Tag gefahren.

Mit dem Fahrrad nach Tallinn: Tölzer fährt 150 Kilometer pro Tag

Besonders positiv überrascht waren der Tölzer und sein Cousin von den guten Radwegen und auch der Akzeptanz, die den Radfahrer entgegengebracht wurde. „Man fühlt sich nicht als Hindernis“, sagt König. Positiv in Erinnerung hat der Sportlehrer, der am Reichersbeurer Max-Rill-Gymnasium unterrichtet, aber auch, wie aufgeschlossen und hilfsbereit die Menschen allesamt waren, denen sie auf ihrer Reise begegnet sind. Einzig in Russland waren die beiden kühl und distanziert an der Grenze empfangen worden, erzählt König. „Das war, wie man es erwartet.“

Lesen Sie auch: Mit Baby und Hund auf großer Fahrt im Wohnmobil der Marke Eigenbau

Umso freundlicher waren dagegen diejenigen, die dem 36-Jährigen halfen, als ihm die Speichen rissen. Das sei ihm in seinem ganzen Leben noch nie passiert – „und jetzt gleich zweimal zwei“. In Polen reparierte ihm ein Fahrradmechaniker im Ruhestand in seiner Garage das Rad. 150 Kilometer weiter, auf russischem Boden, dann ein erneuter Schaden. Glücklicherweise waren es nur zehn Kilometer bis zu einem touristischen Ort. Und glücklicherweise sprach zumindest ein Polizist dort Englisch. „Der hat mich dann zu einem Radhändler gebracht“, erklärt König. Rund 200 Kilometer vor Tallinn riss dem Tölzer an seinem Rad wieder eine Speiche. „Aber das war uns dann egal“, sagt er.

Lesen Sie auch: Nach Quad-Unfall am Walchensee: Kaum ein Durchkommen für den Rettungsdienst

In Tallinn haben die zwei Radfahrer dann noch zwei Tage verbracht und sich die Stadt angesehen, ehe sie die Heimreise mit dem Flugzeug angetreten sind. Auch ein paar Tage nach der Ankunft zu Hause spürt König die Reise in seinem Gesäß immer noch. Dass er trotzdem so lange im Sattel durchgehalten hat, sei auch eine Frage des Willens. Und: „Man muss seinen Hintern immer gut pflegen“, erklärt der 36-Jährige.

Lesen Sie auch: Lenggrieserin reist mit 68 allein für zwei Monate nach Russland - und wird erst einmal festgenommen

Auch wenn König, wie er sagt, nach der Ankunft in der estnischen Hauptstadt durchaus fertig war, hat er nach zwei Tagen schon wieder die Lust auf eine neue Reise mit dem Rad verspürt. Die nächste Tour soll allerdings etwas kürzer werden und nur rund 100 Kilometer am Tag beinhalten. „Mein Traum ist es, in den USA zu radeln“, sagt der Tölzer. „Aber dafür muss halt alles drumherum passen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Größte Demo, die Bad Tölz je gesehen hat
Mit diesem Erfolg haben nicht einmal die Organisatoren selbst gerechnet: Rund 900 Teilnehmer kamen zur Klima-Demo am Freitag in Bad Tölz.
Größte Demo, die Bad Tölz je gesehen hat
Unbekannte Apfel- und Birnbäume entdeckt
Rund 250 Bäume mit unbekannten Apfel- und Birnbäumen sind bislang entlang der Alpenkette entdeckt worden. Das Ziel ist es, die Sorten zu erhalten.
Unbekannte Apfel- und Birnbäume entdeckt
Unfall auf Osterleite in Bad Tölz: Bub (12) verletzt, Radlerin verschwunden
Ein Bub, der mit dem Radl die Osterleite in Bad Tölz hinuntergesaust ist, kollidierte frontal mit einer anderen Radlerin. Nun sucht die Polizei nach der Frau.
Unfall auf Osterleite in Bad Tölz: Bub (12) verletzt, Radlerin verschwunden
Rosa oder lila-blau: Reiche Kartoffelernte auf dem Zwickerhof in Bad Tölz
Kartoffelanbau ist im südlichen Landkreis eher unüblich. Auf dem Acker von Martin Sappl im Tölzer Ratzenwinkel aber wächst und gedeiht das Knollengewächs.
Rosa oder lila-blau: Reiche Kartoffelernte auf dem Zwickerhof in Bad Tölz

Kommentare