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Wegen der angespannten weltpolitischen Lage machen viele Deutsche am liebsten Urlaub im eigenen Land – auch Bad Tölz profitiert davon. 40 Prozent der Gäste kamen direkt aus Bayern.

Tourismus

Bad Tölz erlebt ein „hervorragendes Jahr“ trotz Gästerückgang

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„Das touristische Jahr 2017 war ein ganz hervorragendes“: So lautete das Resümee der Tölzer Kurdirektorin Brita Hohenreiter, als sie jetzt im Kur- und Tourismusausschuss die Statistiken präsentierte. 

Bad Tölz – Unterm Strich steht dennoch ein leichter Rückgang bei den Gästeankünften und bei den Übernachtungen. 78 475 Gäste kamen 2017 nach Tölz. Das waren 1147 Ankünfte oder 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Etwas größer fällt der Rückgang bei der Zahl der Übernachtungen aus. Hier liegt das Minus bei 4,2 Prozent. Denn die Besucher bleiben tendenziell immer kürzer – ein deutschlandweiter Trend, der seit vielen Jahren anhält. Im Durchschnitt verbrachten die Gäste noch 4,23 Tage in Bad Tölz (2016: 4,35). „Damit sind wir aber noch relativ gut aufgestellt“, sagte Hohenreiter. „In Städten, die keinen gesundheitstouristischen Hintergrund haben, liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer noch bei 1,5 bis 2 Tagen.“

In Bad Tölz aber kommen immerhin noch rund zehn Prozent der Gäste in Sanatorien und bleiben somit länger als nur ein Wochenende. Allerdings macht der Trend zum kürzeren Aufenthalt auch vor diesem Bereich nicht halt. „Die Sanatorien setzen mittlerweile immer mehr auf Privatzahler“, sagte die Chefin der Tourist-Info. „Ein Betreiber hat mir berichtet, dass sie heute die Hälfte seiner Gäste ausmachen.“ Die Privatzahler aber würden in der Regel nicht drei Wochen bleiben, wie Kurgäste auf Kassenleistung, sondern ein oder zwei Wochen.

Insgesamt konstatierte Hohenreiter, dass – bis auf Ausnahmen – die einzelnen Tölzer Beherbergungsbetriebe ihre Gästezahlen 2017 mindestens konstant gehalten, teils sogar „eklatant“ gesteigert hätten. In der Gesamtstatistik schlage sich jedoch nieder, dass im vergangenen Jahr 175 Betten weniger zur Verfügung standen. Ins Kontor schlugen die Schließungen von Landhaus Iris (21 Betten) und Gästehaus Simon (22 Betten) sowie der Verkauf des „Lindenhofs“ (32 Betten). Zudem seien im „Tölzer Hof“ wegen „familiärer Probleme“ die Hälfte der Betten nicht in Betrieb gewesen. Diese 88 Betten seien aber seit Januar wieder in Betrieb, gab Hohenreiter Entwarnung.

Rechne man den Effekt durch weggefallene Betten aus der Statistik heraus, dann ergebe sich für 2017 sogar ein Plus von 8 Prozent bei den Ankünften und 1,3 Prozent bei den Übernachtungen, so Hohenreiter – rein theoretisch.

Tölz habe davon profitiert, dass wegen der angespannten weltpolitischen Lage viele Menschen am liebsten Urlaub in Deutschland machen. Gut 40 Prozent kamen sogar direkt aus Bayern. Unter den 9138 ausländischen Gästen bildeten die Österreicher die mit Abstand größte Gruppe (2313) vor Schweizern (1393), Italienern (870), Bewohnern der Benelux-Staaten (784) und US-Amerikanern (515). Einen Zuwachs gab es bei den russischen Gästen (270).

Die Zahl der ausländischen Gäste schwankt im Zwei-Jahres-Rhythmus, weil in jedem geraden Jahr die Münchner Baumaschinenmesse „Bauma“ viele Geschäftsreisende nach Tölz bringt. Auf lange Sicht ist sie aber leicht rückläufig. Grünen-Stadträtin Andrea Grundhuber hakte nach, warum. Das habe man noch nicht näher analysiert, räumte Hohenreiter ein. Ausländische Märkte marketingtechnisch zu durchdringen, sei sehr aufwändig. Außerdem habe in den vergangenen Jahren München bettenmäßig stark aufgerüstet, sodass Geschäftsreisende bei Messen nicht mehr so weit ins Umland ausweichen müssten.

Michael Lindmair (FWG) fragte, warum die Zahl der Tagungsgäste mit 357 so niedrig sei. „Wir haben da ein großes Raumproblem“, sagte Hohenreiter. Seit Schließung des „Jodquellenhofs“ seien in Tölz eigentlich nur noch kleine Tagungen möglich. Das Kurhaus verzeichne immer wieder Anfragen, könne aber nicht die gewünschten Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe anbieten. „Deshalb musste der Wirt schon einige Male absagen.“

Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) fasste zusammen: „Alles steht und fällt mit den Hotelbetten.“ Auch nachdem die Hotelpläne mit Investor Arcus an der Arzbacher Straße geplatzt sind (wir berichteten), verfolge die Stadt das Thema intensiv weiter.

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