Die Sachenbacher Bucht am Walchensee.
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Die Sachenbacher Bucht am Walchensee erfreute sich in diesem Sommer großer Beliebtheit.

Glimpflich durch die Krise

Tourismus-Bilanz in Corona-Zeiten: Frühjahr schlecht – Sommer mehr als recht

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Trotz Corona-Ausnahmezustand: Viele Menschen verbrachten die Sommerferien im Tölzer Land. Eine Bilanz.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit dem Ende der Sommerferien hat sich auch im Landkreis eine schwierige und außergewöhnliche Tourismus-Sommersaison dem Ende zugeneigt. Corona hat alles auf den Kopf gestellt. Während im Frühjahr durch den Lockdown die Übernachtungsgäste ausblieben, hat sich ab Juli das Blatt gewendet.

Die Tölzer Kurdirektorin Brita Hohenreiter blickt zurück: „Ab Pfingsten waren touristische Übernachtungen wieder erlaubt. Aber es lief in Bad Tölz recht zäh an“, sagt sie. „Die Leute waren sehr verunsichert.“ Im Juni habe es im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von über 42 Prozent bei den Übernachtungszahlen gegeben. Dieser Zustand hielt bis Anfang Juli an. „Ab dann lief es sehr gut, und der August war dann schon fast wie in alten Zeiten“, sagt Hohenreiter. Im Juli lag das Minus nur noch bei 18,5 Prozent. „Im August wird das Minus schätzungsweise 7 Prozent betragen“, sagt die Kurdirektorin und fügt hinzu: „Man muss dabei natürlich beachten, dass wir den gesamten Sommer coronabedingt keine Schulausflüge und dementsprechende Belegungen der Jugendherberge hatten.“

Auch viele Hotels und Kliniken hätten aufgrund der Hygienevorschriften und Abstandsregeln ihre Betten nur bis zu 60 Prozent belegen können. „Bezieht man diese Umstände mit ein, kann man mit den Zahlen hochzufrieden sein“, sagt die Kurdirektorin.

Vor allem kleine Gästehäuser und Ferienwohnungen erfreuen sich großer Beliebtheit

Auch der Blick in den Herbst stimmt sie zuversichtlich. „Viele Häuser sind bereits bis Oktober ausgebucht.“ Man merke deutlich, dass sich vor allem kleine Gästehäuser und Ferienwohnungen großer Beliebtheit erfreuen. Positiv sei auch, dass sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste im Vergleich zu 2019 erhöht hat. Auch die Freizeitangebote vor Ort seien gut angenommen worden. Besonders beliebt waren laut Hohenreiter die Führungen, die die TI anbietet. „Auch der Blomberg wurde sehr gut genutzt. Das ist nicht zuletzt durch die vielen Tagesausflügler zu erklären.“ Hohenreiters vorläufiges Fazit: „Als Urlaubsregion hatten wir viel Glück. Vor allem im Vergleich zu Städten, die auf Messen, Tagungen und internationalen Tourismus angewiesen sind.“

Touristische Anziehungspunkte sind auch der Kochel- und der Walchensee. „Das Loch, das wir durch den Lockdown im Frühjahr hatten, ist natürlich nicht auszugleichen. Aber der Sommer lief vor allem im Kochelseegebiet gut“, sagt Kochels Bürgermeister Thomas Holz. Im August habe es dort ein Plus von über zehn Prozent bei den Urlaubsgästen gegeben. Insgesamt hat die Gemeinde in diesem Monat dort knapp 29 000 Übernachtungen registriert. Im Walchenseegebiet seien die Zahlen etwas schwächer ausgefallen. „Dort hatten wir monatlich etwa 1200 Übernachtungen weniger als im Vorjahr, weil beispielsweise die Jugendherberge und das Klösterl geschlossen bleiben mussten“, sagt Holz. Die anderen Unterkünfte seien aber in den Sommerferien meist voll belegt gewesen.

Deutlich zugenommen hat wie mehrfach berichtet die Zahl der Tagestouristen, die vor allem den Walchensee überrannten. Auffallend sei laut Holz auch, „dass wir dieses Jahr eine Veränderung der Gästestruktur hatten. Viele ältere Menschen haben storniert, und es war ein wesentlich jüngeres Klientel vor Ort.“ Außerdem hat der Bürgermeister einen signifikanten Trend in Richtung Camping beobachtet.

Lenggries im Juli und August fast ausgebucht

Auch die Tourist-Information in Lenggries zieht eine vorläufige Sommerbilanz – und die fällt gut aus. „Der Juli und August waren gleich wie im Vorjahr. Fast alles war ausgebucht“, sagt die Leiterin der Tourist-Info, Ursula Dinter-Adolf. „Kurzfristige Anfragen waren oft nicht mehr möglich.“ Auch in Lenggries seien die Gäste im Durchschnitt länger vor Ort geblieben als in den Vorjahren. „Man merkt, dass viele ihren Haupturlaub hier verbracht haben, gefühlt gab es auch mehr Tagestouristen, aber das ist immer schwer in Zahlen zu messen“, sagt sie.

Für die Zeit bis Oktober würden derzeit noch „permanent neue Anfragen reinkommen“, berichtet Dinter-Adolf. Auch in Lenggries seien viele touristische Angebote in den vergangenen Wochen sehr gut angenommen worden. Einer der Favoriten sei dabei die Laternenwanderung auf eine Hütte gewesen. Die Nachfrage war tatsächlich so groß, „dass wir einige Ausflüge statt einmal pro Woche, diesen Sommer zweimal die Woche angeboten haben“. Auch Dinter-Adolf blickt optimistisch in die Zukunft, schließlich beginnt jetzt bald der Lenggrieser Wanderherbst.

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