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Die Schönheiten der Region – wie etwa hier der Blick vom Herzogstand auf den Walchensee – werden Urlauber voraussichtlich auch diesen Sommer wieder genießen. Das macht die Einbußen des Frühjahrs aber kaum wett. 

Verantwortliche in Sorge

Tourismus im Tölzer Land steht vor schwerem Weg zurück

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Die Corona-Krise hat den Tourismus im Landkreis an den Rand des Abgrunds geführt. Allein in den Monaten März und April fielen Umsätze von 33 Millionen Euro weg. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Walchensee statt Karibik, Isarstrand statt Côte d’Azur: Die Reiseplanungen vieler Deutscher dürften sich diesen Sommer eher aufs Inland konzentrieren. Wenn am 30. Mai die hiesigen Hotels wieder öffnen dürfen, könnte der Weg aus dem tiefen Corona-Tal also steil bergauf führen – oder doch nicht? Tölzer Tourismus-Experten dämpfen die Erwartungen.

Ja, die Buchungsanfragen für die Pfingstferien seien bei den Gastgebern im Landkreis jetzt schon „massiv“, sagt Andreas Wüstefeld. Er leitet im Landratsamt den „Tölzer Land Tourismus“, eine Servicestelle für die Tourismusbetriebe im Landkreis. Und das sind richtig viele. Rund 1000 Beherbergungsbetriebe gibt es laut Wüstefeld in Bad Tölz-Wolfratshausen, dazu 800 gastronomische Betriebe mit Schanklizenz. Daran hängen 4700 Arbeitsplätze. Der Tourismus generiere 300 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

All das steht nun seit Mitte März still. In den beiden „Ostermonaten“ März und April verursachte die Corona-Pandemie in der Tourismuswirtschaft im Landkreis einen Umsatzausfall von rund 33 Millionen Euro.

Dieser Tage nun gehen bei „Tölzer Land Tourismus“ zahlreiche Anfragen von Vermietern ein, berichtet Wüstefeld. Viele wollen wissen, wie sie mit Buchungswünschen für Pfingsten umgehen sollen. Ihnen kann Wüstefeld aktuell nur raten, die Reservierungen „unter Vorbehalt“ entgegenzunehmen. „Denn bis jetzt haben wir nirgendwo rechtssicher und schwarz auf weiß, dass die Hotels am 30. Mai tatsächlich wieder öffnen dürfen, und unter welchen Bedingungen“, sagt Wüstefeld.

„Nachfrageboom“ allein nutzt noch nichts

Die Staatsregierung habe das zwar angekündigt und es sei auch davon auszugehen. Die dazugehörige schriftliche Allgemeinverfügung liege aber noch nicht vor. „Die Betriebe brauchen aber Sicherheit und eine gewisse Vorlaufzeit, um Personal einzustellen oder aus der Kurzarbeit zurückzuholen, um Lieferketten wie in Gang zu bringen oder das Housekeeping zu organisieren“, gibt Wüstefeld zu bedenken.

Auch Brita Hohenreiter, Chefin der Tölzer Tourist-Info, hat registriert, dass wieder die ersten Buchungen eingehen. Die kleineren Häuser würden sich schneller füllen als die großen. „In den Pfingstferien wird schon wieder was los sein – aber der Brüller wird es noch nicht“, so ihre vorsichtige Prognose. „Meine Hoffnung ist, dass wir in den Sommerferien die normale Auslastung bekommen.“

Doch damit lassen sich die Verluste der örtlichen Tourismusbranche nicht ausgleichen, sind sich Wüstefeld und Hohenreiter einig. Zu groß waren die Einbußen. „Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Belegungszahlen bei 6,4 Prozent“, nennt die Tölzer Tourismus-Chefin eine negative Rekordzahl. Der März, der bis zur Monatsmitte noch weitgehend normal verlief, brachte es immerhin noch auf 50 Prozent. Für die Zeit von Mitte März bis Ende Mai rechnet Brita Hohenreiter mit rund 70 000 entgangenen Übernachtungen in Bad Tölz.

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Selbst ein guter Sommer kann das nicht kompensieren. Denn in der Zeit von Juni bis Mitte September seien die Unterkünfte im Landkreis ohnehin immer weitestgehend ausgebucht – die Hoteliers können also gar nicht mehr herausholen als in anderen Jahren. Auch wenn ein „Nachfrageboom“ durchaus möglich sei, so Wüstefeld, werde das mangels freier Betten noch lange nicht zu einem „Übernachtungsboom“ führen.

Zumal noch nicht klar sei, ob die Hotels ab 30. Mai ihre volle Zimmerkapazität ausschöpfen dürften. Davon geht Hohenreiter dagegen fest aus und beruft sich auf die Ankündigung des Wirtschaftsministers. Sie verweist allerdings darauf, dass einige Häuser unter den neuen Abstandsvorgaben – selbst wenn es zwei „Schichten“ gibt – zu wenige Gäste im Frühstücksraum unterbringen und daher nicht alle Zimmer vermieten können.

Viele Deutsche wollen heuer gar nicht verreisen

Ohnehin sei die Vorschau auf die Saison mit vielen Unwägbarkeiten verbunden, so Wüstefeld. Er zitiert eine GfK-Umfrage im Auftrag der Bayerischen Zentrale für Tourismus. Demzufolge gaben 29,1 Prozent der Befragten an, heuer gar nicht verreisen zu wollen, weitere 44,7 Prozent wollten mit ihrer Buchung zuerst einmal abwarten. Bei einem Teil sei die finanzielle Lage klamm oder unsicher, andere hätten Angst vor einer Corona-Infektion im Urlaub, für wieder andere passen die Hygienevorgaben nicht zu ihren Vorstellungen von unbeschwerten Ferien.

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Das einzige, was aus Hohenreiters Sicht helfen könnte, die Verluste abzumildern, wäre ein schöner Herbst, sodass sich die Saison verlängert. Aber dazu müsste das Wetter ebenso passen wie die Infektionszahlen. Im besten Fall, so Hohenreiters Kalkulation, werde der Tölzer Tourismus es heuer auf 65 bis 70 Prozent seines sonstigen Volumens bringen.

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