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Früher kamen die Gäste, weil sie die Rentenversicherung herschickte - heute wegen der attraktiven Lage, so die Argumentation von Kur- und Tourismusdirektorin Brita Hohenreiter.

Chefin der Tourist-Info meldet sich zu Wort

„Der Tourismus in Bad Tölz ist nicht tot“

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Die Tölzer Kurdirektorin ärgert sich: Trotz 80 Millionen Euro Bruttoumsatz werde die Bedeutung des Tourismus’ für die Stadt oft „heruntergespielt“.

Bad Tölz– Hotels schließen, das einstige Kurviertel wandelt sich zum Wohngebiet, Alpamare und Wandelhalle dämmern vor sich hin. Dennoch sagt Brita Hohenreiter, Chefin der Tourist-Info, mit Nachdruck: „Bad Tölz ist bei den Gästen so beliebt, wie es früher nie war.“ Mit 80 Millionen Euro Bruttoumsatz im Jahr sei der Tourismus nach wie vor „extrem wichtig“.

Die Debatte um den Bichler Hof hat die Kur- und Tourismusdirektorin veranlasst, sich öffentlich zu Wort zu melden. „Aus vielen Leserbriefen könnte man den Eindruck gewinnen, der Tourismus in Tölz sei tot“, sagt sie – und widerspricht vehement.

„Bad Tölz ist der übernachtungsstärkste Ort im Tölzer Land“, stellt sie fest. Jährlich würden rund 350 000 Übernachtungen und 80 000 Gäste registriert. „Das wird manchmal heruntergespielt“, bedauert die Kurdirektorin. An die Übernachtungszahlen in den 1980er-Jahren reiche man nicht mehr heran. „Aber es stimmt einfach nicht, dass der Turnaround nach dem Ende der Kassenkur in Tölz nicht geglückt wäre.“ Die Zahl der Gästeankünfte habe in den 1980er-Jahren bei nur 50 000 gelegen. Heute kämen also deutlich mehr Menschen.

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Nur seien damals die Gäste deutlich länger geblieben. „1987 lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei 15 Tagen.“ 2017 betrug dieser Wert noch 4,2 Tage. Früher seien die Kurgäste allerdings vom Rentenversicherungsträger den Häusern in Bad Tölz einfach zugeteilt worden. Jetzt sei der Grund für ihr Kommen „die Attraktivität von Tölz“, so Hohenreiter.

Brita Hohenreiter, Chefin der Tölzer Tourist-Info.

Einst gab es in Tölz zwölf Kurkliniken; aktuell sind es noch vier. Die aber seien „hervorragend aufgestellt“, so Hohenreiter. Diese Häuser hätten einen hohen Anteil an Selbstzahlern. Als weiteren Unterschied nennt sie, dass die früheren Kurgäste in der Stadt weniger einkauften oder Cafés und Restaurants besuchten. Derzeit gebe es in Tölz 70 gastronomische Betriebe. „Und die leben nicht alleine von den Tölzern.“

Erfolg hätten auch Hotels und Pensionen, die sich modernisiert hätten und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis böten. Sie haben laut Hohenreiter in den vergangenen sechs bis sieben Jahren Wachstumsraten bis zu 30 Prozent zu verzeichnen.

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Warum wurden dann so viele Hotels durch Wohnhäuser ersetzt? „Tölz ist ein beliebtes Zuzugsgebiet“, sagt Hohenreiter. „Das treibt die Marktpreise extrem hinauf. Wenn ich ein 30 bis 40 Jahre altes Hotel habe, bei dem es einen Investitionsstau und keine Nachfolgeregelung gibt, dann ist es für viele attraktiver, es für viel Geld an einen Bauträger zu verkaufen.“

Damit die Stadt insgesamt eine Steigerung der Übernachtungszahlen erzielt, „dazu brauchen wir mehr Betten“, sagt Hohenreiter. Hier gehe auch von einem 80-Betten-Haus, wie es Hubert Hörmann am Bichler Hof plant, ein wichtiger Impuls aus. Die immer wieder zitierte Aussage des Unternehmensberaters Michael Lidl („Treugast“), eine Hotelinvestition sei erst ab 120 Betten interessant, sei aus der Perspektive von Hotelketten getroffen worden, präzisiert Hohenreiter. „Es gibt viele privat betriebene Hotels mit 60 oder 40 Betten, die sehr erfolgreich sind.“

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Außerdem tritt Hohenreiter der Aussage der Grünen-Stadträte entgegen, der Tourismus sei weniger bedeutend als oft behauptet, weil er nur acht Prozent zum Einkommen der Tölzer beitrage. Unter Berufung auf dieselbe Studie führt die Kurdirektorin ins Feld, dass der Einkommensbeitrag aus dem Tourismus bei 43,4 Millionen Euro im Jahr liege. Das entspreche rechnerisch immerhin 1460 beschäftigten Personen.

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