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Etwa 300 Delegierte und Abgesandte aus den 22 Gauverbänden mit mehr als 800 angeschlossenen Trachtenvereinen trafen sich in Bad Tölz.

Landesversammlung des Bayerischen Trachtenverbands

„Tradition und Fortschritt kein Widerspruch“

Am Wochenende diskutierten Trachtler aus ganz Bayern bei ihrer Landesversammlung in Bad Tölz über Projekte und Ideen.

Bad TölzDa staunten die Passanten am späteren Samstagnachmittag nicht schlecht, als unversehens eine große Schar Trachtler vom Badeteil kommend über die Isarbrücke und die Marktstraße in lockerer Gruppierung dem Tölzer Rathaus zustrebte: Es waren die Teilnehmer der Landesversammlung des Bayerischen Trachtenverbands, die nach dem bereits absolvierten ersten Teil der zweitägigen Tagung zum Empfang beim Tölzer Bürgermeister geladen waren.

Die Themen-Palette der Landesversammlung, die der Loisachgau anlässlich seines 100-jährigen Bestehens nach Bad Tölz geholt hatte, war groß und beinhaltete Rückschau und Vorschau auf die Aktivitäten des Verbandes, Überblick über die Finanzen, Austausch und Informationen für die Sachausschüsse und Gauvorstände, Gelegenheit zur Diskussion und Aussprache.

Ein großes Augenmerk des Verbands liegt auf seinem Trachtenkulturzentrum, das in den erneuerten Gebäuden eines ehemaligen Pfarrhauses im niederbayerischen Holzhausen Geschäftsstelle, Bildungs- und Veranstaltungsstätte, Museum und Depot des Verbands beherbergt. Das Museum soll nun erweitert werden, erklärte Verbandsvorsitzender Max Bertl im Kurhaus den rund 300 versammelten Delegierten und Abgesandten aus den 22 Gauverbänden mit mehr als 800 angeschlossenen Trachtenvereinen. Man will mehr Platz schaffen, um eine größere Anzahl der zugetragenen Exponate ausstellen zu können. „Wir möchten dabei auch die Eigenheiten der verschiedenen Bezirke besser hervorheben“, so Bertl. Dazu muss nun der alte Dachstuhl ausgebaut werden, wobei Denkmal- und Brandschutz ein wichtiges Wort mitreden.

Zudem wird Wert auf einen behindertengerechten Zugang gelegt, was den Anbau eines Aufzugs erfordert. Auf 1,24 Millionen Euro belaufe sich die aktuelle Kostenschätzung. Die Staatsregierung habe 500 000 Euro Zuschuss gewährt, weitere 100 000 Euro seien bislang an Spenden zugesagt. „Und der Verband selber bringt natürlich auch was ein“, unterstrich Bertl.

Trachten-Landesversammlung: Jugendbildungshaus wichtiger Bestandteil

Als Wegweiser in die Zukunft ist das Jugendbildungshaus ein wichtiger Bestandteil des Trachtenkulturzentrums. In diesem Seminarzentrum mit verschiedenen Angeboten will man den jungen Leuten den Wert von Tracht und Brauchtum vermitteln, um den Herausforderungen der modernen Zeit standhalten zu können. Es sei ein großer Spagat, „sich der immer schneller wandelnden Gesellschaft zu stellen, ohne sich selbst verstellen zu müssen“, formulierte Landrat Josef Niedermaier, der wie Dr. Florian Herrmann, Leiter der Staatskanzlei, und Bezirkstagspräsident Josef Mederer als Ehrengast gekommen war. Tradition und Fortschritt miteinander zu verbinden sei in Bayern kein Widerspruch, ermutigte Herrmann die Trachtler und versicherte mit Blick auf das strittige Verbot des Mitführens von Taschenmessern, von staatlicher Seite Vorschriften „mit Augenmaß“ treffen zu wollen. Einen flammenden Appell hatte Verbandschef Bertl schon zu Beginn der Versammlung an die Anwesenden gerichtet: „Trachtler ist man nicht nur beim Gaufest, sondern auch im Alltag.“

Im Jugendbildungshaus in Holzhausen tut sich diesbezüglich einiges, wie Landesjugendvertreter Armin Schmid berichtete. So ist dort etwa die Ausbildung von Jugendleitern und neuen Referenten im Angebot. Nach dem Erfolg der „Holzhauser Jugendtage“ heuer ist für nächstes Jahr ein großes Treffen von in der Jugendarbeit Tätigen und Jugendlichen anberaumt.

Bereits am Laufen ist mit politischer Unterstützung das Projekt „Heimatkundeunterricht“, in dessen Rahmen Experten in Sachen Tradition, Handwerk, Heimat ausgebildet werden – diese können dann in den Grundschulen einzelne Unterrichtsstunden halten. In Vorbereitung sei zudem ein Mundartwettbewerb für die Schulen, so Schmid. Tracht und Brauchtum dürften nicht nur eine Fassade sein, sie müssten mit Leben erfüllt werden, betonte Max Bertl. „Das fordert unseren Einsatz.“ Der Heimatabend zum Abschluss des Tages sowie ein farbenprächtiger Kirchen- und Festzug am Sonntag gehörten in dieser Hinsicht gewiss zu den leichteren „Übungen“. (Rosi Bauer)

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