Eines der ältesten erhaltenen Fotos aus der 100-jährigen Vereinsgeschichte des Trachtenvereins Edelweiß, der 1921 in Bad Tölz gegründet wurde.
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Eines der ältesten erhaltenen Fotos aus der 100-jährigen Vereinsgeschichte des Trachtenvereins Edelweiß, der 1921 in Bad Tölz gegründet wurde.

Jubiläum in Corona-Zeiten

Trachtenverein Edelweiß: 100. Geburtstag mit Hindernissen

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Die „Edelweißer“ in Bad Tölz werden heuer 100 Jahre alt. Trotz der Ungewissheit, was die Corona-Lage zulassen wird, plant der Verein an einem Jubiläums-Programm.

Bad Tölz – „Weil’s mi gfreit“ ist das Motto des Tölzer Trachtenvereins Edelweißer – und diese Freude wollen sich die Aktiven trotz widriger Umstände nicht verderben lassen. Also stemmen sie sich dem widrigen Umstand entgegen, dass das Jubiläum des 100-jährigen Vereinsbestehens ausgerechnet in das Pandemie-Jahr 2021 fällt. Auch wenn nur eine „zusammengestrichene Variante“ der ursprünglichen Festjahr-Pläne übrig geblieben ist: „Wir sind mit unserem Programm sehr zufrieden und schauen positiv in die Zukunft“, sagt der Vorsitzende Christian Bauer.

Gegründet wurde der Gebirgstrachtenerhaltungsverein Edelweiß Bad Tölz am 23. April 1921. Der 100. Geburtstag naht also mit großen Schritten. Wie er gefeiert werden kann: unklar. „Wir würden gerne am Abend einen Gottesdienst feiern – zum Dank, dass der Verein ein Jahrhundert aktiv geblieben ist und zum Dank an die Verstorbenem, die sich für den Verein eingesetzt haben“, sagt Bauer. Typischerweise stünde an diesem Tag auch eine Feier im Vereinsheim an, in diesem Fall intern und mit Ehrengästen. „Wir überlegen, welche speziellen Aktionen es geben könnte, es soll etwas Besonderes sein“, sagt Bauer. Den Rahmen setzen freilich stets die dann geltenden Corona-Regeln.

Zum Gaujugendtag in Bad Tölz werden 400 bis 500 Kinder erwartet

Das gilt genauso für den eigentlichen Höhepunkt des Festjahrs, der nach Stand der Dinge im Juli ansteht. Für Samstag, 17. Juli, ist der Gaujugendtag geplant. Den sollten die Edelweißer eigentlich schon 2020 ausrichten, doch er wurde pandemiebedingt um ein Jahr verschoben. Hier Gastgeber zu sein, das sei „eine große Freude“, sagt Bauer.

Erwartet würden 400 bis 500 Kinder, die in einem Festzug durch die Marktstraße ziehen. Der Gaujugendtag werde „nicht nur ein kleines Gaufest“ sein, so Bauer, sondern das Programm solle kindgerecht sein, mit lustigen Spielen, bei denen die Nachwuchs-Trachtler Punkte sammeln. Gefeiert werden soll im Franziskanergarten.

„Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich natürlich nicht sagen, ob wir es machen können“, ist Bauer klar. „Aber wir planen jetzt so, als würde es stattfinden – denn wenn wir jetzt nicht planen, geht es kurzfristig nicht mehr.“ Das Organisationsteam jedenfalls sei „hoch motiviert“. Nur alles, was Geld kostet, das leite man „erst auf den letzten Drücker“ in die Wege.

Die geplante Bettelhochzeit in Bad Tölz mussten die „Edelweißer“ absagen

Läuft alles glatt, stünde dann am Sonntag, 18. Juli, der große Festtag zum Jubiläum auf dem Programm, bei dem die „Edelweißer“ mit der Öffentlichkeit ihren Geburtstag feiern, die Patenverein zu Gast sind und es Tanz- und Musikdarbietungen gibt. Dazu ist laut Bauer vorgesehen, ein mehrere hundert Personen fassendes Festzelt aufzustellen.

Lose für den Herbst angedacht sei außerdem eine Party für die jungen Leute im Verein – Arbeitstitel: „Waldfest“.

So sieht ein Teil des Vereinslebens im Jahr 2021 aus: Eine Online-Ausschussitzung des Trachtenvereins Edelweiß.

Eigentlich hatten die „Edelweißer“ noch mehr Ideen für ihr Jubiläumsjahr. So hätten sie am 6. Februar für einen der raren Tölzer Faschingshöhepunkte gesorgt. In der Marktstraße wollten die Trachtler einen Misthaufen aufbauen, um darauf eine Bettelhochzeit zu feiern. Ein Kuchlwagen mit der Aussteuer der „Braut“ und ein Bierwagen als Reminiszenz an die Tölzer Brauerei-Geschichte wären durch die Stadt gerollt. Traditionsgemäß hätten sich die Frauen als Männer und umgekehrt verkleidet.

Die „Edelweißer“ hatten sich darauf vorbereitet wie auf eine eine Theaterinszenierung, Fotos von den kostümierten Beteiligten wurden gemacht. Gedacht waren sie zu Werbezwecken, Verwendung fanden sie letztlich, um die Bettelhochzeit über die sozialen Medien abzusagen. „Seit dem Lockdown im Dezember war klar, dass es mit Faschingsveranstaltungen nichts wird“, sagt Bauer. Die Bettelhochzeit einfach im kommenden Jahr nachzuholen, ist nicht einfach so möglich. Denn es muss abgestimmt werden, ob dann andernorts im Isarwinkel eine Bettelhochzeit ansteht.

Einige Geburtstags-Aktivitäten haben die „Edelweißer“ ins Internet verlagert

Ebenfalls verabschieden mussten sich die „Edelweißer“ von dem Vorhaben, ihr Jubiläum auch mit einer größeren Theateraufführung, am besten als Freilufttheater, zu schmücken. „Das hätte noch viel mehr Aufwand bedeutet“, sagt Bauer. Zudem sind unter den aktuellen Bedingungen keine Proben möglich.

Andere Geburtstags-Aktivitäten hat der Verein coronakonform ins Internet verlegt. Dazu zählt auch die Vereinschronik. Die erhält die Form einer Bilderchronik in den sozialen Medien. Auf Instagram und Facebook zeigen die „Edelweißer“ Eindrücke von ihren jahreszeitlichen Aktivitäten, seien es Faschingsfeiern oder Skiausflüge.

Zudem werden aktuell Videos gepostet, in denen Mitglieder erklären, warum es sie „gfreit“, im Verein dabei zu sein. „Wir wollen zeigen, dass ein Trachtenverein nicht nur bedeutet, einmal im Jahr eine Tracht anzuziehen und irgendwo mitzumarschieren“, sagt Bauer. „Wir sind eine lebendige Gemeinschaft und keine Museumspuppen, die Gwand darstellen.“

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