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Immer auf Augenhöhe mit den Kindern: Dr. Heiner Reploh zeigte, dass sogar eine medizinische Untersuchung Spaß machen kann – wie hier zusammen mit seinem Enkelkind.

Nachruf

Trauer um den Tölzer Kinderarzt Dr. Heiner Reploh

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Bad Tölz - Liebling der Kinder und Vertrauensperson für die Eltern: Mit dem Kinderarzt Dr. Heiner Reploh hat Bad Tölz eine Institution verloren.

Seine Familie hat es einmal durchgerechnet: Rund 40 000 junge Patienten muss Dr. Heiner Reploh in seiner Tölzer Praxis behandelt haben. Über drei Generationen hinweg war der Mediziner erste Anlaufstation und Fels in der Brandung bei familiären Notlagen von Masern bis zu Seelenqualen. Viele Tölzer hat die Nachricht tief bewegt, dass der beliebte Kinderarzt vergangenen Freitag nach kurzer Krankheit mit 73 Jahren gestorben ist.

38 Jahre führte Heiner Reploh seine Praxis an der Klammergasse. Am ersten Tag, dem 6. Oktober 1975, kamen genau acht Patienten, so zeigen es alte Unterlagen. Es wurden sehr rasch sehr viel mehr. Die Familien kamen aus dem ganzen südlichen Landkreis – beziehungsweise kam Reploh bei Bedarf zu ihnen. Anfangs war er auf seinem französischen Vélosolex unterwegs, einem kleinen Mofa oder eher Fahrrad mit Mini-Motor. Wenn es sein musste, bis in die Jachenau. Später absolvierte er die Hausbesuche per „Ente“. Zu Hause stand das Telefon neben seinem Bett – für den Fall, dass er gebraucht wurde.

Berufung gefunden: Dr. Heiner Reploh beim Einsatz in einem Flüchtlingslager in Mazedonien im Jahr 2000.

Der Beruf war für Reploh Berufung. „Er ist morgens pfeifend zur Arbeit gegangen und abends pfeifend wieder zurückgekommen“, sagt sein Sohn Tobias, der den Praxisteil seines Vaters 2013 übernommen hat.

Dass er einmal Arzt würde, war dem gebürtigen Münsteraner, dem jüngsten von fünf Kindern eines Medizinprofessors, in die Wiege gelegt. Dazu kam sein besonderer Draht zu Kindern. Mit ihnen sprach er auf Augenhöhe, ging in die Knie, um ihnen von gleich zu gleich zu begegnen. Selbst außerhalb der Praxis war er oft von Mädchen und Buben umringt. Seine fünf Enkel nannten ihn „Quatsch-Opa“.

Nachdem er in Ruhestand gegangen war, half Heiner Reploh manchmal in seiner ehemaligen Praxis bei Vorsorgenachmittagen für Flüchtlingskinder. „Er hat mit Händen und Füßen gesprochen – aber irgendwie hat er es geschafft, dass die Familien rausgegangen sind und alle lachen mussten“, sagt sein Sohn. Auch Heiner Reploh zeigte dann sein strahlendes Lächeln. Für viele Eltern, Kollegen und Mitarbeiterinnen war er väterlicher Freund und Vertrauensperson.

Als Reploh in Münster, Wien und München studierte sowie in Chicago promovierte, hieß der Beruf offiziell „Arzt für Kinderkrankheiten“. Die Kinder- und Jugendmedizin war noch am Anfang. Ein Vorreiter war er auch, als er 1992 seine Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten abschloss. Den Bedarf bei Kindern und Jugendlichen hatte er früh erkannt.

Neben dem Beruf war die Familie Heiner Replohs Lebensinhalt. Seine Frau Elisabeth lernte er 1969 beim Skifahren kennen. Sie hatte sich verletzt, er leistete Erste Hilfe. Das Paar heiratete 1970 und bekam zwei Töchter und einen Sohn. Nach ersten Ehejahren in Münster zogen die Replohs in Richtung von Elisabeths Heimat, die in München aufgewachsen war. Ein Tipp seiner Schwägerin machte Heiner Reploh auf Bad Tölz aufmerksam. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, zog er 2008 mit seiner Frau nach Lenggries.

Seit er die Praxis abgegebenen hatte, verbrachte das Paar viel Zeit in seinem Refugium in der Toskana, das die Replohs vor etwa 40 Jahren als schlichtes Bauernhaus erworben hatten. Auch in Italien hätte man Reploh gerne als Kinderarzt ganz dabehalten. Nach seinem Tod gab es zu seinem Gedenken einen Gottesdienst im Dom zu Pisa.

Der Abschiedsgottesdienst findet am Mittwoch, 15. Juni, um 9 Uhr in der Stadtpfarrkirche statt. Die Beerdigung erfolgt im engsten Familien- und Freundeskreis.

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