+
Wo kann ich in der modernen Welt Gott begegnen?: Rupert Berger versuchte 30 Jahre lang Antworten als Tölzer Stadtpfarrer zu vermitteln.

Nachruf

Trauer um ehemaligen Tölzer Stadtpfarrer Rupert Berger (93)

Am Morgen des Dreifaltigkeitssonntags ist der Geistliche im Alter von 93 Jahren in Traunstein gestorben.

Bad Tölz/Traunstein  – Erklären, das war ihm wichtig. Nichts von oben herab anordnen, sondern einen Sachverhalt verständlich machen und die Menschen davon überzeugen, heute würde man sagen: mitnehmen. Das zeichnete den langjährigen Tölzer Stadtpfarrer Rupert Berger aus. Am Morgen des Dreifaltigkeitssonntags ist er im Alter von 93 Jahren in Traunstein gestorben.

Änderungen erklären: Das war eine enorm wichtige Aufgabe, als Berger 1968 nach Bad Tölz kam und in einer von geistigen und sozialen Umbrüchen geprägten Zeit die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils umzusetzen hatte. Das tat er unermüdlich. Und das war enorm wichtig, denn für viele Katholiken bedeuteten die tiefgreifenden Änderungen der Liturgie einen „Heimatverlust“, wie sich Claus Janßen, damals Ministrant, einmal erinnerte. Berger änderte, aber er erklärte es auch. Und so bekam auch die Redaktion des Tölzer Kurier in jener Zeit einmal ein Brieflein, in dem der neue Tölzer Oberhirte darauf hinwies, dass ein Gottesdienst nicht von Musik umrahmt werde. Die Musik, so lernten die Redakteure, sei wesentlicher Bestandteil der Messe.

Rupert Berger stammt aus einer angesehenen Traunsteiner Familie. Seine Vater war Oberbürgermeister. Schon in der Jugend lernte er einen gewissen Joseph Ratzinger und dessen Bruder Georg kennen. Alle drei wurden 1951 in Freising zusammen mit 41 (!) weiteren jungten Männern von Kardinal Faulhaber zum Priester geweiht. Berger und die zwei Brüder feierten im Abstand von einer Woche Primiz in ihrer Heimatstadt Traunstein.

Bis zuletzt hatte Berger Brief- und Telefonkontakt zu Papst Benedikt XVI.. Abgesehen vom Rangunterschied bewegten sie sich wissenschaftlich wohl durchaus auf Augenhöhe. Der promovierte Liturgiewissenschaftler Berger hat an zahlreichen theologischen Fachwerken mitgearbeitet. Auch im Gotteslob ist sein Name im Register zu finden.

Aber den Traunsteiner zog es immer mehr in die aktive Seelsorge. Es gibt Berichte, dass er Bad Tölz schon zu einem Zeitpunkt im Auge hatte, als das noch gar nicht Disposition stand. 1968 löste er den noch ganz und gar vorkonziliaren Pfarrer Anton Seebäck ab und blieb 29 Jahre dieser zweiten Heimatstadt treu. der Träger der Goldenen Bürgermedaille von Tölz etablierte die kirchliche Jugendarbeit in Tölz, regte die tägliche Vesper an und stieß die – freilich mitunter eher spartanische – Renovierung der Tölzer Kirchen, den Bau eines Pfarrheims, den Umbau der Franzmühle und die Einrichtung einer Obdachlosenunterkunft (Jakobushaus) an. Was ihm dabei immer wichtiger war: der geistliche und geistige Inhalt.

Geprägt vom Vatikanum und geerdet durch die tägliche Seelsorge hat Rupert Berger immer auch die Stärkung der Ortskirchen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen gerückt. Hier war er Papst Franziskus wohl näher als seinem Jugendfreund Benedikt. Unvergessen auch das Interview, das er 1996, also ein Jahr vor seiner Rückkehr nach Traunstein, dem Tölzer Kurier gab und – entspannt an seinem Schreibtisch sitzend – Positionen vertrat, die heute noch revolutionär klingen. Die Kommunion für Wiederverheiratete war für ihm genauso selbstverständlich wie das Thema Verhütung in Zeiten von AIDS. Gegen den Zölibat habe er persönlich nichts einzuwenden, aber notwendig sei die Ehelosigkeit für Priester natürlich nicht. Berger, nie ein Freund des lauten Humors, aber mit Sinn für Ironie und kluge Pointen, schaute lächelnd zum Interviewer als er feststellte: „Die Apostel waren schließlich auch alle verheiratet.“

Kein Wunder, dass Bad Tölz ihn bei seinem Abschied feierte und ihm Bürgermeister Albert Schäffenacker dankbar zurief: „Sie sind einer von uns geworden.“ So empfand das auch die Tölzer, die ihn bis zu seinem Tod – er wurde von seiner Nicht Nicoletta hingebungsvoll gepflegt – fleißig besuchten.

Kardinal Friedrich Wetter fragte den aktuellen Pfarrherrn Peter Demmelmair einmal, ob denn 20 Jahre später immer noch Spuren von Rupert Berger im Tölzer Kirchenleben zu entdecken seien. „Ja“, hat Demmelmair guten Gewissens geantwortet: „Bergers Pastorale war nachhaltig – eine mit langem Atem.“ Der Termin steht noch nicht fest. Aber in Tölz werde auch ein Trauergottesdienst für Berger stattfinden.

Weitere Nachrichten aus der Region:

Nach tagelanger Suche am Berg: Hund Timmi wohlbehalten gefunden

Großeinsatz bei Dietramszell: Haus steht in Flammen - Mehrere Bewohner verletzt

Fahranfänger: Von B13 abgekommen und Bäume „um Haaresbreite“ verfehlt

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Polizei warnt vor gefälschtem Papier zur Maskenpflicht
Auch wenn eine kursierende Fälschung den Menschen etwas anderes weismachen soll: Ladeninhaber dürfen Maskenmuffel vor die Tür setzen oder sich Atteste vorlegen lassen.
Polizei warnt vor gefälschtem Papier zur Maskenpflicht
Angriff auf Lenggrieserin an der Isar: Polizei hofft weiter auf heiße Spur auf Glatzkopf
Ein Unbekannter hat am Lenggrieser Isarufer eine 31-Jährige angegriffen. Der Täter ist auf der Flucht. Die Kripo  hoffte  wegen der auffälligen Beschreibung auf Hinweise.
Angriff auf Lenggrieserin an der Isar: Polizei hofft weiter auf heiße Spur auf Glatzkopf
Wegen Ministeriums-Panne bei neuem Bußgeldkatalog: 700 Raser im Oberland bekommen Führerschein zurück
Eigentlich sollte der neue Bußgeldkatalog die Strafen für Tempo-Sünder deutlich verschärfen. Nun bekommen im Oberland rund 700 Raser ihren Schein zurück.
Wegen Ministeriums-Panne bei neuem Bußgeldkatalog: 700 Raser im Oberland bekommen Führerschein zurück
Führung in Benediktbeuern enthüllt die Geheimnisse der Fledermaus
Die Fledermaus-Exkursionen im ZUK in Benediktbeuern sind spannend und unterhaltsam. Und man kann dabei sogar Batmans kleine Brüder singen hören.
Führung in Benediktbeuern enthüllt die Geheimnisse der Fledermaus

Kommentare