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Abschied vom Isarwinkel: Pater Johannes Wölfel (Mi.) mit dem Tölzer Diakon George Papp. 

Nachruf

Trauer um Pater Johannes Wölfel

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    Andreas Steppan
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Der Weg, der Pater Johannes Wölfel nach Bad Tölz führte, war weit und verschlungen.  Er lebte in Papua-Neuguinea und in Rom. 

Bad Tölz – Nun ist Pater Johannes im Alter von 89 Jahren im Altenheim der Steyler Missionare in St. Wendel (Saarland) gestorben.

Bis vor vier Jahren wohnte Pater Johannes noch im Thomas-Mann-Haus in Bad Tölz und hielt die tägliche Messe bei den Schwestern im Josefsheim, sagt Josefa Schallhammer vom katholischen Pfarramt St. Martin in Ellbach. Zweimal pro Woche feierte er außerdem in Ellbach den Gottesdienst. „Im Nachhinein war er sehr dankbar für seine Station im Isarwinkel, da er hier trotz seines hohen Alters noch wertvolle seelsorgerische Dienste leisten durfte.“

Auch wenn sich Pater Johannes im Isarwinkel sehr wohl gefühlt hatte: Ein Stück seines Herzens war wohl immer weit weg in Papua-Neuguinea. Hier war er zehn Jahre als Missionar tätig. Diese prägendste Phase seines Lebens begann Anfang der 1960er-Jahre nach dem Philosophie- und Theologiestudium: Als Pfarrer lebte er in den Bergen auf der Pazifikinsel unter Eingeborenen. In der Pfarrei Denglagu in 2300 Metern Höhe betreute er Stämme, die erst 1934 entdeckt wurden. „Zu jenem Zeitpunkt lebten die Menschen dort auf der Stufe der Steinzeit“, sagte er zu seinem 50-jährigem Priesterjubiläum dem Tölzer Kurier. „Sie kannten noch nicht das Rad und hatten keine eigene Schrift.“

Eigentlich wollte der Ordensmann den Rest seines Lebens auf dem einstigen „Bismarck-Archipel“ verbringen. Doch der Päpstliche General berief ihn nach Rom. 1973 wurde er Rektor des Päpstlichen Petruskollegs – eine „Bischofsschmiede“, aus der bis heute 200 Bischöfe hervorgegangen sind. „Diese Jahre im Päpstlichen Petruskolleg schenkten ihm das Privileg, mit den Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. näher bekannt zu werden“, sagt Josefa Schallhammer. Später wurde Wölfel Novizenmeister an der Mosel: Es folgten Seelsorgestellen in Ingolstadt und Tirschenreuth und schließlich der Wechsel nach Tölz.

Geboren wurde Wölfel mit seinem Zwillingsbruder Sebastian in dem kleinen Dorf Kirchenbirkig in Oberfranken. Die Familie besaß laut Josefa Schallhammer eine kleine Landwirtschaft. „Das Elternhaus war geprägt von einem streng religiösen Geist.“ Die Mutter war eine tieffromme Frau, die bereits im Alter von 49 Jahren starb. Diesen Abschied beschrieb er immer wieder als eine wahre Gotteserfahrung.

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Durch die Hilfe seines Heimatpfarrers konnte er schon bald das Knabenseminar der Erzdiözese Bamberg besuchen und wurde der erste Abiturient seiner Heimatgemeinde. In dieser Zeit wurde er auf die Steyler Missionare aufmerksam, denn eigentlich wollte er seit frühester Kindheit in der Mission tätig sein. 1957 legte er die Ewigen Gelübde ab und wurde am 15. Mai 1958 zum Priester geweiht. Für die Kuratie Ellbach war es ein Segen, dass Pater Johannes sich so engagierte, sagt Josefa Schallhammer. Trotz Priestermangels sei es möglich gewesen, weiterhin alle kirchlichen Feiertage zu begehen. Und auch der Pater habe die Verbundenheit der Dorfgemeinschaft geschätzt. Trotz seines Umzugs ins Saarland hielt er immer Kontakt in den Isarwinkel. Regelmäßig schickte er Briefe mit der Bitte, bei den Messen seine herzlichsten Grüße an die Gläubigen zu verlesen.  

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Der Pfarrverband Bad Tölz hält für Pater Johannes Wölfel am Donnerstag, 27. Februar, einen Gedenkgottesdienst. Beginn ist um 19 Uhr in der Ellbacher St.-Martins-Kirche.

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