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Trockenheit lässt Grundwasser absinken: Pegelstände in Bad Tölz-Wolfratshausen „sehr niedrig“

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Von: Andreas Steppan

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Zu trocken ist es derzeit vor allem im Süden Bayerns. Die Folge: Die Grundwasserpegel sind auch an einigen Stellen im Landkreis sehr niedrig.
Zu trocken ist es derzeit vor allem im Süden Bayerns. Die Folge: Die Grundwasserpegel sind auch an einigen Stellen im Landkreis sehr niedrig. © pixabay

Sieben Grundwasser-Messstellen gibt es im Landkreis. Nur an einer ist alles in grünem Bereich, an den anderen sind die Pegelstände zu niedrig - ungewöhnlich für diese Jahreszeit.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Bei Dauerregen sorgen sich viele Menschen wegen steigender Pegelstände und Hochwassergefahr. Weniger auf dem Schirm haben die meisten, dass auch das Gegenteil zu Problemen führen kann. Aktuell warnt das Bayerische Landesamt für Umwelt vor einem zu niedrigem Grundwasserstand in Teilen Bayerns – besonders der Süden des Freistaats sei stark betroffen. Auch im Landkreis ist deswegen aktuell ein Blick in die Daten des Niedrigwasser-Nachrichtendienstes akut.

Nur in der Jachenau ist der Pegelstand „im grünen Bereich“

Sieben Grundwasser-Messstellen betreibt das Wasserwirtschaftsamt Weilheim nach Auskunft von Bernhard Müller, der aktuell Amtsleiter Korbinian Zanker vertritt. Fünf davon – in der Pupplinger Au, Wolfratshausen, Geretsried, Arzbach und Lenggries-Vorderriß – zeigen ihm zufolge im Moment einen „sehr niedrigen“ Grundwasserpegel an. An der Messstelle Winkl/Klaffenbach ist der Wert „niedrig“, und nur in Schröfeln (Gemeinde Jachenau) liege der Wasserstand im „grünen Bereich“, so Müller.

„Sehr niedrig“, das ist die unterste Kategorie, in die die Behörde den Grundwasserpegel einteilt. „Übertroffen werden könnte das nur noch von der Meldung, dass der niedrigste Wert seit Aufzeichnungsbeginn erreicht ist“, erklärt Müller.

Normalerweise sind im Frühjahr die Grundwasserspeicher gut gefüllt

Um diese Jahreszeit seien so niedrige Pegel ungewöhnlich, denn normalerweise füllt sich der Grundwasserspeicher besonders im Winter wieder auf. Mittlerweile lägen aber schon mehrere Winterhalbjahre mit relativ geringen Niederschlagsmengen hinter der Region, erklärt der Experte des Wasserwirtschaftsamts. Das habe über die vergangenen Jahre zum Absinken des Grundwasserstands geführt.

Damit sich die Situation ändert, sei jetzt im Frühjahr und Sommer möglichst lang anhaltender Landregen wünschenswert. Starkregen bringe dem Grundwasserspiegel hingegen nichts. „Der würde schon an der Oberfläche abfließen und in die Bäche und Flüsse gehen, statt in den Boden einzusickern.“

Bleibt der Regen aus, könnten Notverbünde zum Tragen kommen

Trotz der außergewöhnlichen Lage bleibt Müller relativ entspannt. Der niedrige Grundwasserstand „muss keine unmittelbaren Probleme verursachen“, meint er. Die Trinkwasserversorgung sieht er nicht gefährdet. „Wenn der Regen weiterhin ausbleibt, kann es zwar sein, dass einige Brunnen kein Wasser mehr fördern können“, sagt er. „Aber in der Regel haben die Gemeinden Notverbünde mit Nachbarkommunen, von denen sie mitversorgt werden können, oder sie haben selbst noch einen zweiten Brunnen.“ Im Jahr 2018 seien zum Beispiel „einige Brunnen ausgefallen, ohne dass es zu Versorgungsengpässen kam“.

Es sei immer ratsam, sparsam mit Wasser umzugehen

Deswegen hält Müller keine akuten Aufrufe zum Wassersparen für notwendig. Natürlich sei es generell immer ratsam, sparsam mit Wasser umzugehen. „Das Brauchwasser sollte man möglichst nicht aus dem Grundwasser nehmen“, rät er. So sei es zum Beispiel besser, im Garten eine Regentonne aufzustellen, um daraus die Blumen zu gießen. „Wenn es lange nicht regnet, wird freilich auch das schwierig“, räumt Müller ein.

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Was die landwirtschaftliche Bewässerung hingegen angeht, sei es generell günstiger, auf Grundwasser zurückzugreifen, als das Wasser Flüssen und Bächen zu entnehmen, in denen Fische und Kleinstlebewesen darunter leiden könnten. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gebe es ohnehin nicht viele Felder, die künstlich bewässert werden müssen.

Grundwasser-Wärmepumpen könnten trocken fallen - Plan B für Heizung haben

Und können die Besitzer von Grundwasser-Wärmepumpen jetzt Probleme bekommen? Immerhin nutzen diese Anlagen Grundwasser, kühlen es – grob gesprochen – ab, um dessen Wärme zum Heizen zu nutzen, und pumpen es dann zurück. „Es kommt vor, dass Wärmepumpen trocken fallen, das hören wir immer wieder“, sagt Müller. Für diesen Fall sollten ihm zufolge Betreiber von Wärmepumpen „immer einen Plan B haben“, etwa eine elektrische Nachheizung.

Ob die Reihe trockener Winter nun ein „vorübergehendes Phänomen oder eine Auswirkung des Klimawandels“ sind, das vermag Müller nicht zu beurteilen. Fest stehe aber: „Wenn weitere solche Winter folgen, wird uns das irgendwann an unsere Grenzen bringen.“

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