Moritz Fey und seine Freundin Lisa Hegelwald in den Räumen von „Chocosy“ in der Tölzer Marktstraße.
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Eröffnung mitten in der Pandemie: Moritz Fey und seine Freundin Lisa Hegelwald in den Räumen von „Chocosy“ in der Tölzer Marktstraße.

Innenstadt

Trotz Lockdown einen Laden eröffnet: Diese drei Betriebe in Bad Tölz haben es gewagt

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Drei neue Geschäfte haben in den vergangenen Wochen und Monaten in Bad Tölz eröffnet – trotz Pandemie und Lockdown. Der Tölzer Kurier hat bei den Inhabern nachgefragt, warum man so ein Risiko eingeht. Und wie es läuft.

  • Während viele Einzelhändler um ihre Existenz bangen, haben in Bad Tölz drei neue Läden eröffnet: das „Chocosy“ und die „Tee- und Kräuterstub’n“ in der Marktstraße sowie die Konditorei Bolzmacher an der Lenggrieser Straße.
  • Betreiber bereuen Schritt in die Selbstständigkeit nicht.
  • Sie sehen viel Potenzial in Bad Tölz als Stadt.

Bad Tölz – Nachdem Susanne und Mathias Bolzmacher aus Wackersberg ihr gleichnamiges Café in Rothenrain Ende November erneut schließen mussten, stand das Ehepaar vor der Wahl: aufgeben und seine zwei Angestellten entlassen. Oder kämpfen und eine Alternative suchen. Die beiden entschieden sich für Letzteres und eröffneten Ende November in Bad Tölz die Konditorei Bolzmacher. „Ich habe darin eine Chance gesehen, irgendwie weiter machen zu können“, sagt Susanne Bolzmacher.

Denn schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 war klar: Das To-go-Geschäft in Rothenrain lohnt sich nicht. „Dafür sind wir zu weit draußen“, sagt Bolzmacher. Der neue Laden nun liegt absolut zentral im Herzen von Bad Tölz. Susanne Bolzmacher spricht von einem „Glücksfall“, wenn sie an die Räume an der Lenggrieser Straße 3 denkt. Viele Jahre lang arbeitete hier Uhrmachermeister Matthäus Beutelrock. Jetzt verkaufen die Bolzmachers dort ihre selbst gemachten Kuchen und Torten. Tochter Agnes, die im Sommer ihren Meister gemacht hat, steht in der Backstube, eine Angestellte hinterm Tresen. Im Gegensatz zum Café darf die Konditorei regulär öffnen. Das neue Angebot werde gut angenommen. Die Einnahmen fingen zwar nicht alles auf. „Aber es gleicht ein bisschen was aus.“ Sobald es wieder möglich ist, soll auch der Café-Betrieb in Wackersberg wieder aufgenommen werden, verspricht Bolzmacher. Am Ende könnte der Familienbetrieb also sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Eröffneten an der Lenggrieser Straße eine Konditorei: (v. li.) Susanne, Mathias und Agnes Bolzmacher.

Mit Optimismus in die Zukunft blickt auch Moritz Fey. Der Wahl-Tölzer hat im Herbst in der Marktstraße 51 das Schokoladencafé „Chocosy“ eröffnet – und bereut das kein bisschen. Zwar habe er anfangs aufgrund der unvorhersehbaren Situation durchaus ein „mulmiges Gefühl“ gehabt. „Da es sich allerdings um meine Herzenssache handelt und ich ein optimistischer Mensch bin, habe ich es immer als Chance angesehen“, sagt der 33-Jährige. Gerade in den ersten Wochen bekam Fey oft zu hören, dass eine Neueröffnung in Corona-Zeiten sehr mutig sei. Aber: „Dadurch sind viele gute Gespräche mit wahnsinnig netten Menschen entstanden. Dieses ernsthafte Interesse hat uns Zuspruch gegeben und uns noch einmal darin bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

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Dabei ist „Chocosy“ von einem Regelbetrieb weit entfernt. „Sitzplätze konnten wir zu Anfang mit strengen Auflagen anbieten, mussten nach einem Monat jedoch auf den To-go-Betrieb umstellen.“ Das heißt: Die selbstproduzierten Trinkschokoladen und Kaffeespezialitäten bietet Moritz Fey mit Hilfe seiner Lebensgefährtin Lisa Hegelwald nur zum Mitnehmen an. Sobald ein Normalbetrieb möglich sei, soll es auch selbstgebackenen Schokoladenkuchen und andere Kleinigkeiten geben. Und die Möglichkeit zu verweilen.

Chancen auch in der Pandemie ergreifen

Generell sieht Moritz Fey viel Potenzial in Bad Tölz als Stadt. Auch deshalb wagte er in Zeiten wie diesen den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Marktstraße sei an sich schon ein großer Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische. Der Markt am Mittwoch und Freitag belebe die historische Altstadt zusätzlich. „Von den umliegenden Händlern wurden wir innerhalb kürzester Zeit sehr herzlich aufgenommen und es besteht ein großer Zusammenhalt und eine hohe Motivation, gemeinsam mehr Leben in die Stadt zu bringen.“

Chancen muss man auch in der Pandemie ergreifen, dachte sich Tanja Floßmann und eröffnete Anfang des Jahres mit Unterstützung ihrer Familie die „Tee- und Kräuterstub’n“ an der Marktstraße 60. Wie berichtet trat die 27-Jährige in die Fußstapfen von Anneliese Possemis, die die Kräuterstub’n mehr als 20 Jahre lang führte. Floßmann übernahm das Inventar, die Ronnefeldt Tees sowie das gesamte Sortiment. Das Geschäft selbst eröffnete sie ganz in der Nähe des alten Ladens – und zieht nach den ersten Wochen eine positive Bilanz. Neben den Stammkunden ihrer Vorgängerin ziehe es auch neue Kunden ins Geschäft.

Floßmann ist sehr zuversichtlich, dass das Geschäft nach Ende des Lockdowns noch besser läuft. Dann will die Jungunternehmerin unter anderem auch samstags länger öffnen. Mitten in der Pandemie einen neues Geschäft eröffnet zu haben, bereut sie nicht.

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