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Hat deutsche Wurzeln: Der gewählte US-Präsident Donald Trump. Sein Großvater wanderte aus. 

Vor 110 Jahren

Wie es Trump in den Kurier schaffte

Bad Tölz - Die Welt ist klein. So klein, dass eine kurze Meldung im Tölzer Kurier vor 110 Jahren angesichts der weltpolitischen Lage geradezu elektrisierend wirkt. Denn, so die Fragestellung heute: Geht es in der Meldung etwa um den Großvater von Donald Trump? Eine Spurensuche.

Am 4. August 1906 schreibt der Tölzer Kurier in den redaktionellen Meldungen über Neuerungen im Bauwesen und wirbt unverhohlen „für die großen Wohnungs-Neubauten des Baumeisters Friedrich Trump in München an der Ecke Martius- und Kaulbachstraße“. Dort würden für die Beförderung von Baumaterialien elektrisch betriebene Aufzüge aufgestellt, die täglich 35 000 Ziegelsteine und ein dementsprechendes Quantum Mörtel befördern könnten. Grundsätzlich lobt der Artikel im Tölzer Kurier die Vorteile moderner, eleganter und praktischer Wohnungen.

Warum ausgerechnet der Tölzer Kurier für Friedrich Trump wirbt, wird nicht ganz klar. Auch Martin Hake, der die Zeitungsmeldung gefunden hat, kann es sich nicht recht erklären. Indes: Der Großvater des gewählten US-Präsidenten Donald Trump hieß tatsächlich Friedrich, er war 1904 aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland zurückgekommen und war tatsächlich im Immobiliengeschäft tätig.

Soweit die Übereinstimmungen. Die Spurensuche und Recherchen belegen dann aber schnell, dass Friedrich Trump aus München wohl doch nichts mit dem Großvater des Präsidenten zu tun hatte. Wie der Südwestrundfunk im Juli berichtete, war der im pfälzischen Kallstadt geborene Friedrich Trump in den 1880er-Jahren in die USA ausgewandert und hatte 1892 sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Nach der Jahrhundertwende kehrte der als Gaststätten- und Hotelbetreiber reich gewordene Trump aber in seine Heimat zurück. Er heiratete, kehrte mit seiner Frau Elisabeth kurz nach New York zurück, um ins Immobiliengeschäft einzusteigen. 1904 reiste er mit der festen Absicht zurück, sich in Bayern wieder einbürgern zu lassen. Das verweigerte ihm die zuständigen Behörden allerdings, weil er als Jugendlicher noch vor der anstehenden Einberufung zum Wehrdienst das Land verlassen hatte. In den von großem Patriotismus geprägten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war dies ein Ausschlussgrund für die bayerische Staatsbürgerschaft.

Auch ein Brief an den bayerischen Prinzregenten half Friedrich Trump nicht weiter. 1905 wurde er ausgewiesen und kehrte in die Staaten zurück. Diese Jahreszahl macht schließlich endgültig klar, dass der Artikel im Tölzer Kurier im Sommer 1906 von einem anderen Trump berichtet.

Christoph Schnitzer

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