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Bernhard Gigl, Chef der Tölzer Polizei.

Interview 

„Die Tür absperren sollte man schon“

Die Verunsicherung ist bei vielen zu spüren: Nach der Gewalttat von Königsdorf-Höfen machen sich etliche Bürger Gedanken, ob auch sie gefährdet sind, Opfer von Einbrechern zu werden. Über mögliche Riskofaktoren sowie gefühlte und tatsächliche Sicherheit sprach der Tölzer Kurier mit dem Chef der Tölzer Polizeiinspektion, Bernhard Gigl.

Herr Gigl, sind nach dem Verbrechen in Höfen schon verunsicherte Bürger auf die Tölzer Polizei zugekommen?

Nein, auf der Dienststelle bemerken wir keine gestiegene Nachfrage nach Beratung. Aber dass es Sorgen gibt, ist klar und durchaus nachvollziehbar. Solche Ereignisse, gerade, wenn sie in räumlicher Nähe passieren, wirken bei vielen Menschen nach. Jeder liest jetzt darüber, da sagt man unweigerlich: ,Kann das auch bei mir passieren?‘ Jeder macht sich seinen eigenen Reim darauf.

Die Täter von Königsdorf sind noch auf freiem Fuß. Ist das aus Ihrer Sicht ein Grund, sich vor weiteren Taten in der Region zu fürchten?

Da weiß man zu wenig über die Hintergründe. Wenn es tatsächlich Einbrecher waren, wäre es normal, dass sie jetzt sagen: In der Region lassen wir uns so schnell nicht mehr blicken. Denn hier haben alle von der Tat gehört und sind jetzt so sensibilisiert, dass sie jeden Husterer hören.

Angst kann einem die besondere Brutalität der Täter machen.

Ja. Doch man muss bedenken: Wenn es Einbrecher waren, dann war das eine ganz besondere Kategorie – die es sicher auch gibt, die aber nicht zu den gewöhnlichen Einbrechern zählt. Normalerweise schauen Einbrecher darauf, dass sie möglichst schnell wieder wegkommen, ihr Fluchtinstinkt ist sehr ausgeprägt.

Ist im südlichen Landkreis insgesamt erkennbar, dass die Zahl der Einbrüche steigt?

Nein. Es ist keine signifikante Häufung erkennbar.

Sind generell abgelegene Anwesen gefährdeter als Häuser mitten in der Stadt?

Die Lage eines Hauses spielt für Einbrecher natürlich eine Rolle. Bei einem eher abgelegenen Haus ist es für sie leichter einzuschätzen, wo was zu holen ist, und den Überblick zu haben, welche Nachbarn sie beobachten könnten.

Stimmt es, dass der südliche Landkreis von der Verkehrsanbindung her für Einbrecher nicht so attraktiv ist?

Gerade für durchreisende Banden ist die Verkehrslage eher ungünstig. Die Fluchtwege sind überschaubar. Die Polizei kann sie relativ gut „dicht“ machen, und dann gibt es nicht so viele Wege, um schnell wegzukommen. Das ist hier anders als in Orten in unmittelbarer Autobahnnähe.

In vielen Gesprächen hört man derzeit: „Jetzt habe ich angefangen, die Haustür immer abzuschließen.“ Ist das nicht ohnehin selbstverständlich?

Tatsächlich ist es bei uns durchaus sehr verbreitet, nicht abzusperren. Wir würden es schon als Erfolg unserer Aufklärungsarbeit betrachten, wenn mehr Menschen darauf kommen, dass man Türen, Fahrräder und Autos absperren sollte. Das würde wirklich weiterhelfen. Natürlich ist es schön, wenn in der Region das Sicherheitsgefühl so gut ist, dass man das nicht für nötig hält. Aber es tut ja nicht weh, trotzdem abzusperren und es den Tätern damit schon mal etwas schwerer zu machen.

Würden Sie weitere Sicherheitsmaßnahmen empfehlen, etwa Kameras, Alarmanlagen oder einen Wachhund?

Das ist schwer zu sagen. In einigen Fällen trägt so etwas nach meiner Meinung stärker zu einem subjektiv besseren Gefühl bei, als dass es die Sicherheit tatsächlich erhöht. Individuellen Rat bekommt aber jeder bei der Beratungsstelle der Kripo.

Rat von der Kripo

Die für den Landkreis zuständige Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle in Weilheim ist unter der Telefonnummer 0881/640-458 zu erreichen. Ansprechpartner ist Kriminaloberkommissar Simon Bräutigam.

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