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Turnhalle am Gymnasium Bad Tölz ist Notunterkunft für Flüchtlinge aus Ukraine

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Von: Andreas Steppan

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150 Schlafplätze stehen in der Sporthalle des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums bereit. Der erste Bus mit Geflüchteten aus der Ukraine wird Mitte kommender Woche erwartet.
150 Schlafplätze stehen in der Sporthalle des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums bereit. Der erste Bus mit Geflüchteten aus der Ukraine wird Mitte kommender Woche erwartet. © Arndt Pröhl

Am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium steht eine Notunterkunft für Kriegsflüchtlinge bereit. Nach den ersten Nächten dort folgt für die Ankommenden eine Zeit voller Ungewissheit.

Bad Tölz – Mit der Sporthalle des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums in Bad Tölz steht nun die zweite Turnhalle im Landkreis für die Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine bereit. Bei einem Pressetermin zeigten sich Landrat Josef Niedermaier und der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner am Freitag hoch erfreut über die große Hilfsbereitschaft der Menschen, baten aber gleichzeitig um Geduld. Was die Ankommenden jetzt zuerst einmal bräuchten, sei ein Dach über den Kopf und etwas zu essen.

Geflüchtete sollen drei bis vier Nächte in der Turnhalle schlafen

Genau das bieten die Notunterkünfte in den Turnhallen an der Adalbert-Stifter-Straße in Geretsried und am Tölzer Gymnasium an. 150 Schlafplätze wurden hier jeweils aufgebaut. Das Landratsamt quartiert dort Geflüchtete ein, die dem Landkreis von der Regierung von Oberbayern zugewiesen werden. Vergangenen Sonntag sei der erste Bus aus München angekommen, berichtete Karsten Ludwig, Leiter des Sachgebiets Asyl, weitere folgten am Dienstag und am Freitag. In Bad Tölz erwartet er den ersten Bus mit Menschen aus der Ukraine Mitte kommender Woche.

Bei ihrer Ankunft werden die Geflüchteten zunächst einem Corona-Test unterzogen. Ist er negativ, finden Kriegsflüchtlinge in den Turnhallen Schlafplätze, und ein Cateringunternehmen verpflegt sie. „Sie haben eine lange Reise hinter sich, teils unter katastrophalen Umständen“, sagte Ludwig.

Aktuell 480 ukrainische Flüchtlinge in Bad Tölz-Wolfratshausen

Die Behörde bemühe sich, die Angekommenen möglichst innerhalb von drei bis vier Tagen auf andere Unterkünfte zu verteilen. Ob das gelinge, hänge stark vom Einzelfall ab. Etwas schwieriger sei das aktuell zum Beispiel bei einer Großfamilie mit vielen Personen. „Bei den angebotenen Privatwohnungen geht man vom Idealbild von einer Mutter mit Kindern, also zwei bis drei Personen aus“, so Ludwig. Das treffe auch oft zu – aber nicht immer. „In jedem Fall sind wir bestrebt, den Aufenthalt in der Turnhalle auf maximal eine Woche zu begrenzen.“

Insgesamt halten sich laut Ludwig aktuell etwa 480 ukrainische Flüchtlinge im Landkreis auf, davon 80 von der Regierung von Oberbayern zugewiesene und etwa 400, die auf anderem Weg in den Landkreis kamen. Landrat Niedermaier - er befindet sich in Isolation und war per Video zugeschaltet - geht davon aus, dass die Zahl schnell wächst. Aktuell arbeite das Landratsamt mit dem Szenario, das von der Aufnahme von 1200 Geflüchteten im Landkreis ausgeht. „Ich glaube aber, dass auch das übertroffen wird.“ Im Vergleich zur jetzigen Lage „wird das, was ab 2015 erlebt haben, ein Kinderspiel gewesen sein“, so Niedermaier.

Schulfamilie am Gymnasium Bad Tölz zeigt herzliches Gesicht

Insofern zeigte er sich froh, dass es sowohl an der Schule als auch in der Bevölkerung eine „mithelfende Stimmung“ gebe. „Wenn man eine Turnhalle belegt, schwingt ein schlechtes Gewissen mit, aber es geht nicht anders.“ Auch Mehner würdigte, dass die Schulfamilie trotz der großen Einschränkung ein herzliches Gesicht zeige und Menschen in Not ein „gewisses Gefühl von Angekommensein“ vermittle.

Gleichzeitig stellte der Bürgermeister klar: „Helfen ist ein Langstreckenlauf, der erst beginnt.“ Es gebe schon eine Vielzahl von Organisationen, die sich einbringen wollten, aber noch nicht richtig loslegen könnten. Zu unklar ist noch, wie es für die Angekommenen weitergeht. Sie dürften in Deutschland arbeiten, sich aber auch frei bewegen. „Viele ziehen nach drei Tagen schon weiter“, so Mehner. Mit Blick auf die Zerstörungen in der Ukraine ging Mehner aber davon aus, dass eine Rückkehr in die Heimat für die meisten nicht so schnell möglich sein werde, „selbst wenn er Krieg bald enden sollte“.

Flüchtlinge aus Ukraine: Landratsamt fährt „auf Sicht“

Auch Niedermaier skizzierte einige Unsicherheiten für die neu Angekommenen. Das beginne damit, dass sie mitgebrachtes Geld in Deutschland nicht umtauschen könnten, da die ukrainische Währung hier seit Jahren nicht gehandelt werde. Auch das Landratsamt könne nur kurzfristig planen. „Wir fahren auf Sicht.“ Kurzfristig benötigt würden vor allem Übersetzer, sagte Mehner. Ludwig bestätigte: „Nicht einmal zehn Prozent sprechen Englisch, die Hauptsprachen sind Russisch und Ukrainisch.“

Alle weiteren Infos zum Ukraine-Krieg und dessen Auswirkungen in Bayern lesen Sie hier auf unserer Themenseite Ukraine-Flüchtlinge.

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