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Der Turnhallenboden ist unter dem Spezialbelag in einwandfreiem Zustand. Davon überzeugten sich am Dienstag (v. li.) Thomas Bigl, Wolfgang Kruse, Markus Dirigl und Wolfgang Klaar vom Landratsamt.

Nach Nutzung als Erstaufnahmeeinrichtung

Turnhalle wird schnell wieder Sportstätte

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Bad Tölz - „Drei Tage ausräumen, dann noch zwei Tage für die Putzkolonne“: Dieses Programm wird nach den Worten von Markus Dirigl, Gebäudetechniker beim Landratsamt, ausreichen, um die Tölzer Gymnasiumsturnhalle wieder von einer Erstaufnahmeeinrichtung in eine Sportstätte zu verwandeln.

Die letzten Flüchtlinge sind am Freitag aus der Turnhalle ausgezogen. Am Dienstag nun nahm ein Team des Landratsamts das Gebäude in Augenschein. Ergebnis: Große Reparatur- und Sanierungsarbeiten sind nicht notwendig, Schäden waren keine feststellbar. „Ich dachte mir schon, dass es nicht schlimm ist, aber dass der Zustand so gut ist, hätte ich nicht gedacht“, konstatierte Sozialamtsleiter Thomas Bigl. Einige kleinere Malerarbeiten im von der Security genutzten Raum und in den Sanitäranlagen, eine Grundreinigung und Desinfektion der Duschen und Toiletten: Das sei alles, was ansteht. Nach den Osterferien steht die Halle wieder für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung.

„Die Betten und Spinde werden wir jetzt in drei Containern einlagern“, erklärte Markus Dirigl, Gebäudetechniker beim Hauptamt des Landratsamts. Die Trennwände dagegen würden vor Ort in der Schule untergebracht. Alles muss rasch wieder einsatzbereit sein – im Fall, dass die Regierung erneut den Notfallplan aktiviert. „Wir sind froh, dass es vorbei ist – in dem vollen Bewusstsein, dass es wieder kommen kann“, stellte Landrat Josef Niedermaier klar.

Genau fünf Monate – seit 19. Oktober 2015 – hatten die Turnhallen des Tölzer Gymnasiums und der Geretsrieder Mittelschule als Erstaufnahmeeinrichtungen gedient. Je 150 Plätze standen zur Verfügung. Die Flüchtlinge blieben je sechs bis acht Wochen, bis sie auf andere Quartiere verteilt wurden. Insgesamt lebten in der Zeit 431 Personen im Tölzer Gymnasium. „Ich danke den Schulen, dass sie so gut mitgemacht haben“, sagte Niedermaier.

Mit Ausnahme einer handgreiflichen Auseinandersetzung bei der Essenausgabe sei alles in sehr geordneten Bahnen abgelaufen, zog Bigl Bilanz. „Vertreter der Regierung von Oberbayern haben gefragt: ,Warum funktioniert es bei Euch so gut? Warum stellen sich die Leute so ordentlich zum Essen an?‘“ Bigl führt dies mit auf die Arbeit des Sicherheitsdienstes zurück, der „weniger als Security, sondern mehr als Betreuung und Begleitung der Bewohner“ aufgetreten sei. Die Reinigung der Gemeinschaftsflächen, insbesondere der sanitären Anlagen, hätten die Bewohner in einem „WG-System“ unter sich aufgeteilt und als Ein-Euro-Jobs ausgeführt. Schilder an den Eingängen künden davon, dass die Sanitärbereiche nach Nationalitäten aufgeteilt waren: „Syrien“, „Afghanistan“ und „Senegal, Nigeria, Eritrea, Somalia, Uganda, Sierra Leone“. „Auch während des Betriebs war alles in einem Zustand, dass man es jederzeit herzeigen konnte“, so Bigl. Keine Schäden habe man übrigens auch in der Geretsrieder Turnhalle festgestellt – auch wenn offenbar anderslautende Gerüchte kursieren. „Die stimmen einfach nicht.“

Mit dem Wegfall der Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen beherbergt der Landkreis jetzt immer noch etwas mehr Flüchtlinge als gefordert. „Die Landkreisquote erfüllen wir noch zu 111 Prozent, vorher waren es 129“, so Niedermaier. Aktuell kommen mit 27 pro Woche relativ wenige Flüchtlinge im Landkreis an. Ein gewisser Puffer an Unterbringungsmöglichkeiten ist da, weitere Unterkünfte werden gebaut oder stehen – wie die Filigran-Halle in Geretsried – kurz vor Inbetriebnahme.

Allein der Landkreis investiere Millionen in den Bau, so der Landrat. Wann welcher Bedarf herrscht, weiß aber niemand. Bleibt die Balkanroute geschlossen, nehmen die Flüchtlinge im Sommer den Weg übers Mittelmeer und Italien? „Wir haben keine andere Planungsgrundlage, als täglich die Nachrichten zu schauen“, stellte Niedermaier fest.

„Zurzeit arbeiten wir nach Bauchgefühl – und das ist die öffentliche Verwaltung nicht gewöhnt.“ Voraussichtlich im Mai oder Juni werde er im Kreistag zur Diskussion stellen, ob der Landkreis als Planungsgrundlage weiter von 5000 Asylbewerbern bis Jahresende ausgehen sollte. Aktuell leben etwas über 1800 Flüchtlinge im Landkreis.

Die Tölzer Gymnasiums-Turnhalle nach fünf Monaten als Erstaufnahmeeinrichtung

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