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Setzt auf klimafreundliche Mobilität: Andreas Süß. 

Bericht im Umweltausschuss

Das tut der Landkreis für den Klimaschutz 

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US-Präsident Donald Trump mag das Pariser Abkommen aufgekündigt haben – auf lokaler Ebene gehen die Bemühungen um den Klimaschutz unvermindert weiter. Das Tölzer Landratsamt hat dafür Experten. Der gab jetzt einen Bericht über seine Arbeit.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit 1. Juni 2016 gibt es im Tölzer Landratsamt eine 19,5-Stunden-Stelle für einen Klimaschutzbeauftragten. Er soll das „integrierte Klimaschutzkonzept“ des Landkreises umsetzen. Was bringt das konkret? An welchen Projekten er arbeitet, das berichtete Andreas Süß am Montag den Mitgliedern des Kreis-Umweltausschusses. Die Ergebnisse seiner Arbeit werden demzufolge bald immer deutlicher sichtbar.

So kündigte Süß für Ende Oktober die Fertigstellung eines Solarkatasters an. Hier könne im Internet „jeder Hausbesitzer sehen, ob sein Dach für eine Fotovoltaik-Anlage geeignet ist“, so Süß. Zudem solle auf der Plattform eine Wirtschaftlichkeitsberechnung angeboten werden: Lohnt sich die Anlage auf dem Dach bei bestimmten Verbrauchsprofilen – etwa wenn jemand ein Elektroauto fährt? Unterstützung bekommen in dieser Hinsicht auch die Städte und Gemeinden bekommen. Der Landkreis bezuschusse Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen für PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden, erklärte Süß. „Es geht uns vor allem darum, das Thema bei den Kommunen auf die Agenda zu bringen.“

Eine „Entscheidungsgrundlage für Kommunen und Betriebe“ will das Landratsamt auch in Bezug auf E-Mobilität anbieten. „Wir haben eine Analyse der Infrastruktur durchgeführt“, berichtete Süß: Wo kann ein E-Auto-Besitzer „tanken“, wo ist die Abdeckung schlecht, wo wären geeignete Standorte für Ladesäulen? „Wir haben dazu alle Kommunen nach Kriterien wie Bevölkerung, Zahl der Pendler, der Tagesausflügler untersucht und eine Priorisierung erstellt.“ Alle Ergebnisse würden im Herbst in einer Broschüre zusammengefasst. „Was sie dann damit machen, bleibt den Kommunen überlassen.“

Biomasse-Potenziale steigern: Das ist ein weiteres Arbeitsfeld für den Klimaschutzbeauftragten. Im Frühjahr hatte er dazu Vertreter von Umweltverbänden und der Forstwirtschaft an einem Runden Tisch zusammengebracht. Ein weiterer Runder Tisch werde sich Ende des Jahres dem „Konfliktfeld zwischen Biomassenutzung und Luftreinhaltung“ widmen, kündigte Süß an. Dazu würden unter anderem Kaminkehrer und Vertreter der Sanitärinnung eingeladen.

Im Aufbau ist laut Süß eine Plattform, die gute Praxisbeispiele für klimafreundliche Aktivitäten vorstellt. Portraits in Text und Bild über zehn Projekte im Landkreis seien schon fertig, darunter das Heizen mit Eis im Feuerwehrhaus Ellbach, das Radltaxi Wolfratshausen und die Gemüse-Genossenschaft „BioTop Oberland“. Aber auch klimafreundliche Ansätze in Privathaushalten will Süß hier gern präsentieren. Bis Ende des Jahres werde man 20 Portraits beisammen haben und außer im Internet auch in einer gedruckten Broschüre verbreiten.

Kreisrätin Cornelia Irmer (Freie Wähler), die auch dem Energiebeirat des Landkreises angehört, zeigte sich zufrieden. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte sie. Allerdings mahnte sie: Wolle der Landkreis sein Ziel erreichen, bis 2035 energieautark zu sein, „dann müssen wir uns jetzt noch stärker aufstellen“. Gerhard Hasreiter (CSU) dagegen meinte: „Ob es zwei Jahre früher oder fünf Jahre später erreicht wird, das ist kein Dogma.“ Wichtig sei zu sehen, wie viel seit der Gründung der Energiewende Oberland 2005 schon passiert sei. Süß konstatierte unterdessen: „Wenn wir in dem Tempo weitermachen wie bisher, sind wir im Verkehrs- und Wärmebereich 2060 immer noch nicht am Ziel angekommen.“ Trotzdem bestätigte er: „Es wurde schon viel erreicht.“

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