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Explodierende Spritpreise: Pendler frustriert - „Auf dem Land ein Horror“

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Von: Christiane Mühlbauer

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Rolf Geiger.
Rolf Geiger aus Bad Tölz ist Fachmann für die Verpackung von Industrieanlagen. Er pendelt täglich nach Unterschleißheim und fährt morgens um 4.50 Uhr los.  © privat

Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, erlebt an den Tankstellen täglich einen neuen Preisschock. Pendler schildern ihre Situation.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Valerie Pöckl pendelt täglich 95 Kilometer einfach – von Fall nach Garching. Das sind fast 200 Kilometer am Tag und rund drei Stunden im Auto. „Ich kann leider kein Homeoffice machen“, sagt die 26-jährige Produktdesignerin, die bei einer Firma für Spezialeffekte und Modellbau beim Film arbeitet.

Spritpreise steigen: 500 Euro für Diesel - „Fahre zum Tanken nach Österreich“

„Und meinen Job will ich nicht aufgeben.“ Statt bislang 330 Euro an Spritkosten für einen Golf mit Diesel-Tank zahlt sie derzeit gut 500 Euro. „Ich fahre zurzeit zum Tanken nach Österreich“, sagt Pöckl. Ein E-Auto kommt für sie nicht in Frage: „Ich hab’ gar keine Ladestationen in der Nähe.“

Valerie Pöckl. 
Valerie Pöckl (26) fährt jeden Tag von Fall nach Garching. Sie ist Produktdesignerin.  © Archiv

Hohe Spritpreise: Fast 80 Euro mehr im Monat fürs Benzin - Pendler verbittert

Rolf Geiger fährt jeden Tag aus Bad Tölz 83 Kilometer zu seinem Arbeitgeber nach Unterschleißheim. Er ist Fachmann für die Verpackung von Industrieanlagen. „Derzeit hab ich im Monat fast 80 Euro mehr fürs Benzin.“ Geiger fährt früh los, täglich um 4.50 Uhr. „Da fährt noch kein Zug.“ Über die Pendlerpauschale „kann ich bloß lachen“, sagt er verbittert. Ein E-Auto anzuschaffen, lohne sich für ihn nicht, „weil ich privat sehr wenig Auto fahre“. Zudem sei es schwierig mit den Ladestationen. „Und im Urlaub will ich unabhängig sein.“

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Benzinpreise steigen weiter: Bus und Bahn im Schichtdienst keine Lösung

Sehr frustriert über die Situation ist auch eine Krankenschwester aus dem Loisachtal. Sie möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, aus Sorge vor Nachteilen am Arbeitsplatz. Die 55-Jährige arbeitet in einem speziellen Bereich und wurde nun aus der Region versetzt, sodass sie nach München pendeln muss. „Ich arbeite in Wechselschichten und kann nicht auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen“, sagt sie.

In ihrem Alter lohne es sich nicht mehr, den Arbeitgeber zu wechseln, aufgrund der aufgebauten Sozialleistungen. „Ich fühle mich gefangen“, sagt sie. „Für alle Pendler auf dem Land ist die derzeitige Situation ein Horror.“ Die Anschaffung eines E-Autos könne sie sich nicht leisten. „Selbst Leasing ist nicht ohne.“ Zudem könne sie das Fahrzeug an ihrem Arbeitsplatz nicht laden. Derzeit verbinde sie am Wochenende Ausflüge nach Österreich mit dem Tanken – Einkaufen im Nachbarland inklusive.

Hohe Spritpreise: „Für alle auf dem Land ist derzeitige Situation ein Horror“

265 Kilometer, nämlich von Wackersberg nach Manching, pendelt Marcus Steiner in der Regel – zurzeit ist er allerdings Corona-bedingt im Homeoffice. Der 52-Jährige ist beruflich sehr spezialisiert und wurde vor einigen Jahren ebenfalls versetzt. „In der Region gibt es keinen vergleichbaren Arbeitsplatz für mich“, sagt er. Aus familiären Gründen will er aus Tölz nicht wegziehen. „In der Region Ingolstadt ist es auch nicht so schön“, ergänzt er. Unter normalen Umständen fährt er wöchentlich 1300 Kilometer.

Auszubildende muss großen Teil ihres Lohns für Sprit ausgebeng

Auch Auszubildende stehen vor großen Problemen. Lisa Döring aus Geretsried macht eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten in der Tierklinik in Oberhaching. Auch sie hat Schichtdienst. Nur zur Berufsschule kann sie mit der S-Bahn fahren. Von den 750 Euro brutto, die sie im ersten Lehrjahr verdient, geht derzeit einiges für den Sprit drauf. „Gott sei Dank kann ich noch bei meinen Eltern wohnen und somit Miete sparen“, sagt die 19-Jährige.

Hohe Spritpreise: Öffentliche auf dem Land oft keine Alternative

Von Geretsried nach München pendelt täglich Felix Leipold. Der 23-Jährige macht eine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten bei der Stadt München und wird in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Zwar würde sein Arbeitgeber ein Ticket für öffentliche Verkehrsmittel bezahlen, aber: „Da wäre ich mehr als doppelt so lang unterwegs“, sagt Leipold, der für die Freien Wähler im Stadtrat Geretsried sitzt. Innerorts steigt er nun aufs Fahrrad um. „Ich hab’ schon an ein E-Auto gedacht, aber es ist halt blöd mit den Ladestationen“, meint er.

Felix Leipold. 
Felix Leipold (23) ist in der Ausbildung. Er pendelt von Geretsried nach München.  © Archiv

Ähnlich argumentiert Christian Gampl aus Münsing, dessen Arbeitsplatz in Bad Tölz ist. „Und der Strompreis wird ja auch teurer“, sagt er. „Ich hadere sehr bei dem Gedanken, mir wegen dem Spritpreis gleich ein neues Auto anzuschaffen.“

Steigende Benzinpreise: E-Auto als gute Option?

Den Umstieg auf ein E-Auto gemacht hat hingegen Alexandra Petschk aus Gaißach – und sie ist froh. Gewöhnlich pendelt sie an drei Tagen in der Woche nach München. „Ich kann das Auto an der Arbeit laden“, freut sie sich. 100 Kilometer würden sie derzeit 7 Euro kosten.

Petschk hat sich einen Tesla Model 3 angeschafft, weil dieser an den markeneigenen Superchargern laden könne. „Nach 15 Minuten ist er wieder voll“, sagt sie. Überhaupt würde man mit E-Auto beim Laden „anders denken“, erklärt die Gaißacherin. „Man macht es beispielsweise auch beim Einkaufen, wenn die Batterie eigentlich noch halb voll ist.“ Ein weiterer Vorteil: „Unsere Reparaturkosten sind bei null.“ In drei Jahren sei sie nur einmal beim Kundendienst gewesen, und da habe man lediglich einen Filter tauschen lassen. „Ich fand es selbst komisch“, sagt sie lächelnd.

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