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„Jetzt muss 30 Jahre eine Ruh’ sein.“: Ab April wird der Rathausanbau (li.) mit neuem Sitzungssaal bezogen. Dann wird im Altbau (re.) noch umgebaut.

Rathaus bald bezugsfertig

Umbau: „Das war wirklich kein Luxus“

Ab April wird der Erweiterungsbau des Tölzer Rathauses bezogen. Gleichzeitig beginnt der Umbau des historischen Gebäudeteils. Die Sitzungen sollen ab Mai im neuen Rathaus stattfinden. Die Kosten steigen um 900 000 Euro.

Bad Tölz – Es ist wahrlich ein Galablick, den man vom neuen Sitzungssaal im dritten Obergeschoss über die Dächer von Tölz ins Karwendel genießt. Der 200-Quadratmeter-Saal mit viel Glas- und Tuffsteinwänden ist das Vorzeigeobjekt im neuen Tölzer Rathaus. In ihm sollen, sagt Kämmerer Hermann Forster, künftig auch Empfänge und Vernissagen stattfinden. Der Raum ist über das Treppenhaus vom Bürgergarten her erreichbar und daher völlig unabhängig vom Rathausbetrieb. Die Zusammenkünfte der Ausschüsse und des Stadtrats sollen ab April im neuen Sitzungssaal stattfinden, hofft Bürgermeister Josef Janker. Ob für die Projektion von Plänen und Karten oder Medienanschlüsse – die Technik im Saal ist auf dem neuesten Stand.

Janker, der das Rathausprojekt von Vorgänger Josef Niedermaier übernahm, steht voll dahinter: „Der Umbau war wirklich kein Luxus, sondern Notwendigkeit.“ Er nennt die Stichworte Barrierefreiheit – es gibt nun einen Lift – sowie Brandschutz. Dazu kommt die energetische Ertüchtigung des Gebäudes, die mit einem technischen Leckerbissen aufwarten kann. Eine Eisheizung. In einem Eisspeicher unter dem ehemaligen Rathaus-Parkplatz wird Wasser im Sommer mit Solarenergie erwärmt. Im Winter kann diese Wärme wieder abgerufen werden. Natürlich gibt es für den Spitzenbedarf eine zusätzliche Gasheizung.

Das Rathaus hat derzeit 65 Mitarbeiter, die im alten Rathausbau von 1772 sowie im Jahnschul-Anbau arbeiten. Ab Anfang April erfolgt der Umzug von Kämmerei, Kasse, Buchhaltung und Steuerstelle in den Neubau am Schloßplatz. Personal, Liegenschaften und das Referat für öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Verkehr bleiben bis Herbst an der Jahnstraße. Denn der Rathausumbau ist noch nicht ganz beendet.

Auch der von der Bausubstanz her eigentlich ganz ordentliche Altbau wird „aufgemöbelt“ und erhält neue Heizungen und EDV. Der Eingangsbereich wird ebenfalls umgestaltet und erhält innen einen Windfang. Der Bürger stößt künftig gleich dahinter auf einen mit Glas sehr offen gestalteten Empfangsraum. „Heute gibt es bloß ein Guckloch zur Poststelle“, sagt Forster. Für die Sanierungs- und Umbauzeit ziehen die Altbau-Mitarbeiter inklusive Bürgermeister kurzzeitig in den Neubau und im September/Oktober wieder zurück. Im Herbst, wenn alles fertig ist, wird es eine große Einweihungsfeier geben. Dann weiß man auch, was das Ganze gekostet hat. Bisher geht man von 8,5 Millionen Euro Baukosten aus. Das wird aber wohl nicht reichen, sagt Janker. Die gute Konjunktur hat zu Kostensteigerungen geführt. Es gab Massenmehrungen. Licht und Medientechnik wurden teurer. Auf rund 900 000 Euro schätzt Forster die Mehrkosten. „Aber jetzt muss 30 Jahre eine Ruh’ sein.“

Von der Architekturmischung ist die Rathausführung natürlich angetan. Und was sagt Claus Janßen vom Historischen Verein, ein aufmerksamer Beobachter der städtebaulichen Veränderungen, dazu? Er findet den Zwischenbau als Zäsur zwischen alt und neu „ganz gut“. Der Altbau stehe so im Vordergrund. Der Neubau gefällt ihm von der hellen Grundfarbe. Die blockartigen Querstreifen in den Fensterzonen „lassen ihn aber zu massiv wirken“. Gut sei, dass der Anbau ein echtes Dach habe. Dass es aufgebockt ist, sei zeitgenössische Architektur. Ganz wichtig ist Janßen noch etwas: „Es wurde kein denkmalgeschütztes Gebäude dafür abgerissen.“

Christoph Schnitzer

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