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Im Landkreis fehlen bis 2028 über 400 Pflegeplätze.

Seniorenpolitisches Gesamtkonzept 

Umdenken bei der Pflege nötig

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Der Landkreis wird einiges ändern müssen, um dem drohenden Mangel an Pflegeplätzen entgegenzuwirken. Das machte am Mittwoch die Vorstellung des „Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts“ im Kreistag deutlich.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Als mögliche Stellschraube wurde die Umgestaltung von Förderrichtlinien genannt. Über konkrete Schritte soll eine Arbeitsgruppe aus Experten aus den Kreistagsfraktionen beraten.

Die prekären Zahlen hatte Felicitas Wolf von der Fachstelle Senioren im Landratsamt kürzlich bereits im Sozialausschuss präsentiert (wir berichteten). Demnach steigt die Zahl der Senioren, die im Landkreis leben werden, bis 2035 im Vergleich zu 2015 sprunghaft an: um fast 42 Prozent. Wolf stellte klar, dass nicht alle Menschen über 65 automatisch auf Unterstützung angewiesen sind. Im Alter zwischen 65 und 69 liege die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu sein, bei lediglich 3 Prozent, zwischen 75 und 84 bei 14 Prozent, zwischen 85 und 89 bei 40 Prozent. Auf der anderen Seite stelle die Bevölkerungsgruppe ab 65 sogar ein großes „Hilfspotenzial“ dar, da sich viele ältere Bürger ehrenamtlich einbrächten. Unterm Strich bleibt dennoch festzuhalten: Mehr Senioren bedeuten einen steigenden Bedarf an Pflegemöglichkeiten, sei es stationär, in Tagesbetreuung oder ambulant.

Nun ist es nicht Aufgabe des Landkreises, Pflegeplätze zur Verfügung zu stellen – wohl aber, darauf hinzuwirken, dass die Bürger entsprechend versorgt sind. Das kann der Landkreis tun, indem er Fördergelder für die Schaffung von Pflegeangeboten bezahlt. Hier regte Wolf den ein oder anderen Paradigmenwechsel an. „Wir brauchen kreative, innovative Wege“, sagte sie.

Dabei bezog sie sich etwa auf das Thema Kurzzeitpflegeplätze. Kurzzeitpflege ist eine wichtige Entlastung für pflegende Angehörige, die mit dieser Hilfe zum Beispiel einmal in Urlaub fahren können. Und im Landkreis werden laut Wolf immerhin 66 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Für die Kurzzeitpflege ist aktuell aber kein einziger Platz dauerhaft reserviert. „Die vorhandenen Plätze sind eingestreut, das heißt, sie können belegt werden, wenn in einem Pflegeheim gerade ein Platz frei ist.“ Um gegenzusteuern, so ein Vorschlag aus der Fachstelle Seniorenplanung, könnte der Landkreis den Einrichtungen „Freihaltegebühren“ bezahlen – also eine Art „Ausfallpauschale“ für die Zeiten, in denen gesonderte Kurzzeitpflegeplätze nicht belegt sind.

Ein Umsteuern schlägt die Fachstelle auch bei der Tagespflege vor. Hier hat man bis 2028 einen Fehlbedarf von 70 Plätzen im Landkreis errechnet. Aktuell gibt es ganze zwölf Plätze. Bislang bezuschusst der Landkreis Baukosten zur Schaffung von Tages- beziehungsweise Nachtpflege-Angeboten. „Das ist nicht ganz so zielführend“, konstatierte Wolf. Denn weniger als die Bauherren gelte es, die Betreiber von Pflegeeinrichtungen zu motivieren. Diese könne der Landkreis in der Anfangsphase durch monatliche Zahlungen pro Platz unterstützen.

Zunächst erstaunlich klingt die Anregung, mit der die Fachstelle den Bau von Einrichtungen mit vollstationären Pflegeplätzen forcieren will. Davon herrsche bis 2028 rechnerisch ein Bedarf an 468 Plätzen. Kurz- bis mittelfristig sind im Landkreis zwar einige Neu- und Umbauten geplant, etwa in Schlehdorf, Lenggries, Bad Tölz (Josefistift) und Wolfratshausen (AWO). „Aber es entsteht kein neuer Platz wegen unserer Förderung“, so Wolf. Beschließe der Landkreis dagegen einen Ausstieg aus der Förderung im Jahr 2020 „könnte das einen Anschub geben, zeitnah noch vorher weitere Plätze zu schaffen.“

Neben der Pflege thematisiert das Konzept noch weitere „Baustellen“: etwa die Barrierefreiheit, die Nahversorgung, die „alternativen Wohnformen“, die sich laut Wolf im Vergleich zu anderen Landkreises hier erst langsam entwickeln, oder die Frage, ob im Landkreis ein Hospiz eingerichtet werden sollte.

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