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Wie viel Medienkontakt vertragen Kinder? Katrin Strobl vom Kindergarten Heilige Familie hat darüber ihre Facharbeit geschrieben.

Mediennutzung

Kinder kennen unheimlich viele Sendungen

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Bad Tölz - Für ihre Facharbeit hat Katrin Strobl, Erzieherin im Anerkennungsjahr, im Tölzer Kindergarten Heilige Familie die Mediennutzung der Mädchen und Buben unter die Lupe genommen.

„Das ist eine Maschine, die Köpfe abschneiden kann.“ „Und der hier kämpft mit einer Pistole.“ So erklärten zwei Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren ihre Zeichnungen, die sie im Kindergarten Heilige Familie in Bad Tölz angefertigt hatten. Katrin Strobl, der die Kinder diese Botschaft mitteilten, wurde stutzig. Woher sie denn solche Bilder kennen, wollte die 24-jährige Erzieherin im Anerkennungsjahr wissen. Die beiden Buben nannten verschiedene Fernsehserien, Cartoons zwar, die aber ganz offensichtlich nicht für Kinder geeignet sind. Für Strobl war dies der Grund, sich intensiver mit dem Thema Kinder und digitale Medien auseinander zu setzen. Sie wählte es für ihre Facharbeit. „Ich wollte die beiden Seiten aufzeigen: Zum einen, den Umgang mit den Medien lernen, zum anderen auch die Grenzen“, sagt Strobl. Medienerziehung im Elementarbereich sei noch nicht in den Fokus gerückt. „Aber es sind so viele Medien auf dem Markt, und es wird sich weiterentwickeln.“

Um einen ganz subjektiven Einblick in die Mediennutzung der Kinder an ihrer Einrichtung zu bekommen, bat sie die Eltern, einen Fragebogen auszufüllen. Das Ergebnis der nicht repräsentativen Umfrage, an der sich 65 Prozent der Eltern beteiligten: 60 Prozent der Kinder haben täglich Kontakt mit digitalen Medien. Die meisten haben Zugang zu einem Fernseher und dürfen zwischen einer halben und einer Stunde Sendungen schauen. Immerhin: 71 Prozent der befragten Eltern gaben an, dass das Kind nur in Begleitung fernsehen dürfe. Ein Drittel der Kinder hat Zugang zu einem Handy – ein eigenes besitzt aber keines. Selber Fernseher oder Computer einschalten darf fast keines der Kleinen: 95 Prozent müssen vor der Nutzung um Erlaubnis fragen.

„Der interessanteste Punkt für mich war, wie viele verschiedene Sendungen die Kinder anschauen“, sagt Strobl. Auf die Frage nach den Lieblingssendungen kamen etwa 50 verschiedene Nennungen. „Es ist irrsinnig, wie viele es gibt. Und das sind nur diejenigen, die die Kinder am liebsten mögen.“ Ein Elternteil gab an, dass das Kind Sendungen mit „Waffen und Kämpfen“ bevorzuge.

Daher ist die Rolle der Erwachsenen von so großer Bedeutung. „Wichtig ist, dass sie nach geeigneten Medien suchen“, sagt Strobl. Fernsehsendungen mit schnell wechselnden Bildern könnten kleine Kinder nur schwer verarbeiten. Aktuelle Nachrichtensendungen sind aufgrund der Inhalte ebenfalls noch nichts für Kindergartenkinder. Im Internet ist der Datenschutz nicht gewährleistet, und es strotzt vor Werbung. Eltern sollten daher öfter analoge Alternativen anbieten. Strobl: „Einfach mal ein Buch vorlesen oder gemeinsam in eine Bücherei gehen.“

Ein Medienkonsum von über drei Stunden am Tag gilt als übermäßig. Bei der Umfrage im Kindergarten Heilige Familie gab kein Elternteil an, dass sein Kind übermäßig Medien nutzt. Wer das Gefühl hat, sein Kind ist nicht mehr von Fernseher oder Internet zu trennen, sollte nicht zögern, die verschiedenen Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

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