Franz Mettal (†)
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Franz Mettal ist im Alter von 66 Jahren gestorben

Ehemaliger Grünen-Stadtrat gestorben

Unangepasster Zeitgenosse und ein leidenschaftlicher Kämpfer: Trauer um den Tölzer Franz Mettal

Der ehemalige Tölzer Grünen-Stadtrat Franz Mettal ist überraschend mit 66 Jahren gestorben. Er erlag am vergangenen Donnerstag einem Herzanfall.

Bad Tölz – „Und dann und wann ein Büffischrei“, ist der Titel einer bemerkenswerten Lyriksammlung, der von der Tölzer Dichterin Inge Mettal postum 2002 herausgegeben wurde. Der auffallende Titel bezog sich, wie sie selbst humorvoll geschrieben hatte, auf ihr Temperament. Man darf getrost sagen, dass sie dieses Büffel-Temperament auch an ihren Sohn Franz weitervererbt hat.

Einer, der, wenn ihm danach war, eine ganze Büffelherde in Bewegung setzen konnte. Immer mit offenen Visier. Gegen jedwelchen Feind. Ohne Rücksicht auf sich selbst. Am vergangenen Donnerstag ist Franz Mettal überraschend einem Herzanfall erlegen. Er wurde 66 Jahre alt.

Wenn er von etwas überzeugt war, stritt er dafür notfalls auch gegen die eigene Fraktion

Die Natur und ihr Erhalt waren Themen, für die der gelernte Forstdiplomwirt brannte und die ihn 2008 auch in die Politik verschlugen. Er trat – natürlich – für die Grünen an. Und weil unangepasste Zeitgenossen, Überzeugungstäter und leidenschaftliche Kämpfer heutzutage selten gesät sind, wurde er von einem hinteren Listenplatz in den Stadtrat hineingewählt. „Ich nehme“, hatte er vor der Wahl versprochen, „auch kein grünes Blatt vor den Mund“, und daran hielt er sich.

Wenn er von etwas überzeugt war, dann stritt er dafür notfalls auch gegen die eigene Fraktion, wie sich der langjährige Grünen-Sprecher Franz Mayer erinnert. Aber er berichtet auch davon, dass Mettal ein aufmerksamer, zugewandter und liebenswerter Zeitgenosse gewesen sei. Kompromiss aber war seine Sache nicht. So war es logisch, dass er sich nach sechs Jahren Ringens um Einvernehmen aus der Politik zurückzog. Man habe sich aber immer wieder, etwa jüngst über die Energieerzeugung fürs Wohngebiet Hintersberg, ausgetauscht, sagt Mayer.

Einzigartige Ausstellung über das Skispringen im Oberland kreiert

Wenn er was machte, dann richtig. Der Autor dieser Zeilen hat das engagierte Alpenvereinsmitglied Mettal einmal zufällig bei einer Aufforstaktion am Blomberg mit Jugendlichen erlebt. Die Botschaft der Natur wusste er beredt und leidenschaftlich zu transportieren. Die Kids machten begeistert mit. Etwas bewegt hat Franz Mettal auch, als er 2019, weil ihn das Thema einfach interessierte, eine einzigartige Ausstellung über das Skispringen im Oberland kreierte und im Landratsamt zeigte. 33 Schanzen machte Mettal südlich von München ausfindig, beschrieb sie detailliert und zeigte mit faszinierenden historischen Fotos, welch angesagter Sport Skispringen hierzulande einmal war. Damit nicht genug. Zur Ausstellungseröffnung lud er die besten Springer jener Zeit aus dem ganzen Oberland nach Tölz ein. Die sahen sich zum Teil nach 40 Jahren das erste Mal wieder und erzählten, von Mettal geschickt angestupst, die schönsten Anekdoten. Das Publikum war hingerissen. Klar, dass die Ausstellung für Furore sorgte und auch der Bayerische Rundfunk mehrfach berichtete.

Vor drei Wochen hat der Autor Franz Mettal gebeten, für sein nächstes Buch gelegentlich einen Beitrag über die Sprungschanzen des Isarwinkels zu schreiben. Franz Mettal sagte nicht nur sofort zu, sondern lieferte lange vor Termin am Mittwoch vergangener Woche. Auf eine erstaunte Rückfrage kam nachmittags per Mail ein „Passt scho“ mit einem Lächel-Zeichen. Am Tag darauf starb er. Als hätte er etwas geahnt und wollte seine Pflicht noch erledigen. Danke dafür! Christoph Schnitzer

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