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Den Kamelen im Circus Renz steht außerhalb der Vorstellungen ein Freilauf zur Verfügung.

Hitzige Debatte

Unbekannte beschmieren Friedhofsmauer und fordern: „Tiere raus aus dem Zirkus“

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Tierquälerei oder harmlose Kunststücke? Am Thema Tiere im Zirkus scheiden sich die Geister. Das bekommt auch der Circus Renz zu spüren, der noch bis Sonntag in Bad Tölz gastiert.

Bad Tölz– Der rote Schriftzug nahm einen Großteil der Friedhofsmauer ein. „Tiere raus aus dem Zirkus“, stand dort bis Donnerstagmorgen in Großbuchstaben zu lesen. Die Botschaft dürfte an den Circus Renz gerichtet gewesen sein, der direkt gegenüber an der Bairawieser Straße seine Zelte aufgeschlagen hat.

Solche Anfeindungen kommen immer wieder vor, sagt Circus-Chefin Angela Renz. Verstehen kann sie die Kritik nicht. Den zehn Pferden, vier Kamelen und der Boa Constrictor gehe es gut, ebenso den vier Hunden. „Sie sind wie Familienmitglieder.“

In eine Manege gehören die Tiere trotzdem nicht, findet Anja Schultze. Die Piesenkamerin plädiert für ein Verbot von Tieren im Zirkus in Deutschland. So, wie es vor wenigen Monaten die EU-Länder Italien und Irland beschlossen haben. Diese Meinung vertritt die 36-Jährige mit Nachdruck auf der Facebook-Seite des Tölzer Kurier. Dort hatte die Ankündigung, dass der Circus Renz noch bis Sonntag in Bad Tölz gastiert, zu einer hitzigen Debatte zwischen Tierschützern und Zirkusfans geführt. Wie den anderen geht es Anja Schultze aber nicht speziell um den Circus Renz. „Weit über tausend Tiere werden Woche für Woche in engen Boxen durch Deutschland gekarrt und mit der Peitsche dressiert“, sagt Schultze. „Das ist nicht artgerecht.“ Viel litten deshalb unter Verhaltensstörungen, stürben viel zu früh. „Pfui Teufel, sag’ ich nur!“

Solche Argumente lässt Angela Renz nicht gelten: Keines ihrer Tiere lebe irgendwo eingepfercht. Außerhalb der Vorstellungen stünde ihnen ein großer Freilauf zur Verfügung. „Wir versuchen auch, die Transportwege so kurz wie möglich zu halten. Und wir beschäftigen uns mit den Tieren.“

Das Tölzer Veterinäramt hatte bei der Routine-Kontrolle des Circus Renz nichts zu beanstanden, sagt Marlis Peischer, Sprecherin am Landratsamt. „Der Ernährungszustand der Tiere ist in Ordnung, die Hufpflege wird durchgeführt.“ Trotzdem wird Anja Schultze nicht in den Circus Renz gehen – auch, wenn ihr siebenjähriger Sohn durchaus Interesse bekundet hatte. Nachdem ihm seine Mutter erklärte, dass Pferde nicht auf zwei Beinen laufen sollten und der Alltag von Zirkustieren unter Umständen von Gewalt und Zwang geprägt sei, war das Thema erledigt. „Er hat das verstanden.“

Nach Angaben von Pressesprecherin Birte Otterbach hat die Stadt Bad Tölz wegen der Schmierereien an der Friedhofsmauer keine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Der Schriftzug wurde bereits übermalt.

Lesen Sie auch:Circus Renz gastiert in Bad Tölz

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