Begeisterten das Publikum: die Unterbiberger Hofmusik um Franz Josef Himpsl (Mitte). Mehrere Gastmusiker rundeten das Programm ab. Foto: bib

Die "Unterbiberger Hofmusik" im "Gasthaus" in Tölz:

Der Rhythmus, bei dem man mit muss

Bad Tölz – Sie zogen vom Kurhaus ins „Gasthaus“ um, weil sie (noch) nicht sehr vielen Tölzern bekannt sind. Beim nächsten Auftritt in Bad Tölz wird das sicher anders sein.

Die acht Musiker der Unterbiberger Hofmusik begeisterten am Gründonnerstag die Zuhörer mit ihrem furiosen bayerisch-orientalischen Musikabend „Bavaturka“.

Die Musiker kommen auch im Film „Bavaria Vista Club“ vor, der verschiedene Bands aus Oberbayern porträtiert. Aber dort kommen sie eindeutig zu wenig zur Geltung. Familie Himpsl und ihre Gastmusiker muss man erleben. Alle sind durch die Bank ausgebildete Musiker. Oberhaupt Franz Josef Himpsl spielte kurzzeitig bei den Münchner Philharmonikern, seine Frau Irene und die zwei Söhne Xaver Maria und Ludwig (Wiggerl) Maximilian wurden an der Münchner und Würzburger Musikhochschule ausgebildet, der Jüngste, Franz junior, spielt mit 13 Jahren bereits virtuos Horn.

Gäste an diesem Abend waren Mathias Götz, der Jazzposaune am Richard- Strauss-Konservatorium studierte, Konrad Sepp, der mit Meisterklassendiplom im Hauptfach Tuba an der Münchner Musikhochschule abschloss und bei der CD „The Heimatdamisch“ von Florian Rein mitspielt, sowie Bekir Cetinkaya, ausgebildet an einer türkischen Musikhochschule.

Diese geballte Musikprofessionalität mischte nun Polkas, Zwiefache und sogar einen Choral von Bach mit Jazz und türkischen Volksweisen. Es war ein Abend voller Rhythmus und neuartiger Klänge. Das Publikum war bereits nach den ersten Stücken restlos begeistert. Götz (Posaune) und Wiggerl Himpsl (Schlagzeug) machten auf einmalige Art deutlich, dass Jazz alle Musikstile miteinander verbinden kann. Dreimal sang Cetinkaya allein orientalische Lieder mit der Saz, einer Langhalslaute, die vom Balkan bis Afghanistan verbreitet ist. Er verlieh dem Abend die außergewöhnlichste Note.

Himpsl konnte zu allen Stücken Reisegeschichten der Unterbiberger Hofmusik erzählen. So stammte ein Lied Cetinkayas von einem kurdischen Musiker, „der bestimmt schon 50-mal eingesperrt war und jedesmal mit einem neuen Lied aus dem Gefängnis rauskam“, so der Hofmusikleiter. Muslime versetze er immer wieder in ungläubiges Staunen, wenn er berichte, dass Bier in Bayern gebraut wurde, um den „Ramadan“ zu überstehen.

Zweimal spielten die Unterbiberger schon beim Bundespräsidenten. Nach einem Lied mit türkischem und niederbayerischem Text – „nur wega dir bin i hi“ – hätten die Berliner alles für Türkisch gehalten. Bevor aber Diskussionen über das Niederbayerische entstanden, ließen die Musiker das Publikum selber singen – auf Türkisch, für die meisten Zuhörer sicherlich zum ersten Mal in ihrem Leben. Vorsänger Franz junior hielt dazu die Worte auf Pappkarton in die Höhe.

Zum nächsten Konzert in Bad Tölz wünscht sich Himpsl, dass jeder einen türkischen Freund mitbringt: „Dann klappt das auch mit dem Tanzen.“ Die Unterbiberger waren vergangenes Jahr in der Türkei und in Moskau. Im September reisen sie nach Indien. Welche Musik sie von dort wieder nach Hause bringen, darauf kann man sich freuen. (bib)

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