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Schule unter veränderten Voraussetzungen: Lehrerin Claudia Kohl mit ihren Viertklässlern der Grundschule Reichersbeuern.  

Viertklässler zurück an der Schule

Unterricht hinter Plexiglas: Wenn Abstandsregeln auf dem Stundenplan stehen

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Seit einer Woche gehen die Viertklässler wieder in die Schule. Viele Kinder waren anfangs verunsichert. Inzwischen aber kehrt eine neue Form von Normalität ein – zu der einiges gehört, was vor Corona undenkbar gewesen wäre.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Unterricht ist wieder ein bisschen wie anno dazumal: Der Lehrer steht vorn an der Tafel und erklärt, die Kinder lauschen passiv. Vorbei die Zeiten, in denen sich die Mädchen und Buben in Partner- oder Gruppenarbeit den Stoff selbst erarbeitet haben. Singen und Sport stehen ebenfalls nicht mehr auf dem Stundenplan, dafür Abstandsregeln und Maskenpflicht. „Es ist anders“, sagt Heidi Dodenhöft, Schulleiterin der Grundschule Reichersbeuern. „Aber wir haben das Gefühl, dass es möglich ist.“

Schüler haben sich der Situation schnell angepasst

Zumindest eine Zeitlang. Das ist auch der Flexibilität der Kinder zu verdanken, glaubt Dodenhöft. Die 60-Jährige zeigt sich überrascht, wie schnell sich die Schüler der Situation angepasst haben – auch, wenn die Stimmung anfangs etwas gedrückt gewesen sei. „Sie wussten nicht: Was kommt auf uns zu“, sagt Dodenhöft. Inzwischen aber hätten sich die Kinder einigermaßen daran gewöhnt, dass ihre Lehrer mitunter eine mobile Plexiglasscheibe aufstellen, wenn sie an ihren Platz kommen, um etwas zu erklären.

Auch in der Grundschule am Lettenholz in Bad Tölz geht es distanzierter zu als vor der Pandemie. „Das ist schon noch irritierend – für Schüler und Lehrer“, sagt Leiterin Bärbel Weixner. In den ersten beiden Tagen nach der Corona-Zwangspause seien die Kinder deutlich zurückhaltender als sonst gewesen. „Aber inzwischen merken wir, dass wieder etwas Normalität einkehrt.“

Unterricht beginnt zu unterschiedlichen Zeiten

Wie an der Grundschule Reichersbeuern wurden die beiden vierten Klassen in vier Gruppen aufgeteilt. Sie beginnen zu verschiedenen Uhrzeiten mit dem Unterricht: Um 7.55 Uhr und um 8.40 Uhr. Und wie die Kinder in Reichersbeuern sind auch in der Lettenholzschule die Buben und Mädchen froh, wieder in die Schule gehen zu können – auch, wenn es nur zweieinhalb Stunden pro Tag sind. Lediglich zwei bis drei Kinder behalten laut Bärbel Weixner auch im Unterricht ihren Mund-Nasenschutz auf. Am Platz dürfen die Schüler die Masken abnehmen.

Diesen Kindern kommt hoffentlich entgegen, dass die Pädagogen am Lettenholz schon bald Gesichtsvisiere tragen werden. „Das ist auch für die Lehrer angenehmer“, glaubt Weixner. Die Stadt Bad Tölz stellt die durchsichtigen Plexiglasscheiben mit Haltevorrichtung den Schulen, die sie haben wollen, zur Verfügung. „Wir sind sehr dankbar“, sagt Weixner. Denn die Stadt ist dazu nicht verpflichtet. Schutzkleidung müsste als Arbeitgeber eigentlich der Freistaat Bayern stellen.

Rektorin: „Man kann ja nicht ständig Panik verbreiten.“

Mit Galgenhumor begegnet Christine Janning der aktuellen Situation. „Zumindest einen positiven Effekt hat das Ganze: Die Kinder können nicht mehr ratschen, und die Lehrer bringen den Stoff gut durch“, scherzt die Rektorin der Jahnschule Bad Tölz. Insgesamt aber sei die Situation natürlich nicht befriedigend. Gerade die Grundschule lebe von der Lehrer-Schüler-Beziehung. Und: „Diese strikte Reglementierung widerspricht der Natur des Kindes“, sagt Janning mit Blick auf das Kommunikationsverhalten der Kleinen und ihrem Spieltrieb. Die Viertklässler gingen zwar mit den Abstands- und Hygienevorschriften recht diszipliniert um. „Spannend wird es aber, wenn die Erstklässler kommen.“

Das sieht Heidi Dodenhöft ähnlich. Wie Janning – und wohl die meisten Pädagogen – setzt sie nicht auf Schimpftiraden, wenn die Kinder sich zum Beispiel einmal zu nahe kommen. „Man kann ja nicht ständig Panik verbreiten.“ Viel besser sei es, die Buben und Mädchen ruhig darauf hinzuweisen, wieder mehr Abstand zu halten. Distanziertheit als lobenswertes Sozialverhalten – vor Corona undenkbar.

Der Übertritt und die Angst, Stoff zu verpassen, treibt Eltern und Schüler der vierten Klassen aktuell offenbar nicht so sehr um – zumindest sehen das die befragten Schulleiter so. Nur eine Handvoll strebt ihnen zufolge den Probeunterricht an. Manche aber beklagten, es sei ein verlorenes Schuljahr. Das sieht Heidi Dodenhöft anders. Aus ihrer Sicht lernen die Kinder andere Dinge. Mehr Selbstständigkeit beim Homeschooling zum Beispiel. Und auch den Umgang mit digitalen Medien. „Es ist kein verlorenes, nur ein anderes Schuljahr.“

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