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Unterwegs auf den Kreisstraßen: Ausschuss informiert sich über Sanierungsarbeiten

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Die Greilinger Ortsdurchfahrt (Töl 12) soll im kommenden Jahr saniert werden. 2023 steht dann die Durchfahrt in Reichersbeuern an.
Die Greilinger Ortsdurchfahrt (Töl 12) soll im kommenden Jahr saniert werden. 2023 steht dann die Durchfahrt in Reichersbeuern an. © Pröhl

Bus statt Sitzungssaal – das stand für die Mitglieder des Kreis-Infrastrukturausschusses auf der Tagesordnung. Gemeinsam mit Vertretern des Landratsamts und des Staatlichen Bauamts Weilheim wurden die Kreisstraßen abgefahren. Dabei ging es um laufende oder anstehende Arbeiten.

Bad Tölz-Wolfratshausen - 24 Kreisstraßen gibt es zwischen Icking und der Landesgrenze bei Hinterriß. Bereits Ende der 1950er-Jahre hat der Landkreis die Verwaltung dafür dem Staatlichen Bauamt in Weilheim übertragen, das sich um Planungen von Bau- und Unterhaltsmaßnahmen kümmert. Der Landkreis verfügt auch nicht über einen eigenen Bauhof, sondern unterhält gemeinsam mit dem Bauamt zwei Straßenmeistereien in Bad Tölz und Wolfratshausen. „Wir stellen acht Mitarbeiter, beschaffen die nötigen Maschinen und erstatten die Kosten für den Straßenunterhalt“, erklärte Katharina Mair aus der Kreiskämmerei den Ausschussmitgliedern. Der Kreis selbst kümmert sich unter anderem um die Budgetplanungen und führt die nötigen Grundstücksverhandlungen für Straßenprojekte.

Töl 12

Die Rundreise durch den Landkreis begann in Greiling und Reichersbeuern. Dort steht die Sanierung der Ortsdurchfahrten (Töl 12) auf dem Programm. „Wir haben damit noch gewartet, weil die Gemeinden diverse Leitungsverlegungen geplant haben“, sagte Stefan Vogt vom Staatlichen Bauamt. Greiling sei damit fast fertig, daher wird dort die 1,5 Kilometer lange Ortsdurchfahrt 2022 angegangen. Ein Jahr später sollen dann die 1,3 Kilometer der Töl 12 in Reichersbeuern folgen. Kostenpunkt: rund zwei Millionen Euro. Beide Abschnitte sind rot in der Karte des Bauamts eingezeichnet, das heißt, der Zustand ist schlecht.

Töl 13

Ein Stück weiter – auf der Töl 13 nördlich von Reichersbeuern – wird bereits gearbeitet. Der Abschnitt nördlich des Bahnübergangs ist so gut wie fertig. „Hier wurde die Fahrbahn auf sechs Meter verbreitert, nächste Woche erfolgt der abschließende Deckenbau“, so Vogt. Südlich der Bahn – dort wird nächstes Jahr gebaut – ist diese Verbreiterung nicht möglich, dort gehe es um eine reine Bestandserhaltung. Investiert werden insgesamt 800 000 Euro.

Töl 10

In keinem guten Zustand ist die Töl 10 östlich von Sachsenkam. „Außerorts bräuchten Kreisstraßen eigentlich eine Breite von sechs Metern. Das haben wir hier bei Weitem nicht“, erläuterte Martin Herda, Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt. Allerdings seien auf dem Streckenabschnitt auch nur 1030 Fahrzeuge pro Tag unterwegs. Wann die schrittweise Sanierung der 5,7 Kilometer langen Strecke mit geschätzten Kosten von vier Millionen Euro daher angegangen wird, ist offen.

Töl 14

Noch einmal deutlich weniger Verkehr gibt es auf der Töl 14 östlich von Obermühltal. Gerade einmal 310 Fahrzeuge pro Tag sind dort unterwegs. Der Zustand ist schlecht, es gebe keine Bankette und keine Straßenentwässerung. 3,5 Millionen Euro müssten in die fünf Kilometer lange Strecke investiert werden, „die die Merkmale einer Kreisstraße aber eigentlich nicht erfüllt“, sagte Mair. Damit ist die Töl 14 nicht allein. „Nur die Hälfte der Kreisstraßen erfüllt ihre eigentliche Funktion“, sagte Herda. Man habe mit der Gemeinde Dietramszell schon einmal über eine Abstufung zur Gemeindestraße gesprochen, „aber das ist nicht so gut angekommen“, sagte Mair. Kein Wunder, wer möchte schon eine unsanierte Straße in seine Verantwortung übernehmen? Weitere Schwierigkeit: „Ich kann es nicht erklären, aber zum Teil verläuft die Straße auf Privatgrund“, sagte Mair.

Töl 6

Noch weniger los als auf der Töl 14 ist auf der Töl 6 östlich von Schönrain. 136 Fahrzeuge sind dort am Tag unterwegs. „Auch hier kann man den Status als Kreisstraße hinterfragen“, sagte Vogt. Einen Sanierungsbedarf in Höhe von 1,6 Millionen Euro gebe es hier.

Töl 23

Schlecht ist auch der Zustand der Töl 23 nördlich von Peretshofen. Auf 1,5 Kilometern Länge müssten der Oberbau verstärkt und Bankette befestigt werden. 1,1 Millionen Euro werden dafür an Baukosten geschätzt. Zeitlich terminiert ist die Maßnahme bislang nicht.

Töl 9

Das gilt auch für die Töl 9 westlich von Steingau. „Die hat aber eine gute Ausbaubreite“, sagte Herda. Die geschätzten Kosten für Oberbauverstärkung, Deckenbau und befestigte Bankette: rund 1,4 Millionen Euro.

Töl 21

Einen kurzen Zwischenstopp legte die Gruppe an der Töl 21 bei Ergertshausen ein. Hier ging es weniger um die Fahrbahn als vielmehr um den Radweg. „Das hier ist ein Paradebeispiel dafür, dass der Radwegbau oft an Grundstücksverhandlungen scheitert“, sagte Kreiskämmerer Ralf Zimmermann. Tatsächlich fehlen dort nur wenige 100 Meter zwischen Ort und dem straßenbegleitenden Weg an der Staatsstraße 2070. Seit Jahren verhandle man mit dem Grundstückseigentümer, sagte Landrat Josef Niedermaier. Hier hatte Mair nun aber positive Nachrichten. Der Notartermin stehe zwar noch aus. „Die Zustimmungserklärung haben wir aber schon.“ Der Plan, so Herda, sei nun, „den Radweg definitiv 2022 zu bauen“.

Töl 19

Länger dauern wird es bei der Erneuerung der Fahrbahn der Töl 19, die an der Landkreisgrenze zu Schäftlarn liegt. Hier wolle die Deutsche Bahn den derzeit höhengleichen Bahnübergang der S7 beseitigen. Das Jahr 2027 ist dafür angepeilt. Auch hier gab es gute Nachrichten für den Landkreis. „Bis vor einem Jahr wäre der an den Kosten noch beteiligt worden“, sagte Vogt. Das ist nun nicht mehr der Fall. Für die Sanierung der 3,4 Kilometer langen Kreisstraße werden dennoch 2,4 Millionen Euro veranschlagt.

Töl 2

Die am schwächsten befahrene Kreisstraße im Landkreis ist die Töl 2. Der Grund: „Sie ist gesperrt, und die Gemeinde Münsing erhebt dafür eine Benutzungsgebühr“, sagte Niedermaier. Tatsächlich braucht man einen Berechtigungsschein, um die äußerst schmale Seeufer-Straße vorbei an imposanten Villen zu befahren. Auch hier habe es seit Jahrzehnten Gespräche mit den Münsinger Bürgermeistern gegeben, um die Straße an die Gemeinde zu übertragen, sagte Niedermaier. „Das ist eine reine Erschließungsstraße.“ Bislang waren die Verhandlungen freilich ohne Ergebnis. Die Grundstücksverhältnisse sind auch dort schwierig. Die Straße verläuft zum Teil auf Privatgrund, dafür stehen an anderer Stelle die Hecken auf öffentlichem Grund. Das zu bereinigen sei kaum möglich, sagte Mair. Gehe es um die Abtretung von Grund, „bezahlen wir zehn Euro pro Quadratmeter“. Das seien natürlich nicht die Preise, die am Seeufer aufgerufen werden.

Auch so kann eine Kreisstraße aussehen: Die Töl 2 am Seeufer in Münsing ist für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Auch deshalb möchte sie der Landkreis in die Verantwortung der Gemeinde abgeben.
Auch so kann eine Kreisstraße aussehen: Die Töl 2 am Seeufer in Münsing ist für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Auch deshalb möchte sie der Landkreis in die Verantwortung der Gemeinde abgeben. © Hermdorf-Hiß

Töl 20

Erledigt ist der Ausbau der Töl 20 in Münsing beziehungsweise Degerndorf. „Die war sehr kaputt, sehr schmal und sehr ausgefahren“, sagte Vogt. „Zudem stand das Wasser in den Wiesen wegen der fehlenden Straßenentwässerung.“ Bereits 2014 begann der Grunderwerb. Der Ausbau fand dann 2019 und 2020 statt. Erfreulich haben sich die Kosten entwickelt: 3,25 Millionen Euro waren veranschlagt, momentan liegt man bei 2,6 Millionen.

Töl 7

Ähnlich ist die Entwicklung bei der Töl 7. Dort wurden 2020 und 2021 auf Höhe des Tölzer Stausees unter anderem Setzungen umfassend saniert. Die Maßnahme wurde gerade abgeschlossen. Statt 2,36 Millionen Euro wird das Projekt voraussichtlich nur 2,6 Millionen kosten.

Töl 5

Ein ewiges Thema ist der geplante Radwegbau an der Töl 5 von Heilbrunn in Richtung Penzberg. Hier werden zwei Varianten nördlich und südliche der Kreisstraße untersucht. Dort gibt es allerdings Schwierigkeiten mit einem denkmalgeschützten Stadl beziehungsweise liegen die Trassen im FFH- und Überschwemmungsgebiet. Neu ins Gespräch gebracht hat nun Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber eine Variante, die schon früh die Loisach queren und dann vor allem auf Penzberger Flur verlaufen würde. Es habe schon Gespräche mit der Stadt Penzberg gegeben, aber noch keine mit den betroffenen Grundeigentümern, sagte Mair. So lange wolle man sich bedeckt halten.

Nach den starken Regenfällen im Sommer musste das Ufer des Rißbachs gesichert werden, der der Töl 24 bedrohlich nahe gekommen war. 
Nach den starken Regenfällen im Sommer musste das Ufer des Rißbachs gesichert werden, der der Töl 24 bedrohlich nahe gekommen war.  © Archiv

Töl 24

Um auch noch die Töl 24 anzufahren, fehlte am Montag die Zeit. Sie führt von Vorderriß in die Eng. Nach den Starkregenfällen im Juli war der Rißbach der Straße gefährlich nahe gekommen. Momentan trennt nur noch ein ein Meter breiter Streifen die Fahrbahn vom Steilufer. Als Sofortmaßnahme wurden Wasserbausteine zur Befestigung des Ufers eingebracht. Geplant war nun eigentlich eine ordentliche Uferverbauung, um die Standsicherheit der Kreisstraße zu gewährleisten. „Allerdings fordert der Naturschutz nun eine Alternativprüfung“, sagte Herda. Untersucht werden soll die Verlegung der Straße auf 600 bis 800 Metern Länge, um dem Rißbach Platz zu geben.

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