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Im Probeunterricht können Kinder diese Woche zeigen, dass sie für Gymnasium oder Realschule geeignet sind, auch wenn ihr Notenschnitt nicht reicht.

Viertklässler vor dem Übertritt

Unverkrampft in den Probeunterricht

Bad Tölz-Wolfratshausen - Diese Woche klopfen die Herzen mancher Viertklässler im Landkreis laut: Sie begeben sich in den Probeunterricht an Realschule oder Gymnasium, wenn sie den Notendurchschnitt nicht erreicht haben. Die Prüfungen haben es in sich.

2,3 fürs Gymnasium und 2,6 für die Realschule: An diesen Durchschnittsnoten scheiden sich die vierten Grundschulklassen. Vor den Pfingstferien gab’s die Übertrittszeugnisse. Diejenigen, die den nötigen Schnitt für die angestrebte Schule verfehlt haben, haben seit Montag im Probeunterricht eine weitere Chance.

Immer wieder berichten Medien, dass Eltern sogar Rechtsanwälte einschalten, um die passenden Noten für ihr Kind durchzusetzen. „Gott sei Dank haben wir so etwas noch nicht erlebt“, sagt Grundschulleiterin Anneliese Berthold aus Reichersbeuern. Vereinzelt gebe es aber immer wieder Eltern, die „utopische Vorstellungen“ für ihre Kinder hätten.

Hohenburgs Gymnasialleiter Christoph Beck erlebt unter den Eltern aber keine Verkrampfung nach dem Motto „Mein Kind muss aufs Gymnasium“. „Das ist in der Stadt etwas anderes“, meint er. Das Gegenteil sei der Fall: „Rund die Hälfte der Realschüler könnte aufs Gymnasium gehen.“ Wichtig im Vorfeld seien die Gespräche mit den Eltern, sind sich Berthold und ihre Kollegin Ute Hübner aus Gaißach einig. „Immer wieder gehen Kinder in den Probeunterricht, das ist ja auch legitim“, so Hübner. „Wenn sie bestehen, umso schöner.“ Berthold sieht den Probeunterricht kritischer: „Das bedeutet schon Stress für die Kinder. Manche wollen unbedingt auf diese Schule, weil ihre Freunde dorthin gehen.“ Dem stimmt Beck zu: „Freunde sind ein wichtiger Faktor.“ Berthold versteht die Eltern sehr gut, die ihren Kindern einen guten Weg ebnen wollen. „Aber manchmal ist das höchste Schulziel, also das Gymnasium, nicht das beste für das Kind“, ist die Pädagogin überzeugt.

Am Tölzer Gymnasium besuchen heuer nur zwei Schüler den Probeunterricht, ebenso wenige sind es in Hohenburg. An der Tölzer Realschule sind es 13, an der kirchlichen Realschule St. Immaculata in Schlehdorf nehmen zwölf, an der Hohenburger Realschule zehn Schüler teil. Sie müssen in beiden Schularten Prüfungen in Mathematik und Deutsch bestehen.

„Erfahrungwerte zeigen, dass 50 Prozent der Teilnehmer den Probeunterricht bestehen“, sagt der Tölzer Gymnasiumsleiter Harald Vorleuter. Die übrigen zukünftigen Gymnasiasten, insgesamt 116, treten aufgrund ihrer guten Noten über. Für die Realschulen geben die Schulleiter keine genaue Erfolgszahl an. „Das fällt immer ganz unterschiedlich aus“, erklärt der Schlehdorfer Schulleiter Manfred Ilitz. „Die zentral gestellten Aufgaben sind nicht ganz ohne.“ Klaus Fortner, Leiter der Hohenburger Realschule, sagt: „Es können 20 oder auch 70 Prozent den Probeunterricht bestehen.“

Man könne nicht sagen, wer über den Probeunterricht an die Schule komme, sei generell eine schwache Schülerin. Ein Kind gehe vielleicht auch in den Probeunterricht, weil es in der vierten Klasse krank war, „und dann klappt das recht gut“. Seine Tölzer Kollegin Barbara Lottner hat die Entwicklung der Kinder im Auge und nennt manchen Probeschüler auch „Spätzünder“, der sein Potenzial erst später entwickle.

Die Schulleiter sind sich einig: Allein auf Druck der Eltern komme kein Kind zum Probeunterricht. „Ohne den Willen des Kindes hat es auch gar keinen Sinn“, sagt Lottner. Die eifrigen Schüler auf Probe tröstet Hübner: „Wenn sie den Probeunterricht nicht schaffen, dann geht die Welt nicht unter. Unser Schulsystem ist inzwischen so durchlässig, dass viele Wege offen stehen.“

Birgit Botzenhart

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