Mit einem großen Transporthubschrauber– Modell „CH 47 Chinook“ – werden die amerikanischen Paratroopers zum Absprung aus 1200 Metern Höhe geflogen.
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Mit einem großen Transporthubschrauber– Modell „CH 47 Chinook“ – werden die amerikanischen Paratroopers zum Absprung aus 1200 Metern Höhe geflogen.

Aktion zieht viele Schaulustige an

US Army kehrt nach Tölz zurück - aber nur zum Üben

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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30 Jahre nach Abzug der „Special Forces“ aus Bad Tölz kann man in der Region dieser Tage wieder amerikanischen Soldaten beim Üben zuschauen. Die US Army zieht mit einem Luftlandetraining in Greiling und Warngau die Blicke auf sich. Ihre Anwesenheit soll auch ein Zeichen alter Verbundenheit sein.

Bad Tölz/Warngau – Schwerelos und leicht sieht es aus, was man am Himmel sieht: Ein Dutzend Fallschirmspringer schwebt in Formation in eleganter Kurve durch die Luft, nähert sich in scharfem Winkel dem Boden, bis alle den Fall abbremsen und am Ende – nur leicht strauchelnd – innerhalb einer weniger als fußballfeldgroßen Fläche am Boden aufsetzen.

Was hier geprobt wird, ist allerdings alles andere als einfach und hat einen ernsten Hintergrund. „Es dauert Jahre, bis man dieses Level an Effizienz erreicht“, kommentiert am Boden Sean Foertsch (50). Er ist „Press Officer“ beim amerikanischen Militär und gibt heute Auskünfte zu der Übung, zu der die US Army aktuell im Oberland zu Gast ist. Es ist eine Gruppe von hochspezialisierten und erfahrenen „Paratroopers“, also Fallschirmjägern, die in der Region ein Luftlandetraining abhält und sich damit auf Einsätze in Krisengebieten in aller Welt vorbereitet. Gut 20 Männer sind mit dabei, die sonst in der Nähe von Stuttgart stationiert sind.

Schwere Ausrüstung

„Sie tragen alle einen Höhenmesser am Körper und öffnen in der richtigen Höhe selbst den Fallschirm“, erläutert Foertsch. Als die Soldaten bei der Landung leicht über den Boden rollen, erklärt der „Press Officer“ fast entschuldigend: „Die tragen eine Ausrüstung, die fast so viel wiegt wie sie selbst.“ Wobei das im Fall der muskelbepackten Kerle einiges sein dürfte.

Ergebnis langen Trainings: Im Oberland üben die US-Soldaten Fallschirmabsprung und punktgenaue Landung.

Unter den regelmäßigen Übungen, die die Spezialkräfte in verschiedenen Ländern absolvieren, ist die in und um Bad Tölz eine der kleineren, wie Foertsch erläutert. In den vergangenen Tagen übten die „Paratroopers“ meist vom Greilinger Flugplatz aus. Am Mittwoch hatten sie den Flugplatz in Warngau ausgewählt, weil hier, weiter im Westen, die Wolkendecke höher sei, erklärt Foertsch. Und es steht ein Absprung aus 4000 Fuß Höhe auf dem Trainingsprogramm, das sind etwa 1200 Meter.

Auf dem Flugplatz steigen die schwer beladenen Soldaten in den Bauch eines enormen tarnfarbenen Hubschraubers ein, eines „CH 47 Chinook“. Das ist ein zweimotoriger Transporthubschrauber mit zwei großen Rotoren auf dem Dach. Das Modell sieht im Prinzip noch genauso aus wie zu Zeiten des Vietnam-Krieges. Es wurde Anfang der 1960er-Jahre erstmals gebaut und wird – freilich weiterentwickelt – bis heute zum Transport von Truppen, Fahrzeugen, Geschützen und Material verwendet.

Ein Zeichen der Verbundenheit am Ärmel.

Am Rand des Flugplatzes bleiben etliche schaulustige Spaziergänger, Radler und Autofahrer stehen, viele zücken die Kameras. Ein Mitglied des Motorfliegerclubs schaut ebenfalls vorbei. „Für uns Flieger ist das ganz interessant“, sagt er. Gefragt habe den Verein keiner, das sei alles über die Behörden abgemacht worden. Die Soldaten hätten sich aber sehr nahbar gezeigt. „Gestern haben hier auf dem Fußballplatz nebenan Kinder trainiert, die durften in den Hubschrauber reinschauen“, berichtet er.

Besonderes Abzeichen für diese Übung

Interessiert und freundlich würden ihnen die Bürger vor Ort begegnen, sagt auch Foertsch. Er führt das auf die alte Verbundenheit der Region mit der US Army zurück. Deren „Special Forces“ waren jahrzehntelang in der Flintkaserne in Bad Tölz beheimatet. Der Army Officer der übenden Truppe sagt auch 30 Jahre nach dem Abzug: „Bad Tölz behält einen Platz in unseren Herzen. Wir haben unsere Wurzeln nicht vergessen und wollen mit der Übung hier diese Verbindung zelebrieren und unsere Dankbarkeit zu Ausdruck bringen.“ Foertsch erzählt von der Freundschaft mit dem Sachsenkamer Holzschnitzer Sebastian Demmel, der für die „Special Forces“ zahllose Wappen und Figuren anfertigte – bis heute. Für die Übung wurde eigens ein „Patch“ entworfen, ein Abzeichen, das am Ärmel befestigt wird. Darauf gestickt: der Schriftzug Bad Tölz, ein Fallschirmspringer und ein schwarz-rot-goldener Streifen. Alles vor blaugrünem Hintergrund – in Anspielung auf die Spezialeinheit der „Green Berets“, die in der Flintkaserne stationiert waren. Zeit zur Kontaktpflege in der Region bleibt aber keine. Nach den Übungssprüngen treten die Soldaten jeden Abend wieder die Heimreise nach Stuttgart an. Der Heimweg von der Arbeit ist für sie kürzer als für viele Pendler: 20 bis 30 Minuten mit dem Hubschrauber.

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