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Lustobjekt aller Smartphone-Fotografen: Der pinkfarbene Cadillac Eldorado mit den Heckflossen in Raketenform, aufgemalter Uhr und Pin-up-Girl sticht sogar heraus, wenn er zwischen knallgelben Sportwagen steht.

6. Auflage an Pfingsten

US-Car-Treffen: Kindheitsträume in Serie

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Wenn Menschen in Cowboyjacken in die Motorhauben bunter Oldtimern starren, dann ist US-Car-Treffen in Bad Tölz: Zur sechsten Auflage enterten am Pfingstwochenende 970 Boliden die Stadt.

Bad Tölz Was passiert, wenn man auf den roten Knopf da auf dem Schalthebel drückt? „Das ist, wie wenn dir einer ’ne Axt ins Genick haut“, antwortet Jürgen Koch. Der 61-Jährige sitzt in seinem Ford F100, ein umgebauter Nascar-Truck aus dem Jahr 1960. Jürgen Koch, Glatze und Flammentätowierung auf dem dicken Oberarm, lächelt unter seiner schwarzen Sonnenbrille. Logisch, er darf ja gerade im Detail erklären, wie die Nitro-Einspritzung bei seinem Rennauto funktioniert: Zu den 550 PS gesellen sich 200 dazu, wenn er auf den roten Knopf drückt. „Da hat schon mancher Porsche-Fahrer auf der Autobahn dumm aus der Wäsche geguckt. Diese Gesichter sind unbezahlbar“, sagt Koch, der aus Odelzhausen im Landkreis Dachau angerast ist.

„Die Gesichter sind unbezahlbar.“ Jürgen Koch freut sich, wenn er mit seinem Ford F100 einen Porsche überholt.

Unbezahlbar ist vieles hier im Moraltpark an diesem Pfingstmontag. Hunderte Oldtimer stehen in Reihen dicht an dicht, Menschen in Schlaghosen und Cowboyjacken starren in Motorhauben oder machen Selfies mit vollbusigen Pin-up-Girls: Der ganz normale Wahnsinn namens US-Car-Treffen ist wieder in der Stadt – an diesem Pfingswochenende bereits zum sechsten Mal.

Franz Schmiederer (54) aus Aying hat keinen roten Knopf. Braucht er auch nicht: „Ich will nur cruisen“, sagt er und tätschelt dabei seinen Ford F100 aus dem Jahr 1955. Der schwarze Bolide sieht aber komplett anders aus als der rote Nitro-Rennwagen – so gemütlich wie Franz Schmiederer mit seinem Sonnenhut. Der will Gleichgesinnte treffen, die US-Car-Familie wächst mit jedem Event mehr zusammen. „Im Sommer bin ich fast jede Woche auf einem anderen Treffen“, sagt er. Mit seinem Ford hat er sich „einen Kindheitstraum“ erfüllt. Den US-Schlitten hat er in der Oberpfalz erstanden und seither nicht viel verändert: „Der darf Beulen haben und verrostet sein.“ Das Kuhfell, der Sitzbezug, sei aber „durchgerockt“ gewesen.

Hunderte Autos und eine Raketenhüpfburg: Oldtimer-Fans, aber auch Familien hatten Spaß beim sechsen US-Car-Treffen.

Für solche Fälle hat Saskia Maurus ihren Stand aufgebaut. In Gmund betreibt sie die „Oldtimerpolsterei Tegernsee“. Was ihr an ihrem Beruf am meisten gefällt? Klar: „Ich sehe immer schöne Autos in der Arbeit“, sagt die 34-Jährige. Apropos: Gegenüber von Saskia Maurus’ Stand lassen sich viele Besucher von einem pinkfarbenen Cadillac Eldorado blenden. Der Wagen mit den Heckflossen in Raketenform, aufgemalter Uhr und Pin-up-Girl sticht sogar heraus, wenn er zwischen knallgelben Sportwagen steht. Die Smart-Phone-Kameras klicken.

Die Gerstbergers und ihr Schlafplatz: Das Ehepaar aus der Nähe von Kempten wohnte von Samstagabend bis Montag im Moraltpark. Ihr alter GMC-Vendura streikt immer öfter.

Das Ehepaar Gerstberger aus der Nähe von Kempten hat sich eine ruhigere Ecke gesucht. „Wir sind schon seit Samstagabend da“, erzählen sie und streifen sich für ein Foto die Cowboy-Jacken über. Ihr Schlafplatz, der GMC-Vendura, bringt Winfried Gerstberger (58) manchmal zum Verzweifeln. 20 000 Euro habe er schon reingesteckt in die Karre, aber los brachte er sie nicht mal für 2700. Jetzt behalten sie den GMC. Winfried Gerstberger erklärt, warum: „Wenn ich damit fünf Kilometer fahre, ist das wie 14 Tage Urlaub.“

Auf dem Jailhouse-Parkplatz, wo die Burger braten und die Band „Lucky 13“ astreinen Rock n’ Roll liefert, sitzen die Veranstalter Peter Frech und Steffi Hörmann. Trotz des regnerischen Sonntags sind sie zufrieden. 970 US-Cars „cruisten“ an beiden Tagen in den Moraltpark.

Eldorado für PS-Freunde: US-Car-Treffen im Moraltpark

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