Das Trachtengeschäft am Amortplatz schließt demnächst. Danach möchte das benachbarte Café Love dessen Flächen übernehmen. Bürgermeister Josef Janker würde aber ein neues Einzelhandelsgeschäft bevorzugen. Foto: Pröhl

Veränderungen am Amortplatz

Café Love will sich vergrößern

Bad Tölz – Bis Bürgermeister Josef Janker seinen Gleichmut verliert, dauert es. In der Bauausschuss-Sitzung am Dienstag platzte ihm dann aber doch der Kragen.

„Warum wird in Tölz immer alles schlecht geredet? Das ist so mutlos!“, meinte er in Richtung von Margot Kirste und Peter von der Wippel (FWG). Beide hatten sich zustimmend zu einem Vorbescheidsantrag von Michael Raphelt geäußert, der sein gut gehendes, aber kleines Café Love am Amortplatz gerne erweitern möchte, wenn das Trachtengeschäft Daller im Herbst auszieht. Aus 20 würden so 89 Quadratmeter Gastraum, wie Stadtbaumeister Hannes Strunz vortrug. 

Die Bauverwaltung und das Stadtoberhaupt hatten aber grundsätzliche Bedenken. So werde dem Einzelhandel in Tölz und im Speziellen im Badeteil erneut eine Fläche weggenommen, kritisierte Janker. Dass dies ausgerechnet von einer Stimme des Handels, Peter von der Wippel, propagiert werde, konnten weder Bürgermeister noch Bauamtsleiter Christian Fürstberger verstehen. Janker: „Wofür machen wir eigentlich für viel Geld ein Einzelhandelskonzept in Tölz?“ 

Der Angegriffene setzte sich energisch zur Wehr. „Eine Ladenfläche wie diese mit 90 Quadratmetern ist äußerst schwierig zu bewirtschaften. Da würde ich nicht hineingehen“, sprach er sich für eine Nutzungsänderung aus. Margot Kirste hatte zuvor von einer „Bereicherung“ des Standorts durch das Café gesprochen. Dadurch, dass der Betrieb nur bis 20 Uhr laufe, seien auch keine Lärmbeschwerden zu erwarten. Dem hielt Fürstberger entgegen, dass „wir in Tölz doch sowieso schon genug Gastroflächen haben“. Der Amortplatz sei wichtig für den Handel als Brückenschlag ins Badeteil. 

Das sah Ingo Mehner (CSU) anders, dem das Wort Brückenschlag gut gefiel. Aber genau dafür sei eine Gastronomie mit schönen Sitzgelegenheiten an der Isar viel besser geeignet. Ein Bekleidungsgeschäft werde bestimmt nicht so viele Menschen von der Altstadt ins Badeteil hinüberziehen. Michael Lindmair (FWG) fasste seine Meinung in dem Bonmot zusammen: „Ein Einzelhändler an der Stelle ist wirklich ein Einzelhändler.“ 

„Alles eine Frage der Pacht“, konterten Bauamtschef Fürstberger und Bürgermeister Janker. Wenn die Miete angemessen sei, werde auch diese Einzelhandelsfläche an einen interessanten Partner zu vermieten sein. Janker bestritt energisch das Argument von der Wippels, dass die Fläche zu klein sei, um interessant zu sein. „Dann müssten wir die halbe Marktstraße zusperren.“ 

Die Entscheidung zu Gunsten des Bauantrags des Cafés fiel mit 7:6 schließlich äußerst knapp aus. Für eine Caféerweiterung stimmten Priller (Grüne), Rein, Kirste, von der Wippel und Lindmair (alle FWG) sowie Ludwig Bauer und Ingo Mehner (beide CSU). Unterlegen waren die Café-Gegner mit Josef und Ludwig Janker, Josef Steigenberger (alle CSU), Camilla Plöckl und Jürgen Renner (beide SPD) und Franz Mayer (Grüne). Endgültig entschieden ist übrigens noch nichts. Ein baurechtliches Problem sind die fehlenden zwei oder drei Stellplätze, die bei einer Nutzungsänderung abgelöst werden müssten. Pro Stellplatz sind das stattliche 10 000 Euro. 

Von Christoph Schnitzer 

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