Unsichere Zeiten herrschen für Unternehmen wie CN-Mediatec in Bad Tölz. Das Foto zeigt (unten, v. li.) die drei Geschäftsführer Markus Schönhaber, Sebastian Garreis und Martin Klingelhöffer sowie (oben, v. li.) Andreas Reinalter (Geselle), Christopher Berg (Azubi 1. Lehrjahr) und Max Limm (Azubi 2. Lehrjahr).
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Unsichere Zeiten herrschen für Unternehmen wie CN-Mediatec in Bad Tölz. Das Foto zeigt (unten, v. li.) die drei Geschäftsführer Markus Schönhaber, Sebastian Garreis und Martin Klingelhöffer sowie (oben, v. li.) Andreas Reinalter (Geselle), Christopher Berg (Azubi 1. Lehrjahr) und Max Limm (Azubi 2. Lehrjahr).

Veranstaltungsbranche in der Krise

„De facto haben wir ein Berufsverbot“

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Tausende Veranstaltungen jeglicher Art wurden in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise abgesagt. Stark betroffen davon ist die Veranstaltungsbranche. Firmen aus dem Tölzer Landkreis wünschen sich ein Signal der Politik.

  • Die Corona-Pandemie hat die Veranstaltungsbranche in die Krise gestürzt
  • Firmen fühlen sich alleine gelassen
  • Wie viele den Winter überstehen, ist ungewiss

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ob Konzert, Kongress oder Messe: Das Aus für tausende Events hat die Veranstaltungsbranche in eine tiefe Krise gestürzt. 6500 Unternehmer und Beschäftigte sind deshalb vergangene Woche in Berlin auf die Straße gegangen. „Ich hoffe, dass die Demo was bewirkt“, sagt Sebastian Garreis, Geschäftsführer der Tölzer Firma CN-Mediatec. Er fühlt sich allein gelassen: „Es wird Zeit, dass was passiert. Die Politik ignoriert bisher, dass wir de facto ein Berufsverbot haben.“

In der Kulturbranche seien nahezu alle Aufträge weggebrochen, stellt Garreis fest: „Es gibt nur noch kleine Veranstaltungen, die zeigen sollen: Wir sind noch da.“ Die namhaften Bands spielen nicht mehr vor 1000, sondern nur noch vor 100 oder 50 Zuhörern. „Aber damit verdient niemand Geld. Also wird als Erstes am ganzen Apparat gespart.“

Dank guter Kontakte und einiger glücklicher Zufälle sei seine Firma bislang noch ganz passabel durch die Krise gekommen, sagt Garreis. „Uns haben ein paar privat finanzierte und kommunal geförderte Sachen geholfen.“ Unter anderem installierte er LED-Wände und war bei Vorstellungen in Autokinos dabei. Zudem reaktivierte er die zwischenzeitlich stillgelegte Installations-Abteilung. Im Vergleich zum Normalbetrieb liege die Auslastung bei etwa 40 Prozent. „Doch im Herbst und Winter wird sich das massiv ändern“, sagt der Geschäftsführer: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele Indoor-Veranstaltungen geben wird. Vor dieser Zeit graut mir.“ Schwierig sei die Situation gerade für die beiden Lehrlinge: „Von dem, was sie lernen wollten, kriegen sie gar nichts mit. Konzerte, bei denen wir uns um Licht und Ton kümmern, gibt’s de facto nicht.“

Markt für Messebauer komplett zusammengebrochen

Bis die Corona-Krise kam, war der Auftragskalender von SLC Veranstaltungstechnik prall gefüllt. Die Ascholdinger Firma sollte bei Firmenveranstaltungen, Vereinsfesten und in Bierzelten mithelfen. Doch daraus wurde nichts, mehr als 90 Prozent der Aufträge sind weggebrochen. Übrig geblieben sind nur noch Konferenz-Technik, Vorträge und Livestreams. Die beiden Festangestellten machen Kurzarbeit: „Sie sind wenig glücklich darüber“, sagt Geschäftsführer Quirin Diehl.

Komplett zusammengebrochen ist auch der Markt für Messebauer, was die Tölzer Firma Messebau Franke hart trifft. Den ersten größeren Kunden seit längerer Zeit hätten die Tölzer bei der im Oktober stattfindenden „Analytica“ gehabt, einer internationalen Fachmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie. „Sie wurde aber als Präsenzmesse abgesagt und findet jetzt virtuell statt“, sagt Inhaber Andreas Kießl. Messen dürften zwar wieder stattfinden. „Dafür sagen die ganzen Aussteller ab, weil sie kein Risiko eingehen wollen. Und so fällt weiterhin alles aus.“

Alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

Die Mitarbeiterzahl sei von neuneinhalb auf sechseinhalb gesunken. Alle Verbliebenen befinden sich in Kurzarbeit. Kießl glaubt, dass sich daran bis Jahresende nichts ändert: „Ob es jemals wieder so wird wie vorher, ist fraglich.“ Doch wie kann man solch eine Zeit überstehen? „Darlehen, die über die Hausbank gehen, kann man vergessen“, sagt Kießl. „Unsere Hausbank sagt nur: Schwierige Branche, tut uns leid, wir können nichts für dich tun, aber wir drücken dir die Daumen.“ Damit sei er noch gut dran: „Andere Hausbanken sagen: Schwierige Branche, tut uns leid, wir müssen den Kredit sofort fällig stellen.“

Kießl versucht, sich mit kleineren Aufträgen über Wasser zu halten, wie beispielsweise dem Aufstellen von Corona-Trennwänden. Außerdem versucht er sich an Möbel-Umbauten: „Aber das geht auch nicht von heute auf morgen, man muss sich erst einen Namen machen.“ Auch Quirin Diehl bemüht sich, mit kleinen Aufträgen über die Runden zu kommen. So erledigt er Festinstallationen für Club-Besitzer, die die Pause nutzen, um ihre Bar aufzuwerten. „Aber das geht sicher nicht ewig.“ Sein Unternehmen sei in der glücklichen Lage, dass finanzielle Reserven geschaffen wurden, aber die seien wohl Ende des Jahres aufgebraucht. „Dann muss es weitergehen – entweder, weil es wieder Veranstaltungen gibt, oder weil wir einen Kredit aufnehmen.“ Die staatlichen Soforthilfen reichen seiner Ansicht nach „hinten und vorne nicht“. Er fordert: „Wir brauchen ein klares Konzept, klare Vorgaben und Planungssicherheit.“

Existenzielle Ängste plagen Sebastian Garreis nicht: „Uns wird’s mit Sicherheit weiter geben, unsere Firma wird nicht sterben.“ Gleichwohl fordert auch er Unterstützung: „Wir brauchen ein Förderungs- und Überbrückungsprogramm.“ Die Lösung wären seiner Ansicht nach subventionierte Veranstaltungen: „Dann könnten die ganzen Dienstleister rundherum normale Tarife aufrufen.“ Was Hilfsprogramme betrifft, gebe es aber auf kommunaler, Landes- und Bundesebene keine Ideen: „Das ist sehr schade.“

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