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Die Schlaraffen sind ein Männerbund, der Kunst, Humor und die Freundschaft pflegt. Das Bild entstand am Samstag bei der 50-Jahr-Feier des „Reyches im Isarwinkel“ in den „Ratsstuben“ in Geretsried. Zur Feier waren Schlaraffen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich eingeladen – und ausnahmsweise auch die Partnerinnen. 

Es geht um die Gemeinnützigkeit

Vereine im Tölzer Land finden Steuer-Pläne von Olaf Scholz „albern“

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Die Ankündigung, dass Finanzminister Olaf Scholz reinen Männervereinen steuerrechtlich die Gemeinnützigkeit aberkennen will, sorgt auch im Landkreis für Diskussionen. „Reiner Populismus“, sagen viele Vorstände. Auch Frauen-Bündnisse finden die Pläne lächerlich.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Vereine, deren Mitglieder nur Männer sein dürfen, sollen nach den Plänen von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) künftig die Vorteile der Gemeinnützigkeit verlieren. Für Wirbel sorgt Scholz damit zum Beispiel bei den Bayerischen Gebirgsschützenkompanien. Landeshauptmann Martin Haberfellner aus Kochel bezeichnet diese Pläne als „aberwitzig“ und verweist auf den geschichtlichen Hintergrund der Gebirgsschützen (siehe Interview im Bayernteil dieser Zeitung).

Auch Werner Sebb, eines der drei Vorstandsmitglieder des humoristischen Männerbunds „Schlaraffen“, bezeichnet die Pläne als „albern“. Zwar seien die Schlaraffen davon nicht betroffen, weil sie nicht gemeinnützig seien. „Aber jeder Verein hat nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht, sein Ziel zu definieren“, argumentiert Sebb. „Auch Frauen steht es offen, so eine Gesellschaft wie die unsrige zu gründen.“ Sebb plädiert für Toleranz. Der Verein mit Sitz in Geretsried hat 22 Mitglieder und zählt zu den kleineren Verbünden in Deutschland. In all den Jahren habe es nur einmal Kritik von einer Frau an dem Männerverbund gegeben, sagt Sebb.. „Ansonsten hatte niemand damit ein Problem.“

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Relativ gefasst reagiert Wolfgang Morlang, Vorstand des Männergesangsvereins (MGV) Liederkranz aus Lenggries, auf den Vorschlag von Olaf Scholz. Der Chor ist laut Satzung eine Vereinigung „sangesfroher Männer“, die das klassische Repertoire eines Männerchors pflegt. Singen tun also nur die Männer, aber unter den fördernden Mitgliedern sind auch Frauen. Für Morlang ist das Thema Geschlechtergerechtigkeit nicht neu, hat er doch in den Medien mitverfolgt, wie sich ein Mädchen in einen Knabenchor klagen wollte. „Aus künstlerischer Sicht gibt es Chor-Literatur rein für Männer, weil Frauen diesen tiefen Tonumfang nicht erreichen können“, sagt Morlang. Diese Kompositionen seien oft jahrhundertealt. Theoretisch würde man hier durch Scholz’ Pläne „ein ganzes Genre einstampfen“, sagt Morlang. Doch daran glaubt er nicht. „Ich gehe davon aus, dass dies bei der Ausgestaltung der Pläne Berücksichtigung findet“, sagt der Lenggrieser – etwa, indem Frauen fördernde Mitglieder sein dürften.

Auch in den Veteranenvereinen im Landkreis treffen sich meist ausnahmslos Männer. Das heißt aber nicht, dass Frauen nicht aufgenommen werden. In Benediktbeuern gab es in früheren Jahren zwei Feldkrankenschwestern, die aber mittlerweile verstorben sind, berichtet Vorstand Hanns-Frank Seller. Aufgrund der Tatsache, dass es heute auch Soldatinnen bei der Bundeswehr gibt, schließt Seller künftig deren Teilhabe in den Veteranenvereinen nicht aus.

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Seller, ehemals Lehrbeauftragte an der Bundeswehr-Universität in München, glaubt nicht, dass Veteranenvereine „vom Aussterben bedroht sind“. Dass derzeit dort vor allem Männer seien, liege an den Entwicklungen zur Kriegs- beziehungsweise Nachkriegszeit. Gleichwohl, sagt Seller, drängten Frauen nicht in diese Vereine. „Ähnlich wie in der Kommunalpolitik.“ Von Scholz’ Vorschlag hält Seller nicht viel: „Reiner Populismus“, sagt der CSU-Lokalpolitiker. „Die SPD sucht halt händeringend nach Themen.“ Viel Geld werde der Finanzminister mit dieser Gesetzesänderung nicht einnehmen können: „Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Seller.

Will Scholz reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit aberkennen, gilt das umgekehrt natürlich auch für Frauenvereine. Irmgard Bromberger, die Vorsitzende des Katholischen Frauenbunds Bad Heilbrunn, findet das albern. „Unser Engagement ist für die ganze Gesellschaft. Da sollten einem nicht noch Steine in den Weg gelegt werden.“ Der Frauenbund hat mit Pfarrer Pater Karl Bopp einen Geistlichen Beirat. Zudem sind einige evangelische Frauen Mitglied. Natürlich, sagt Bromberger, könnten auch Männer Mitglied werden, „aber praktisch stellt sich diese Frage überhaupt nicht“.

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Ähnlich äußert sich Maria Mondry, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft in Lenggries. „Unsinn“, sagt sie zu den Plänen. Die Frage, im Frauenbund auch Männer aufzunehmen, habe sich noch nie gestellt. „Umgekehrt würde ich mich doch auch nicht einem Männerverein anschließen“, sagt Mondry. Die Idee, deshalb die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, sei lächerlich.

Der Kochler Frauenbildungsverein Sofia wäre von der Änderung des Finanzministers hingegen nicht betroffen: „Wir haben von Anfang an auch Männer aufgenommen“, sagt die Vorsitzende Angelica Dullinger. Die Gründung des Vereins 2006 habe damals sogar der Pfarrer unterstützt. Von den derzeit zirka 50 Mitgliedern seien zehn Prozent Männer. „Wenn Frauen sich qualifizieren, profitiert davon die ganze Gesellschaft“, argumentiert Dullinger. Generell findet die ehemalige aktive SPD-Kommunalpolitikerin den Vorschlag ihres Parteikollegen aber sinnvoll, denn: „Ein Verein sollte allen Geschlechtern offen stehen.“ Es sei aber verständlich, dass man bei bestimmten Themen lieber in Gruppen unter sich bleiben möchte.

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