Die Vitalhofbäuerinnen aus dem Tölzer und Miesbacher Land mit den Vorsitzenden Benedikta Lautenbacher (li.) und Maria Schwaiger (2. v. li.) sowie Johanna Kirschenhofer (Tölzer Land Tourismus, hi. Mi.) und Monika Keymer (4. v. re.) vom Amt für Landwirtschaft und Ernährung (AELF) in Holzkirchen. 
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Die Vitalhofbäuerinnen aus dem Tölzer und Miesbacher Land mit den Vorsitzenden Benedikta Lautenbacher (li.) und Maria Schwaiger (2. v. li.) sowie Johanna Kirschenhofer (Tölzer Land Tourismus, hi. Mi.) und Monika Keymer (4. v. re.) vom Amt für Landwirtschaft und Ernährung (AELF) in Holzkirchen. 

20. Jubiläum

Vitalhofbäuerinnen: Urlaub im Zeichen der Natur

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die Vereinigung der Vitalhöfe im Tölzer und Miesbacher Land feiert heuer 20-jähriges Bestehen. Es sind vor allem Bäuerinnen, die in diesem besonderen Angebot von „Urlaub auf dem Bauernhof“ engagiert sind. Das Konzept hat Vorbildfunktion, damals wie heute.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach Vor ein paar Wochen schon trafen sich die 15 Vitalhofbäuerinnen auf dem „Huberhof“ der Familie Mayr in Linden, um bei der Jahresversammlung das 20-jährige Bestehen zu feiern. Auch Vertreterinnen vom Amt für Landwirtschaft und von Tölzer Land Tourismus waren dabei. Die Corona-Pandemie konnten die Frauen nicht vorher sehen. Die Planungen für eine größere Festlichkeiten laufen weiter. „Wir wollen im Herbst mit der ganzen Bevölkerung feiern“, kündigt Maria Schwaiger vom Ortererhof in Jachenau an. Sie war einige Jahre lang die Vorsitzende des Vereins und ist nun Stellvertreterin von „Chefin“ Benedikta Lautenbacher vom Erharthof in Kochel.

Zimmer mit Holzmöbeln und regionale Speisen

Derzeit gibt es 15 Vitalhofbäuerinnen: 12 im Tölzer Land, drei im Raum Miesbach. Zu Beginn gehörten auch noch Tiroler Höfe dazu, berichtet Andreas Wüstefeld, der Leiter von Tölzer Land Tourismus (TLT). 1998 unterschrieben die Landräte Manfred Nagler (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und Norbert Kerkel (Miesbach) zusammen mit dem Tiroler Bezirkshauptmann Karl Mark die „Tegernseer Erklärung“, die man später in das „Isar-Achensee-Forum“ umbenannte. Anlass waren der Wunsch nach grenzübergreifender Zusammenarbeit und die Möglichkeit, auf diese Weise Zuschüsse vom EU-Förderprogramm „Interreg“ zu bekommen. Diese bezogen sich auf die Bereiche Landwirtschaft, Natur, Umwelt, Energie, Tourismus, Verkehr und Bildung, berichtet Wüstefeld. Im Dezember 1999 wurde als eines dieser Projekte der Verein der Vitalhöfe ins Leben gerufen, damals noch unter Wüstefelds Vorgängerin Johanna Kirschenhofer.

Der Zusammenschluss, berichtet Wüstefeld, sei sehr wichtig gewesen hinsichtlich touristischer Vermarktung und gemeinsamer Qualitätsstandards. „Damals gab es noch kein Internet, und das Buchhungsverhalten der Urlauber war ganz anders“, sagt Wüstefeld. Auf Messen zum Beispiel konnte und kann sich das Tölzer Land damit in Konkurrenz zu anderen Angeboten wie beispielsweise „Genusshöfe“ oder „Weinhöfe“ in Franken präsentieren.

Für die Zeit nach der Corona-Krise gut aufgestellt

Das Angebot der Vitalhofbäuerinnen basiert auf vier Säulen, berichtet Maria Schwaiger. Da gibt es zum einen den Bereich „natürlich Wohlfühlen“, das heißt, die Einrichtung des Zimmers muss aus Naturmaterialien bestehen. Zum anderen muss bei der Bewirtung regionale Kost angeboten werden. Des Weiteren ist ein Kräutergarten Pflicht, und die Gäste müssen informiert werden, wie sie ihre Freizeit naturnah verbringen können.

Unter den Vitalhofbäuerinnen befinden sich viele ausgebildete Kräuterpädagoginnen, sagt Maria Schwaiger. Auf ihrem Ortererhof am Eingang ins Jachental können die Gäste zum Beispiel den Kräutergarten nutzen, zudem bietet Schwaiger selbstgemachte Tee-Mischungen an. Bei den Gästen komme das Thema Kräuter sehr gut an, sagt Schwaiger. Sie ist nicht die einzige, die viele treue Stammgäste hat, bis aus Holland zum Beispiel.

„Während der klassische ,Urlaub auf dem Bauernhof’ in der Regel an die Ferienzeiten gebunden ist, bekommen die Vitalhofbäuerinnen durch ihre besonderen Angebote auch Gäste außerhalb der Ferienzeiten“, berichtet Wüstefeld. Mit dem Verbund könnten sie sich anders vermarkten. „Denn alleine geht man auf dem Markt unter.“ Drei Preise hat der Verbund schon bekommen: 2001 den Innovationspreis des Staatsministeriums, 2003 den Umweltpreis vom Tölzer Land und 2004 eine Urkunde vom bayerischen Umweltministerium für „vorbildliche Leistungen im Dienste eines aktiven Schutzes von Umwelt, Gesundheit und Verbrauchern“.

Wer sich über das Angebot informieren will, kann das auf der Seite www.vitalhoefe.de

Vor einigen Jahren haben sich die Bauernhöfe aus Tirol aus dem Verbund zurückgezogen und ein eigenes Projekt gegründet. Hintergrund war die räumliche Distanz. „Höfe aus dem Ziller- oder Ötztal waren einfach zu weit weg“, sagt Wüstefeld. Für die Bäuerinnen im Tölzer und Miesbacher Land bedeutete das jedoch keinen Einbruch. Auch neue Mitglieder aus diesen beiden Regionen werden weiterhin aufgenommen, vorausgesetzt, sie erfüllen die Anforderungen.

Wie sieht Wüstefeld den Verbund für die Zukunft gerüstet? „Das Kniffligste ist immer die Betriebsübergabe“, sagt er.. Denn wenn die Jungen den Hof übernehmen, „kommt eine neue Kultur rein“. Jeder entscheide dann selbst, ob er das Angebot fortführe oder nicht. Wer sich vorher beraten lassen will, finde auch Informationen über das Amt für Landwirtschaft (AELF), sagt Wüstefeld.

Die Corona-Krise trifft auch die Vitalhofbäuerinnen hart. „Eigentlich sind wir ausgebucht, aber derzeit dürfen wir ja keine Gäste aufnehmen“, bedauert Schwaiger. Viele Gäste würden anrufen und sich erkundigen, wie es der Familie ginge. „Das freut uns natürlich schon.“ Noch würden alle abwarten, wie es im Sommer weitergeht. Aber wenn sich die Lage nicht verbessere, sei mit vielen Stornierungen zu rechnen. „Wenn uns das Sommergeschäft wegbricht, wäre das verheerend“, sagt Schwaiger. Schließlich nehme jeder Betrieb im Winter „laufend Geld in die Hand, um zu renovieren und das Angebot auf dem Qualitätsniveau zu halten“. Diese Investitionen wolle man im Sommer natürlich wieder reinholen.

Wüstefeld geht davon aus, dass die Corona-Krise den Tourismus „brutal verändern werde“, auch im Tölzer Land. Für viele Menschen seien jetzt andere Dinge wichtiger als in Urlaub zu fahren. Trotzdem kann er den Vitalhofbäuerinnen Hoffnung machen. Wenn die Krise vorbei sei, werde vor allem Urlaub in Deutschland im Trend liegen. Und hier sei das Konzept der Vitalhöfe „bestens aufgestellt“, sagt der Touristik-Fachmann und nennt drei Schlagwörter: regional, zeitgemäß und bezahlbar. Viele Menschen wollten nach der Krise nicht weit wegfahren, würden Wert auf Natur und Klimaschutz legen und eine „angemessene Preisstruktur“ suchen. Und genau in diesen drei Bereichen liege das Angebot der Vitalhofbäuerinnen.

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