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Im südlichen Landkreis Tölz

Verkehrschaos am Wochenende: „Der ganz normale Ausflugswahnsinn“

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Staus ohne Ende bestimmten den Sonntagabend und zerrten an den Nerven der Autofahrer. In und um Bad Tölz war alles dicht. Nach regnerischen Wochen sind jetzt wohl alle auf einmal gekommen.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Es war ein trauriges Bild am Tölzer Moraltverteiler: Zwei Eishockeyfans standen in ihren Trikots neben ihrem Auto, gestikulierten verärgert, das Handy in der Hand. Vor ihnen Richtung Umgehungsstraße und hinter ihnen Richtung Innenstadt bot sich das gleiche Bild: Stau ohne Ende, kein Vor, kein Zurück.

Die beiden Fans hätten schon lange im Stadion sein müssen, das erste Drittel zwischen den Tölzer Löwen und den Lausitzer Füchsen war fast vorbei. Freie Parkflächen, leere Ränge: Auch in und an der Arena merkte man am Sonntagabend, dass das Tölzer Land einen Freizeit-Ansturm erlebt hatte. Als das Zweitliga-Spiel um 19 Uhr begann, hatten sich geschätzt gerade einmal 500 Fans eingefunden. Fast 1000 schafften es nicht pünktlich zum Eröffnungsbully.

Polizei-Hauptkommissar Alois Grünwald fasst den Sonntag so zusammen: „Das war der ganz normale Ausflugswahnsinn. Das sind die Großkampftage, die es nur ein-, zweimal im Jahr gibt.“ Die Tölzer Beamten seien es gewohnt, an solchen Tagen viele Anrufe zu bekommen: „Viele wollen von uns, dass wir Ampeln aufstellen und den Verkehr regeln. Aber das können wir personell nicht leisten, und es würde auch nichts bringen.“

Nichts ging mehr: Auf Karten im Internet waren die Straßen rot gefärbt

Es ging einfach nichts mehr am Sonntagabend: Auf Online-Karten waren das Innenstadt-Gebiet und alle Einfallstraßen komplett rot eingefärbt. Schon für das kurze Stück auf der Umgehungsstraße zwischen Badeteil und Lenggrieser Straße brauchte man eine knappe Stunde. Selbst die vermeintlichen Schleichwege aus Lenggries über Arzbach oder Gaißach waren gut ausgelastet. Blechlawinen rollten aber nicht nur von Lenggries aus durch Tölz, sondern auch aus Richtung Heilbrunn, Sachsenkam und Königsdorf.

Bei den Autofahrern im ganzen Landkreis war Geduld gefragt. Einem 66-jährigen Münchner fehlte jegliches Verständnis: Mit seinem Porsche überholte er laut Polizeibericht im Kolonnenverkehr, sowohl bei Überholverbot als auch in Kurven. Zwischen Egling und Tattenkofen provozierte er gegen 12.30 Uhr einen Unfall. Er überholte einen 34-jährigen Motorradfahrer und scherte wegen des Gegenverkehrs äußerst knapp wieder vor ihm ein. Nach einer Vollbremsung fuhr der Motorradfahrer – ebenfalls aus München – neben den Porsche, um den 66-Jährigen auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Dessen Reaktion: Er lenkte nach links und rammte das Motorrad. Dessen Fahrer, der einen Sturz gerade noch verhindern konnte, verletzte sich schwer am Bein und musste ins Krankenhaus. Gegen den Porschefahrer ermittelt die Polizei nun unter anderem wegen Gefährdung des Straßenverkehrs. Zeugen des Vorfalls sollen sich bei der Geretsrieder Inspektion unter Telefon 0 81 71/9 35 10 melden.

Statt aufs Auto setzten viele Menschen am Sonntag auf die Bayerische Oberlandbahn (BOB). „Die Züge waren sehr, sehr voll“, sagt Sprecher Christopher Raabe. Man habe mehr Personal bereitgestellt, um den Ausflüglern beim Einlagern der Fahrräder zu helfen. Probleme gab es unter anderem mit einem defekten Zug gegen 9.30 Uhr am Münchner Hauptbahnhof, der nicht nach Lenggries fahren konnte.

Über perfekte Bedingungen freute sich Hannes Zintel, Chef der Blombergbahn: „Es war das beste Wochenende des Jahres.“ 5000 Menschen habe die Bergbahn am Sonntag befördert. „Die Leute hatten nach den vielen regnerischen Wochen wohl Sehnsucht nach der Sonne“, vermutet Zintel. Ähnlich sieht das Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneckbahn: „Sonst verteilt sich das auf mehrere Wochenenden. Jetzt sind halt alle auf einmal gekommen.“ Die klassische Wanderzeit im Oktober ziehe immer viele Menschen in die Berge. So auch aufs Brauneck: Die Bahn verzeichnete am Sonntag rund 3000 Bergfahrten und brauchte lange, um die vielen Gäste wieder ins Tal zu bringen. Lorenz: „Statt bis 17 Uhr sind wir bis 18 Uhr gefahren.“ Von einem „Allzeit-Rekord“ spricht Jörg Findeisen von der Herzogstandbahn. „Unten hatten wir teilweise Wartezeiten von einer Stunde, und oben war die Schlange am Nachmittag 300 Meter lang.“

An einen vergleichbaren Ausflugstag im Herbst kann sich Kochels Bürgermeister Thomas Holz nicht erinnern. „Das war ein Ausnahmezustand.“ Gerade um den Walchensee und am Kesselberg staute es sich. Um einen Geburtstag in einem anderen Ortsteil zu besuchen, sei Holz 25 Minuten im Auto gesessen. Für drei Kilometer Fahrt. Der Bürgermeister wünscht sich schon lange ein Konzept, das den Durchreiseverkehr Richtung Süden eindämmt. „Aber am Sonntag wollten die meisten in der Walchensee-Region bleiben. Und das ist ja positiv.“

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