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Der Vorstand des Haus- und Grundbesitzervereins mit (v.li.) Josef Hesslinger (Revisor), Thomas Gründl (Schatzmeister), der alte 2. Vorstand Max Burghardt, Vorsitzender Anton Krinner, Andrea Ott (Schriftführerin) und der neue 2. Vorstand Michael Pointner.

Haus- und Grundbesitzerverein 

„Wohnungsnot ist Versäumnis der Vergangenheit“

Bad Tölz - Mietpreisbremse und Wohnungsnot: Zwei spannende Themen, die auch in der Hauptversammlung des Tölzer Haus- und Grundbesitzervereins thematisiert wurden.

Dem Verein gehören 780 Mitglieder vorwiegend im Südlandkreis an. Es handelt sich dabei nicht um große Wohnungsgesellschaften, sondern laut dem alten und neuen Vorsitzenden Anton Krinner eher „um ganz normale Vermieter im ländlichen Bereich“.

Stichwort Mietpreisbremse, mit der der Gesetzgeber auf Landesebene die Wohnungsnot bekämpfen will: Die Gesetzgebung beschreibt seit August 2015 bestimmte Gebiete, in denen bei Wiedervermietung der Mietzins die ortsübliche Vergleichsmiete nur um höchstens zehn Prozent übersteigen darf. Im Landkreis werden so in der Verordnung die Städte Tölz und Wolfratshausen sowie die Gemeinden Bad Heilbrunn und Icking als Gebiete mit angespanntem Wohnungsmarkt definiert.

Eine ziemlich willkürliche Auswahl, wie der Haus- und Grundbesitzerverein meint und sich zum Beispiel fragt, warum Heilbrunn und nicht hingegen Lenggries genannt wird. Vorstand Krinner hält die Mietpreisbremse ohnehin für eine „politische Aktion, die wirkungslos bleiben wird“. Tatsächlich existiere hierzulande nämlich keinerlei Mietspiegel als Vergleich. Die nötigen halbjährlichen statistische Erhebungen seien „viel zu aufwändig und teuer“. München gebe dafür jedes Mal Millionen aus.

Dass es auch im Landkreis so gut wie keine günstigen Mietwohnungen mehr gibt und auch keine gebaut werden, bezeichnet der Vorstand als „Versäumnis der Vergangenheit“. Bund, Länder und Kommunen seien selbst schuld, dass der soziale Wohnungsbau faktisch zum Erliegen gekommen sei. Niedrige steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, eine geradezu vermieterfeindliche Rechtssprechung und ein bürokratisches Baurecht seien nur einige Gründe dafür, dass auch im Landkreis kaum mehr Wohnungen für weniger Betuchte gebaut würden.

Die Auswirkungen seien deutlich zu spüren. Krinner machte das am Beispiel der Flüchtlingsunterkünfte deutlich. Dem Landratsamt bleibe in seiner (Wohnungs)-Not gar nichts anderes übrig, als ohne lange zu verhandeln, zu Spitzenpreisen jeden verfügbaren Raum anzumieten, um die Flüchtlinge unterzubringen. Die Folge: Wo vor einigen Jahren für den Altbau noch 7 bis 8 Euro pro Quadratmeter realistisch gewesen seien, würden nun 10 bis 11,50 Euro verlangt.

Der Vorstand schaut skeptisch in die Zukunft. Dabei gäbe es seiner Meinung nach durchaus probate Instrumente, um die Wohnungsnot zu bekämpfen. Auf örtlicher Ebene zum Beispiel Baulandausweisung und -verkauf an Bauträger. Allerdings mit der Auflage, Wohnungen zu bauen und einen niedrigen Mietpreis 20 Jahre zu garantieren. Das ergebe eine attraktivere Verzinsung als am Kapitalmarkt. Krinner könnte sich solche Mietwohnungsblöcke zum Beispiel auf den Grünflächen an der General-Patton-Straße vorstellen. Diese Areale hatte übrigens Bürgermeister Josef Janker auch schon für sozialen Wohnungbau in Erwägung gezogen.

Christoph Schnitzer

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