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Mit nötigem Sicherheitsabstand halfen im Tölzer Rathaus alle Mitarbeiter, die enorme Anzahl an Briefwahlunterlagen einzupacken. 

Kommunalwahl 2020 

Eintüten, bis die Finger rauchen

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Die Stichwahl am kommenden Sonntag stellt Rathäuser und Kommunen vor eine große Herausforderung. Wegen Corona müssen alle per Briefwahl wählen und das muss so schnell wie möglich weggeschickt werden. Jetzt packen viele mit an. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Am Montagvormittag packten sie in Lenggries alle mit an: Rathausmitarbeiter, Erzieherinnen aus dem Kindergarten und Bürgermeister Werner Weindl selbst. Über 8000 Unterlagen für die Wahlberechtigten mussten in Kuverts gepackt werden – mittags sollten sie verschickt werden. Denn für die Stichwahl – zum einen zum Landrat, zum anderen zum Bürgermeister – am kommenden Sonntag gilt: Es darf aufgrund der Ansteckungsgefahr bezüglich des Corona-Virus ausschließlich per Briefwahl abgestimmt werden.

„Wir mussten zunächst einmal Kuverts nachbestellen“, berichtet Weindl. Und damit der Briefkasten im Rathaus nicht überquillt, wenn die Bürger ihre Wahlscheine zurückbringen oder per Post einschicken, werde alle halbe Stunde geleert.

Eine Großaktion gab es am Donnerstag in Bad Heilbrunn. Dort mussten 3200 Unterlagen für die Stichwahl eingetütet werden, wie die stellvertretende Wahlleiterin Barbara Schröfl berichtet. Damit es nicht zu einem Stau im Briefkasten kommt, werde ständig geleert, auch am vergangenen Wochenende sowie natürlich am kommenden Samstag und Sonntag.

Menrad: „Riesen Einsatz aller Mitarbeiter“

In Bad Tölz wurden die über 14 000 Briefwahlunterlagen laut Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach seit Donnerstag verpackt und versendet. „Unterlagen können diesmal nicht im Rathaus abgeholt werden“, so die Sprecherin. Um Zeit zu sparen, sei extra ein Mitarbeiter mit den Briefen zum Einlieferungszentrum der Post nach Bad Aibling gefahren. Wer bis Freitag seinen Stimmzettel nicht erhalten hat, soll sich im Rathaus melden.

Die ausgefüllten Stimmzettel sollen laut Otterbach entweder am Rathaus eingeworfen oder per Post geschickt werden. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass die Briefe am Sonntag bis spätestens 18 Uhr im Briefkasten des Rathauses landen müssen.

In Icking geht es wie in Lenggries nicht nur um die Landrats-Stichwahl: Auch wer Bürgermeister wird, entscheidet sich am kommenden Sonntag. „Es war ein Rieseneinsatz aller Mitarbeiter“, sagt Bürgermeisterin Margit Menrad. Vor allem aufgrund der Kürze der Zeit. Alle Mitarbeiter und auch Ehrenamtliche hätten im Sitzungssaal – mit gebührendem Abstand – die knapp 3000 Briefe verpackt. Hier fuhr ein Mitarbeiter am Freitag direkt ins Briefzentrum nach Schorn, um eine rechtzeitige Zustellung zu gewährleisten. „Teilweise sind die Briefe aber wohl noch nicht angekommen.“ Wer bis Mittwoch noch nichts erhalten hat, soll sich laut Menrad im Rathaus melden. Der Briefkasten habe genügend Kapazität. „Tagsüber leeren wir ihn oft, abends machen wir ihn auf und stellen einen Wäschekorb drunter.“ Auch mit der Postagentur im eigenen Haus gebe es ein gutes Miteinander, sodass alle rechtzeitig versandten Wahlscheine auch pünktlich im Rathaus ankommen werden.

Pflegeheim: Kaum Kapazitäten, bei Briefwahl zu helfen

Über 20 000 Wahlberechtigte gibt es in Geretsried. Städtische Mitarbeiter, Mitglieder des Stadtrats sowie freiwillige Helfer hätten am Samstagnachmittag gemeinsam mit angepackt und alle Unterlagen eingetütet, berichtet Gemeindewahlleiterin Stephanie Dickel. Die meisten wurden samstags, der Rest montags verschickt. Am Rathaus gebe es einen eigenen Briefkasten, dessen Kapazität weit ausreiche. „Aber er wird dennoch stetig und ständig geleert“, so Dickel.

Bleibt die Frage: Wie läuft die Auszählung am Sonntag ab? Diese werde in Geretsried „in einem dafür ausreichend großen Raum der Ratsstuben Geretsried und nur mit eigenem Personal der Stadtverwaltung stattfinden“, so Dickel. Es werde auf den nötigen Sicherheitsabstand geachtet sowie genügend Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt.

In Icking wurden laut Bürgermeisterin Menrad die Auszählungsbüros auseinandergelegt. „Wir verteilen uns jetzt auf die Schule, das Vereinsheim in Dorfen und den Sitzungssaal.“ Dort sei es überall möglich, ausreichend Abstand zu halten. Für Desinfektionsmittel und Handschuhe sei gesorgt.

Handschuhe, Desinfektionsspray und Masken für die Helfer 

In Lenggries wird im Schulgebäude ausgezählt. „Wir können uns ausbreiten, wir haben alle Räume zur Verfügung“, sagt Weindl. Auch hier gibt es Handschuhe, Desinfektionsspray und Masken für die Helfer. „Das wird schon“, ist sich der scheidende Rathauschef sicher.

Eine richtige Herausforderung ist die Stichwahl auch für das Pflegeheim in Lenggries. Derzeit dürfen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, keine Angehörigen in Pflege-Einrichtungen. Wie Heimleiterin Ruth Pirschel sagt, habe sie zu wenige Pflegekräfte, um allen Bewohnern mögliche Hilfestellung beim Ausfüllen der Briefwahlunterlagen zu gewähren. Der zusätzliche Aufwand sei kaum zu stemmen. Es wird sich im Laufe der Woche entscheiden, welche Möglichkeiten es gibt.

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