+
Besonders für Vielfahrer ist der Diesel noch immer erste Wahl – trotz der aktuellen Imageprobleme.

Diesel-Fahrzeuge 

Verunsicherte Kunden, aber kein Einbruch

  • schließen

Die Debatte um Schummelsoftware, Feinstaubbelastung und Fahrverbote hat dem Diesel ein Imageproblem eingebracht. Bei den Autokäufern im Landkreis ist seine Beliebtheit trotzdem fast ungebrochen.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Erst der Skandal um manipulierte Abgaswerte, jetzt die Diskussion um mögliche Fahrverbote in München: Unversehens findet sich der Diesel in der Rolle eines „Problemautos“ wieder. Die aktuellen Schlagzeilen verunsichern auch im Landkreis viele Autofahrer. Das merken die Autohändler zwischen Icking und der Jachenau.

„Von einem Einbruch bei Diesel kann aber keine Rede sein“, erklärt der Jachenauer Volvo-Händler Anton Gerg. Die Kunden seien allenfalls „etwas zurückhaltender“ – aber sowohl auf dem Neu- noch auf dem Gebrauchtwagenmarkt gebe es bei Diesel-Fahrzeugen „kein Problem“ und auch keinen Preisverfall.

Die Kauf-Kriterien seien gleich geblieben. Vielfahrer, die über 15.000 Kilometer im Jahr zurücklegen, sowie Käufer von „großvolumigen“ Autos würden zum Diesel tendieren. Speziell in der Jachenau sei für viele auch die große Reichweite ein Pluspunkt. „Zum Tanken muss man von hier bis Lenggries oder Wallgau fahren. Da genießen es schon viele, wenn es nur alle 14 Tage nötig ist.“ Wer allerdings täglich mit dem Auto in die Münchner Innenstadt muss, für den sei aktuell wohl tatsächlich ein Benziner die bessere Wahl, so Gerg.

Er hat allgemein beobachtet, dass Benziner in den vergangenen Jahren sparsamer, leistungsstärker und somit attraktiver geworden seien. Deswegen pendle sich die Kunden-Nachfrage nach einer zeitweisen Diesel-Dominanz wieder stärker auf ein Gleichgewicht ein.

Mit skeptischen Kunden hatte auch Adrian Imeroski, Service-Verantwortlicher im Kia-Autohaus Maier in Egling, schon zu tun. „Ich nehme ihnen aber den Wind aus den Segeln“, erklärt er. Imeroski ist überzeugt, dass die Fahrverbote in München bereits „vom Tisch“ seien. Kunden hätten sich auch schon nach Nachrüstlösungen für ihren Diesel erkundigt. „Da würde ich aber nichts überstürzen, bevor feststeht, ob es dafür eine staatliche Förderung gibt.“ Zum Diesel rät Imeroski nach wie vor reinen Gewissens. „Alle Kia-Modelle erfüllen die Euro-6-Norm – ganz ohne Schummelsoftware“, versichert er. „Wenn man über 30 000 Kilometer im Jahr fährt, gibt es in Sachen Effizienz keine vernünftige Alternative zum Diesel.“

Ebenfalls ein Diskussionsthema ist der Diesel unter den Kunden des Tölzer Autohändlers Johann Taubenberger. „Wir haben hier ein kritisches Publikum“, sagt er. „Viele haben ein grünes Bewusstsein und Verantwortungsgefühl. Möglicherweise steigen viele vom Diesel auf Benziner um.“ Allerdings müsse man die Lage differenziert betrachten. Bei gewerblich genutzten Geländewagen, die viel Zugkraft brauchen, „gibt’s zum Diesel keine Alternative“, sagt Taubenberger. In diesen Fällen liege der Verbrauch „um 15 bis 20 Prozent niedriger“, und, so Taubenberger: „Jeder Verbrauch, der nicht stattfindet, ist gut.“

Generell kritisiert der Tölzer Autohändler, dass es bei dem Thema viel „Verlogenheit“ gebe. Von Seiten der Autoindustrie, die nicht alle Möglichkeiten ausschöpfe, den Schadstoffausstoß von Diesel-Fahrzeugen zu minimieren. Aber auch bei Politik und Öffentlichkeit: „Wenn man das Problem der Feinstaubbelastung ehrlich anpacken wollte, wäre es effizienter, das Heizkraftwerk im Münchner Norden von Kohle auf Gas umzustellen. Stattdessen wird der Diesel zum Sündenbock gemacht, weil es leichter ist, die Sache auf dem Rücken der Autofahrer auszutragen.“

Auch Stephan Leitner, Mitsubishi-Händler aus Icking, hält vieles an den aktuellen Debatten für „Quatsch“. „Wenn ich sehe, wie viele Flieger über München fliegen, weiß ich nicht, ob von da nicht mehr Feinstaub kommt als von Diesel-Fahrzeugen.“ Einige Kunden seien nun „etwas verunsichert“. Aber ob nun Diesel oder Benziner umweltfreundlicher sind: „Das ist die Frage“, meint Leitner. Vor fünf Jahren jedenfalls hätten Diesel noch als deutlich umweltschonender gegolten, und es stimme nach wie vor, dass sie einen geringeren CO2-Ausstoß hätten als Benziner. Unter seinen Kunden gebe es inzwischen auch immer mehr Nachfrage nach Hybrid-Fahrzeugen. Am beliebtesten sei aber immer noch der Diesel.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auto komplett zerkratzt
Das ist bitter: Ein unbekannter Täter hat das Auto eines Heilbrunners (28) derart zerkratzt, dass ein Sachschaden in Höhe von 5000 Euro entstanden ist.
Auto komplett zerkratzt
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Bad Tölz ist eine der fotogensten Kleinstädte Deutschlands
Bad Tölz gehört zu den fotogensten Kleinstädten Deutschlands. Das sagt zumindest ein neues Ranking.
Bad Tölz ist eine der fotogensten Kleinstädte Deutschlands
Massiven Blumentopf zerstört
Eine ärgerliche Sachbeschädigung meldet die Tölzer Polizei aus Gaißach. In den frühen Morgenstunden des Montags wurde ein massiver Blumentopf aus Stein vor einem Anwesen …
Massiven Blumentopf zerstört

Kommentare