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Verzweifelte Suche nach neuer Bleibe

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Seit dem Frühjahr sucht Josef G. (Name geändert) nach einer bezahlbaren Drei-Zimmer Wohnung für sich und seine Kinder. Bislang hatte der alleinerziehende Vater kein Glück. Ihm droht die Obdachlosigkeit. Sein Sohn und seine Tochter müssten ins Heim.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein paar Umzugskisten sind bereits gepackt. Wo und wann er sie wieder ausräumt, weiß Josef G. nicht. Eigentlich müsste der 56-Jährige demnächst seine Wohnung im Tölzer Land verlassen. Noch aber hofft er, dass ihm die Vermieter etwas Zeit geben. Wenn nicht, wird er es wohl auf eine Räumungsklage ankommen lassen. Er auf der Straße und die Kinder im Heim – diese Demütigung könnte er nicht ertragen.

Der Leidensdruck von Josef G. ist hoch. Er kümmert sich allein um seinen Sohn (16) und die Tochter (14), seit ihn seine Frau vor elf Jahren plötzlich verlassen hat. „Ihr war alles zu viel“, sagt der alleinerziehende Vater. Betrogen oder geschlagen habe er sie nie. „Sie ist ein depressiver Typ.“ Hinzu kommen damals wie heute gesundheitliche Probleme. Der 56-Jährige leidet an einer schweren Form von Diabetes sowie an der Nervenkrankheit Polyneuropathie. Vom Knöchel abwärts spürt er nichts – oder stechende Schmerzen. Er gilt als zu 30 Prozent behindert, der Antrag auf 60 Prozent läuft.

Zu den körperlichen Problemen kommen die psychischen. Seit Josef G. von Hartz IV lebt, fühlt er sich als Mensch zweiter Klasse. Vermeintliche Freunde zogen sich zurück, die Frauen zeigen kein Interesse mehr. „Ich fühle mich vom Leben abgemeldet.“ Dabei hatte alles sehr vielversprechend begonnen: Nach dem 1. juristischen Staatsexamen stieg er in den Antiquitätenhandel ein. Damals lebte er noch in München, verdiente gut. Zusammen mit Geschäftspartnern kaufte er außerdem renovierungsbedürftige Immobilien im Ausland. Frisch saniert wurden sie gewinnbringend veräußert.

Die Kinder laden keine Freunde mehr ein

Als alleinerziehender Vater ohne familiären Rückhalt konnte er diesen Job nicht weitermachen, sagt Josef G. Er bewarb sich als Nachtportier und Taxifahrer. Wegen seiner gesundheitlichen Probleme klappte nichts. Viele Arbeitgeber, sagt Josef G., wollen keinen alleinerziehenden Vater einstellen. Lange Zeit weigerte er sich, Sozialhilfe zu beantragen. Stattdessen nahm er Kredite auf. „Ich habe gehofft, es selbst zu schaffen.“ Ein Fehler, für den heute vor allem die Kinder bezahlen.

Denn diese Schulden muss Josef G. nun mühsam abbezahlen, obwohl das Geld ohnehin kaum zum Leben reicht. „Die letzten zehn Tage des Monats sind am schlimmsten“, sagt Josef G. Der Dezember mit Heiligabend bildete da keine Ausnahme. Deshalb feierte die Familie Weihnachten nicht. Geschenke bekommen die Kinder nur von ihrer Mutter. Diese lebt mit ihrem neuen Mann im Ausland und kümmert sich laut Josef G. kaum um ihren Nachwuchs aus erster Ehe. „Sie benimmt sich wie eine entfernte Verwandte, ruft nicht einmal an.“

Wie schlimm es um die Familie steht, wissen die wenigsten. Seine Kinder laden keine Freunde in die 50 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung ein. Sie schämen sich. Die beiden Teenager teilen sich ein Zimmer, der Vater schläft auf dem Sofa. Bettwäsche und Handtücher sind völlig verschlissen, die Kleidung abgetragen. Eine Lehrerin schenkte der Tochter aus Mitleid einmal eine dicke Winterjacke.

Josef G. würde seinen Kindern ebenfalls gerne mehr bieten. Ganz oben auf der Liste steht ein eigenes Zimmer für jeden der beiden Jugendlichen. Betten, Schränke und Schreibtische dafür besitzt die Familie allerdings nicht, ihre aktuelle Unterkunft ist möbliert. Für sich selbst wünscht sich der Mann aus dem Südlandkreis vor allem eines: eine Waschmaschine, die er sich nicht mit andern Mietern teilen muss. „Das klingt wahrscheinlich blöd, aber das ist mein größter Wunsch.“

Wer kann helfen?

Die Familie sucht eine Drei-Zimmer-Wohnung mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Die Kaltmiete darf nicht mehr als 620 Euro kosten und würde vom Jobcenter bezahlt. Angebote an Barbara Stärz von der Tölzer Caritas, Telefon 0 80 41/ 79 31 61 22.

Rubriklistenbild: © dpa

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