Redakteure als Handwerker: Beim Umbau der alten Redaktionsräume Mitte der 1980er-Jahre packten an (v. li.) Karl Bock, Christoph Schnitzer, Gregor Dorfmeister und Alois Ostler.

Langjähriger Tölzer Kurier-Redaktionsleiter gestorben

Viel mehr als ein Chef: Stimmen zum Tod von Gregor Dorfmeister 

Viele Menschen haben Gregor Dorfmeister, langjähriger Redaktionsleiter des Tölzer Kurier, geschätzt und erinnern sich an sein Leben und Wirken. Hier kommen Weggefährten, Kollegen und Freunde zu Wort.

Altlandrat Otmar Huber: „Mich hat er mit seinen Kriegserlebnissen immer an meine eigene Jugendzeit erinnert. Ich musste mit 15 Jahren einrücken. Das hat uns verbunden. Als Journalist war er eine Institution. Wir waren nicht immer einer Meinung, aber er hat immer korrekt berichtet und seine Meinung fundiert begründet. Ich habe ihn sehr geschätzt.“

Karl Bock, unter Dorfmeister Volontär, Redakteur und später Redaktionsleiter des Tölzer Kurier: „Gregor Dorfmeister war für jeden jungen Journalisten einfach der ,Chef‘, eine Ehrenbezeichnung, die heute oft keine Bedeutung mehr hat. Dorfmeister gehörte zu den Journalisten, die wussten, was das (gedruckte) Wort anrichten kann. Deshalb wurde schon einmal eine in der Hitze des Gefechts niedergeschriebene Formulierung abgemildert, was einem jungen Schreiberling wie mich hart anging. Im Nachhinein zeigte sich oft, dass es aber richtig war, sich nicht so weit aus dem Fenster zu lehnen. Diese Umsicht und Weitsicht habe ich immer an ihm bewundert.“

Maria Schnitzer,Vorgängerin von Gregor Dorfmeister als Vorsitzende der Lebenshilfe, für die sie ihn auch anwarb: „Ich weiß noch, wie ich ihn Mitte der 1960er-Jahre das erste Mal in der Redaktion besuchte, die sehr beengt war. Dorfmeister hatte ein ganz kleines Kabäuschen und war umgeben von Zeitungs-, Papier- und Fotostapeln. Aber er hat gleich ein offenes Ohr für mein Anliegen gehabt und mir mit seinen Beziehungen Tür und Tor geöffnet. Vor zwei Wochen haben wir uns das letzte Mal gesehen, uns umarmt, und er hat mit ein Bussi gegeben. Der Gregor wird mir und uns fehlen.“

Bürgermeister Josef Janker: „Er war eine besondere und außergewöhnliche Persönlichkeit. Seine Beiträge und Veröffentlichungen waren klug, kritisch und haben aufgerüttelt. Mich persönlich habe seine Kriegserlebnisse schon damals in der Schule sehr beeindruckt. Der Wahnsinn, dieses Leid. Das wäre auch heute noch als Pflichtfilm angebracht.“

Einsatz für die Lebenshilfe: Gregor Dorfmeister mit seiner Vorgängerin als Vorsitzender der Lebenshilfe, Maria Schnitzer, sowie Altbürgermeister Eckart Fadinger

Hilde Ramisch,ehemalige Redaktionssekretärin: „Gregor Dorfmeister ist über all die Jahre für mich der große ,Chef‘ geblieben. Er war mein Vorbild und mein Idol, sehr geradlinig, äußerst humorvoll und unglaublich schlagfertig. Als er mich vor 36 Jahren zu einem Vorstellungsgespräch mit zehn anderen Bewerberinnen eingeladen, fragte er als erstes, wo ich denn wohne. Auf meine Antwort ,Im Gries‘ meinte er bloß: ,Da haben wir schon eine Gemeinsamkeit, da bin ich aufgewachsen. Das passt. Sie können bei mir anfangen.‘ Ich bin stolz, dass er mir bei einem Besuch vor Kurzem noch das Du angeboten hat. Sein Tod geht mir sehr nahe.“

Walter Frei,ehemaliger Kunstvereinsvorstand: „Er war treuer Begleiter in den aktiven Zeiten des Tölzer Kunstvereins sowie bei der Vorbereitung als auch der gekonnten Würdigung der Ausstellungen und Künstler. Ich möchte an sein Büchlein ,Zwei Reden‘ erinnern, in dem er für den Kunstverein die Kulturlandschaft im Isarwinkel so treffend beschrieb.“

Hans Staar, ehemaliger Sportredakteur: „Meine erste Begegnung mit Gregor Dorfmeister war eine schicksalhafte: Ich diskutierte gerade mit einem US-Wachsoldaten, der mich partout nicht in die Flint-Kaserne lassen wollte, von wo ich als freier Mitarbeiter eines Anzeigenblattes in Wort und Bild über eine Veranstaltung berichten wollte. Das Wort von Gregor Dorfmeister, den ich in meiner Not um Hilfe bat, hatte Gewicht: Ich durfte hinein. Wenig später bekam ich ein Job-Angebot des Tölzer Kurier und bald darauf sogar ein Volontariat. Gregor Dorfmeister wurde nicht nur mein Chef, sondern auch mein großes Vorbild.“

Was wäre der Tölzer Kurier ohne den „Winzerer“? Geburtshilfe leistete Gregor Dorfmeister, der Hans Reiser schon zu Gymnasialzeiten als Karikaturist beschäftigte.

Helga Schmidt-Gaden, Geschäftsführerin des Tölzer Knabenchors: „Neben dem Eishockey hat Gregor Dorfmeisters Herz bestimmt dem Tölzer Knabenchor gehört. Er war lange Jahre Vereinsvorstand und hat uns, wie Carl Orff auch, immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Er hat fast zur Familie gehört. Er wollte auch immer, dass meine Tochter Barbara die Leitung übernimmt. Das ist in Erfüllung gegangen.“

Alois Ostler, Redakteur beim Tölzer Kurier: „Ich empfinde es als großes Glück, dass mich Gregor Dorfmeister nach meinem Abitur gefragt hat, ob ich nicht mal in der Kurier-Redaktion ,schnuppern‘ möchte. Dorfmeister kannte meinen Onkel Jakob Ostler, der viele Jahrzehnte die Schleifermanndl-Kolumne für die Heimatzeitung geschrieben hat. ,Vielleicht schlummert ja bei Ihnen auch eine journalistische Ader‘, so sein Hintergedanke. Aus dem ,Reinschnuppern‘ vor über 40 Jahren ist schnell mehr geworden. Ich habe mein journalistisches Handwerkszeug bei Gregor Dorfmeister gelernt. Der Chef hat auch ein gutes Wort dafür eingelegt, dass meine Frau und ich eine Mietwohnung in Tölz bekamen. Das war nur ein Steinwurf neben Dorfmeisters Haus, und so sind er und seine Frau Fränzi im Notfall auch als Babysitter für unsere kleinen Buben eingesprungen. Ich denke dankbar daran zurück.“

Eckart Fadinger, Tölzer Altbürgermeister: „Gregor Dorfmeister war nicht nur ein Meister der Feder, vielmehr auch ein gemeinsinniger, mitgestaltender Bürger, der sich der Verantwortung seines Wirkens zwischen den Zeilen bewusst war und deshalb die ihm zu Gebote stehenden Mittel (,4. Gewalt im Staat‘) mit überzeugter Fairness gebrauchte. Trotz frühen Ruhms als Schriftsteller und der damit verbundenen weitreichenden Möglichkeiten ist er seiner Heimat treu geblieben. Es ist mir besondere Anerkennung, dass er mich zu seinen Freunden gezählt und mir zu meinem 50. Geburtstag den Ehrentitel ,Tölzer aus Leidenschaft‘ verliehen hat. Die silberne Bürgermedaille der Stadt war hochverdiente Auszeichnung und Ausdruck der Wertschätzung für ihn und sein kommunales Einfühlungsvermögen.“

Der Autor und der Regisseur: Bernhard Wicki, der „Die Brücke“ verfilmte, und Gregor Dorfmeister.

Rainer Bannier, langjährige Führungskraft bei der Lebenshilfe und freier Mitarbeiter beim Tölzer Kurier: „Mit seiner Klugheit, seinem klaren Urteilsvermögen und seiner Fairness, aber auch mit seinem Mitgefühl für andere und seiner Parteinahme für Menschen in Not war er mir ein richtungsweisendes Vorbild und sogar so etwas wie ein väterlicher Freund.“

Joachim Braun, letzter Volontär Dorfmeisters, heute Chefredakteur Frankfurter Neue Presse: „So gut schreiben können wie Gregor Dorfmeister, das war immer mein Ziel. Ich war 17 Jahre alt, als er mich als freier Mitarbeiter beim Tölzer Kurier an die Hand nahm und mir den Weg in den Journalismus öffnete. Bis heute ist dies mein Traumberuf, und Gregor Dorfmeister mein Vorbild als Autor, als Chef und einfach als Mensch.“

Klaus Held, Jurist im Landratsamt im Jahr 2004: „Er war ein Journalist und Gentleman, eine seltene, aber nachahmenswerte Spezies.“ 

Zusammengetragen von Christoph Schnitzer

Beerdigung

Das Requiem in der Tölzer Stadtpfarrkirche beginnt am Donnerstag, 8. Februar, um 9 Uhr. Um 11.30 Uhr wird Gregor Dorfmeister am Waldfriedhof zu Grabe getragen.

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