Diese Silberweide wurde in Kochel am See gefällt. Der Bund Naturschutz fordert einen sorgsameren Umgang und kritisiert, dass heuer zu viel abgeholzt worden sei. Foto: Krönauer

„Zu viel und zu willkürlich ausgeholzt“

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Zu viele Bäume fallen der Kettensäge zum Opfer, mahnt der Bund Naturschutz. Das müsse wegen der Verkehrssicherheit sein, hält das Straßenbauamt dagegen. Eine Grundsatzdiskussion.

Der Bund Naturschutz bemängelt seit Jahren, dass Bäume und Sträucher unkontrolliert abgeholzt würden. „Irgendwann ist das Maß voll“, erklärt Kreisvorsitzender Friedl Krönauer. Gerade heuer sei es ab Mitte Januar besonders schlimm gewesen. „Es wurde sehr willkürlich zugegriffen.“

Grundsätzlich würden Rodungen aus Verkehrssicherungsgründen vorgenommen, erklärt Christine Volkmer, die beim Staatlichen Bauamt für den Landkreis zuständig ist. Ihre Kollegin Katharina Waibl, die sich mit Baumkontrollen befasst, geht ins Detail: „Wir sorgen dafür, dass kein Totholz auf die Straße fällt und die Standsicherheit der Bäume gesichert ist.“ Außerdem sei es nötig, das Sichtfeld an Einfahrten und das Lichtraumprofil an Straßen für hohe Fahrzeuge freizuschneiden.

„Das erkenne ich an“, sagt Krönauer. Allerdings dränge sich der Eindruck auf, dass die Mitarbeiter der Straßenmeistereien in den schneearmen Wintermonaten wenig zu tun gehabt hätten. „Dann beginnt man zu schneiden“, sagt Krönauer. Tatsächlich sei es heuer möglich gewesen, viele Durchforstungsarbeiten zu erledigen, bestätigt Volkmer. Dabei seien aber „nicht mehr oder weniger Bäume als sonst gefällt worden“, so Waibl.

Dass – wie vom Bund Naturschutz kritisiert – mehr Äste als nötig abgeschnitten würden, weil der Preis für sogenanntes Schwachholz durch den Zuwachs an Hackschnitzelheizungen gestiegen sei, weist das Straßenbauamt aber von sich. „Soweit ich weiß, wird es in Bad Tölz für die Hackschnitzelheizung der Straßenmeisterei verwendet und nicht verkauft“, sagt Waibl.

Krönauer beobachtete, wie im Frühjahr Weidekätzchen herausgeschnitten wurden. „Das ist die erste Nahrung der Bienen“, sagt der Schlehdorfer. Da fehle es an Sensibilität und an Verständnis für ökologische Zusammenhänge. Waibl versichert, dass alle Mitarbeiter über die Grundsätze geschult seien. „Das machen die Straßenmeistereien schon seit Jahrzehnten“, sagt auch Volkmer.

Für das Staatliche Bauamt sind Baumkontrolleure im Landkreis unterwegs, die das Gehölz regelmäßig auf ihre Standsicherheit überprüfen. „Nur wenn keine anderen Maßnahmen möglich sind, wird gefällt“, sagt Waibl. So war das zum Beispiel bei vier alten Linden am nördlichen Ortseingang Benediktbeuerns. „Einer hatte Brandkrustenpilz, das ist das Todesurteil.“ Die übrigen seien so nach außen geneigt gewesen, dass sie drohten, auf die Straße zu fallen. Daher habe der Grundeigentümer die Bäume in Absprache mit der Gemeinde gefällt.

Für Krönauer war das zu voreilig. „Der hintere war krank, aber ich wage zu bezweifeln, dass die anderen umgefallen wären“, sagt er. Auch Franz Steger, Leiter des Sachgebiets Umwelt im Landratsamt, stellt immer wieder fest, dass markante Bäume gefällt werden, wobei der Sinn nicht immer ganz klar sei. Allerdings „gibt es immer wieder Urteile, bei denen der Eigentümer bei einem Unfall haften musste“, so Steger.

Ab Anfang März dürfen Bäume ohnehin nur noch in Ausnahmefällen umgeschnitten werden, damit die Vögel in Ruhe brüten können. „Die zwei Silberweiden in Kochel wurden trotz der Sperrfrist gefällt“, hat Krönauer beobachtet. Da sie außerhalb der Zuständigkeit des Staatlichen Bauamts liegen, weiß Waidl nichts über die Einzelheiten. Auch Steger kann sich nicht dazu äußern. Allerdings verfolge die Naturschutzbehörde immer wieder Einzelfälle, „wenn Verstöße offenkundig werden“.

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