In Kindergärten gibt es so gut wie keine freien Plätze

Folge von Corona: Viele Eltern warten mit der Einschulung

  • Patrick Staar
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Bad Tölz-Wolfratshausen – Monatelanges Homeschooling, Unterricht in Kleingruppen, Videokonferenzen – das vergangene Schuljahr war für alle Beteiligten nicht leicht. Viele Eltern fürchten im nächsten Schuljahr offenbar ein ähnliches Durcheinander – und stellen die Einschulung ihres Kindes ein Jahr zurück. Die Konsequenz: In vielen Kindergärten gibt es so gut wie keine freien Plätze mehr.

Einen unbeschwerten Start in die Schule wünschen alle Eltern für ihre Kinder. Viele glauben aber nicht daran und verzichten voresrt auf die Einschulung.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Grundsätzlich sind in Bayern alle Kinder schulpflichtig, die bis zum 30. September 2021 sechs Jahre alt werden. Doch es gibt Ausnahmen. Bei Kindern, die im Zeitraum vom 1. Juli bis zum 30. September sechs Jahre alt werden, können die Erziehungsberechtigten entscheiden, dass ihr Kind erst ein Jahr später eingeschult wird. Diese Gelegenheit nutzen im Landkreis viele Eltern.

„Viele Eltern lassen ihre Kinder lieber noch ein Jahr im Kindergarten, bevor sie sich das Homeschooling antun“

Besonders extrem ist die Lage in Lenggries-Wegscheid. „Viele Eltern lassen ihre Kinder lieber noch ein Jahr im Kindergarten, bevor sie sich das Homeschooling antun“, sagt Tobias Riesch, Geschäftsleitender Beamter in Lenggries. „Wir müssen in der Gemeinde 30 zusätzliche Kindergarten-Plätze schaffen.“ Da gleichzeitig die Anmeldungen für die Krippen sinken, wird eine Krippen- in eine Kindergarten-Gruppe umgewandelt. Den zusätzlich notwendigen Gruppenraum stellt die Grundschule zur Verfügung. Zudem werden in den drei gemeindlichen Kindergärten zusätzlich zwei Erzieherinnen, zwei Kinderpflegerinnen und eine Assistenzkraft eingestellt.

„Ein Drittel der Kinder wechselt nicht in die Schule“

„Bei uns ist es genauso wie in Wegscheid“, sagt Martina Schmid, Leiterin des Greilinger Kindergartens. „Wir haben viele Rückstellungen, ein Drittel der Kinder wechselt nicht in die Schule.“ Unter dem Strich rücken in Greiling heuer nur zwölf Kinder in die erste Klasse auf. Die Konsequenz: „Normalweise haben wir immer noch ein paar freie Plätze, heuer sind wir übervoll.“ Alle 72 Kindergartenplätze sind vergeben, jede Woche muss Schmid ein bis zwei Anfragen ablehnen: „Ich kann mich nicht erinnern, dass die Nachfrage schon mal so extrem war.“ Schmid hat Verständnis für die Entscheidung der Eltern: „Bei uns ist ein Vierteljahr lang fast nichts passiert, den Kindern fehlt ein ganzes Quartal Vorschule.“

„Ich glaube aber nicht, dass das an Corona liegt, das war schon immer so“

Im Tölzer Kindergarten Heilige Familie in der Karwendelsiedlung rücken nur drei Kinder in die Schule auf, die im Korridor zwischen dem 1. Juli und dem 30. September geboren sind. „Ich glaube aber nicht, dass das an Corona liegt, das war schon immer so“, sagt Leiterin Monika Rinshofer. „Die Kinder, die in diesem Zeitraum geboren sind, sind einfach wesentlich jünger als der Rest.“

Rückstellungen: In Gaißach kein Thema

„Überhaupt kein Thema“ sind die Rückstellungen dagegen in Gaißach. Lediglich drei Elternpaare nutzten die Gelegenheit, ihre Sprösslinge ein weiteres Jahr im Kindergarten zu lassen, dafür rücken 31 Kinder in die erste Klasse auf: „Bei uns gibt es keine außerordentlichen Befürworter des Rückstellungs-Korridors“, sagt die Leiterin Teresa Decku. Da so viele Kinder in die Schule wechseln, seien im Kindergarten sogar noch einzelne Restplätze frei. Mit zwölf Anmeldungen komplett ausgebucht sei laut Decku hingegen die Krippe: „Da mussten wir schon einigen Leuten absagen.“

Viele Gäste im Sachsenkamer Kindergarten

Im Sachsenkamer Kindergarten wurde größer gebaut, als es vor einigen Jahren notwendig erschien. Zum Glück. „Wir sind fast voll“, berichtet Leiterin Kathrin Marschner. Rückstellungen seien in Sachsenkam „überhaupt kein Thema“. Ihre Beobachtung: „Der Trend geht in die Richtung, dass man die Kinder nicht in der eigenen Gemeinde unterbringt, sondern in einem Kindergarten, der günstig auf dem Weg zur Arbeit liegt.“ In den Sachsenkamer Kindergarten gehen daher auch Kinder aus Reichersbeuern, Greiling, Schaftlach und Waakirchen. Auch in der Krippe seien alle 24 Plätze belegt. Marschner: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass es hier so schnell so viele Kinder werden.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild/Thomas Warnack/dpa

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