„Ich bin ja nicht durchgerast, nur durchgerollt“: Die Argumente, die ein Radler gegenüber den Verkehrsüberwachern Max Brummer (li.) und Enrico Schunk vorträgt, nutzen ihm an diesem Tag wenig.
+
„Ich bin ja nicht durchgerast, nur durchgerollt“: Die Argumente, die ein Radler gegenüber den Verkehrsüberwachern Max Brummer (li.) und Enrico Schunk vorträgt, nutzen ihm an diesem Tag wenig.

VERKEHRSÜBERWACHUNG

Viele Mahnungen, einige Bußgelder: Radlkontrollen in der Tölzer Markstraße

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
    schließen

Die Fahrradkontrollen der Verkehrsüberwachung in der Tölzer Marktstraße stoßen auch recht gemischte Reaktionen. Ein Ortsbesuch:

Bad Tölz – „Es sind aber auch besondere Uhrzeiten, da soll sich noch einer auskennen. Ich komme ja nicht von hier – und bin ja auch nicht durchgerast, sondern nur durchgerollt.“ Die Argumente gehen dem sportlichen Mann in Rennradlermontur nicht aus. Doch es nutzt nichts. „Es steht überall, dass Radfahren hier in der Fußgängerzone nicht erlaubt ist“, antwortet ihm der Verkehrsüberwacher. Für den Verstoß wird nun ein Bußgeld von 25 Euro fällig.

Zum zweiten Mal haben am Donnerstag Mitarbeiter des „Zweckverbands Kommunale Dienste“ eine Aktion gestartet, um das Radlverbot in der Marktstraße zu überwachen. Nur zwischen 21 Uhr abends und 9.30 Uhr am Morgen ist es erlaubt, mit dem Rad durch die Fußgängerzone zu fahren. Tagsüber müssen die Menschen schieben. Kontrolliert wurde die Regelung in den vergangenen Jahren kaum – bis die Stadt Bad Tölz die Überwachung des ruhenden Verkehrs und der Fußgängerzonen zum 1. April auf den Zweckverband übertrug (wie berichteten).

Verkehrsüberwacher wollen bewusst gesehen werden

Am Donnerstag nun platzieren sich Teamleiter Max Brummer und seine Kollegen Caroline Klawonn, Enrico Schunk und Michael Impekoven wieder in der Marktstraße. Durch ihre weißen Hemden mit Schulterklappe sind sie weithin als Verkehrsüberwacher erkennbar. „Wir wollen bewusst gesehen werden“, sagt Brummer.

Es dauert kaum eine Minute, bis das Team den ersten Radler anspricht. Das Gespräch verläuft freundlich. „Ich wusste eigentlich, dass es verboten ist, dachte aber, ein paar Meter geht es schon“, räumt Stefan Christl offen ein. „Aber ich finde es völlig in Ordnung, wenn man darauf hingewiesen wird. Hier sind ja viele Fußgänger unterwegs.“ Wie bei den meisten Radlern belassen es die Überwacher bei einem freundlichen Gespräch. Einige Frauen setzen ihr charmantestes Lächeln auf, Männer brummeln etwas vor sich hin von wegen „nicht gewusst“ oder „vergessen“.

Vater, Mutter und zwei Töchter rollen in einer Reihe über das Kopfsteinpflaster. Das würde eigentlich 25 Euro pro Person kosten, klärt sie der Überwacher auf. „Dann sollte man das hier vielleicht nicht als Radweg ausweisen“, meint der Vater und deutet auf einen kleinen grünen Richtungsweiser mit einem Rad. Tatsächlich führt der touristische Bodensee-Königsee-Radweg durch die Marktstraße – was nichts daran ändert, dass man das Rad schieben muss. Die Überwacher verzichten trotzdem aufs Abkassieren. Anders ist es bei einem Jugendlichen, der auf seinem Mountainbike mit viel Schwung aus der Kirchgasse in die Marktstraße schießt – und perplex ist, als er gestoppt wird. Er muss wegen des hohen Tempos die 25 Euro Bußgeld entrichten.

Radfahrer kritisieren schlechte Verbindung in Tölz zwischen oben und unten

Moritz Reischl-Zand schriebt sein Fahrrad mit Anhänger ordnungsgemäß, aber spricht die Überwacher von sich aus an. „Das Problem ist doch, dass es in Tölz keine gute Verbindung zwischen oben und unten gibt, die man als Radler sicher befahren kann“, sagt er. Auf der Osterleite lasse er seine Kinder jedenfalls nicht fahren. Und wenn die Kinder im Anhänger säßen, komme er die Osterleite gar nicht hoch.

Caroline Klawonn kann ihm nur antworten, dass die Stadt sicherlich für Verbesserungsvorschläge dankbar wäre. Die heutige Kontrolle habe „bestimmt nicht das Ziel, Familien mit Kindern abzukassieren, sondern ein Statement zu setzen, damit den Menschen die Regeln bewusster werden und sie besser eingehalten werden.“ Hans Zeiler findet die Aktion trotzdem „doof“ und „übertrieben“, wie er dem Tölzer Kurier sagt, nachdem ihn ein Überwacher ohne Bußgeld aufgeklärt hat. „Jeder, der hier fährt, ist doch total vorsichtig. Es passt in unsere Zeit, dass alles reglementiert werden muss.“

Knapp 30 Verkehrssünder in nur einer Stunde in der Tölzer Marktstraße

Aus Sicht eines langjährigen Anwohners der Marktstraße haben die Kontrollen dagegen ihre Berechtigung. Es seien „unzählige Radler“, die seiner Beobachtung nach die Marktstraße befahren. „Es gibt zwar nicht mehr diese Radler-Rambos wie früher, die alles wegklingeln“, sagt er. Die meisten seien vernünftiger. Doch es gebe auch genug, die die abschüssige Marktstraße im Schuss hinterbrausen. „Alte Leute erschrecken sich, und es kam auch schon zu Berührungen und Stürzen.“ Max Brummer hat Strichliste geführt. In einer Stunde Kontrolle haben 21 Radfahrer eine mündliche Verwarnung bekommen, sieben Bußgeldbescheide wurden ausgestellt, vier an Radler und drei an Pkw-Fahrer, die unerlaubt in die Marktstraße eingefahren waren. Die Überwacher wollen wiederkommen.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Bad Tölz finden Sie auf bei Merkur.de/Bad Tölz.

Mehr zum Thema

Kommentare